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Seat Ibiza: Comics lesen bildet

16.05.2008 | 12:37 |  Von Timo Völker (Die Presse)

Bei Seat soll endlich was weitergehen, und da hängt einiges am neuen Ibiza (und seinem Designer). Optisches Thema ist das Manga-Gesicht.

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Von allen Marken in der großen Sammlung von Volkswagen macht Seat seinen Eigentümern bislang am wenigsten Freude, ein Zustand, der nun langsam, aber sicher ins Gegenteil gedreht werden soll. Dazu ist das Projekt Seat-Gesundung längst zur Chefsache erklärt, und den VW-Chefs Martin Winterkorn und Vorgänger Piëch sind auch einige Dinge eingefallen. So steht der neue Ibiza auf der brandneuen Kleinwagenplattform des Konzerns, wie es ihm bald der VW Polo gleichtun wird. Und aus Sant’Agata im Piemont, wo Audi-Tochter Lamborghini die Einwohner in Angst und Schrecken versetzt (so zumindest ein paar Werbesujets), wurde Designer Luc Donckerwolke abgezogen. Den in Brasilien geborenen, vielsprachigen Kunstsinnigen darf man als eine der Ursachen für den boomartigen Zuspruch vermuten, den die beiden Krawallflundern Gallardo und Murcièlago bei reichen Menschen erfahren.

Böser Blick, aber lächelnd


Was Donckerwolke in der recht kurzen Zeit von zwei Jahren für Seat eingefallen ist, kann man nun am neuen Ibiza studieren. Der Ibiza ist wichtig: Mit 45 Prozent Anteil an den Seat-Verkäufen hängt die Marke fast schon bedrohlich an dem kleinen Kompakten. Ganz anders als der Traditionshersteller Škoda hat die Retortenautofirma Seat eine eher dürftige Modellhistorie: Jahrzehntelang wurden überhaupt nur Fiats nachgebaut. Hat immerhin den Vorteil, dass Donckerwolke innerhalb der einigermaßen vagen Markenpositionierung (sportlich und günstig) unbefangen zeichnen kann. Optisches Thema beim Ibiza ist nach Donckerwolke das Manga-Gesicht, also der Look aus japanischen Comics: böser Blick, aber doch ein verschmitzter Zug um die Lippen; quasi süß-sauer auf Japanisch.

Die Karosserie soll dabei den Eindruck erzeugen, als wäre „Stoff über Stangen gespannt“. Tatsächlich sind die beiden gegenläufigen Falzen an der Seite kühn gezogen, und der Ibiza besteht auch den unbestechlichen Schnittigkeitstest: Er gewinnt in der Farbe Weiß, die bekanntlich jede Plumpheit sofort entlarvt. Man kann für die Zukunft bei Seat durchaus einiges erwarten.

Ist man beim Look vielleicht noch unschlüssig, so überzeugt der Innenraum spontan: die kluge Ergonomie nach Art des VW-Hauses kombiniert mit wirklich pfiffigen Designakzenten, unterstützt von höchster Passgenauigkeit – mithin eine Bauqualität, wie sie weiland „Fugen-Ferdl“ Piëch gefällt.

Donckerwolke hat seine Mangas gründlich studiert, und in dieser Atmosphäre von spaßigem Hightech und Zukunftslook wirkt nun plötzlich das altbackene Seat-Logo als Störelement – „wir sind an der Überarbeitung dran“, lässt der Designer ausrichten.

Neue technische Plattform, das bedeutet zunächst Größenzuwachs in Länge und Radstand, beides ist ebenso Raumgefühl wie Fahrverhalten förderlich. Der Ibiza ist dennoch nicht schwerer geworden, sondern gar ein wenig leichter (minus 25 kg), wie das von Up-to-date-Autos auch gefordert wird.

Erwartungsgemäß bezieht der Ibiza fahrerisch Stellung zum sportlichen Markenimage. Das beginnt beim ganz wunderbaren Lenkrad (mit Ledereinsätzen) und der fast strengen Sitzposition und mündet in ein Fahrwerk, dem man schon gute Ansätze von Kurvenspaß entlocken kann. Die Reifen winseln nicht gleich nach ESP-Einsatz, und die Lenkung fühlt sich präzise und nach frecher Wendigkeit an. Erstaunlich auch das Raumgefühl; dass man dennoch recht intim beieinander sitzt, merkt man erst an gelegentlichen Ellbogenkontakten mit dem Beifahrer.

Das Platzangebot auf den Fondsitzen reicht durchwegs auch dem Erwachsenen, nur ist der Einstieg dermaßen von der flotten Dachlinie verstellt, dass man turnen muss, um auf die hinteren Plätze zu kommen. Es ist zu überprüfen, wie sehr das beim täglichen Kindersitzhandling stören mag.

Im Motorraum hat sich am wenigsten getan, fast erstaunt registriert man das Begrüßungsnageln des alten Pumpe-Düse-Haudegens. Fairerweise muss man einräumen, dass Volkswagen die Ruppigkeit und den harschen Sound des 1,9-Liter-Diesels ganz gut in den Griff bekommen hat. Unbestritten ist seine Sparsamkeit, die im Normverbrauch mit 4,5 Litern/100 km angegeben ist, löblich der serienmäßige Partikelfilter, das bietet gerade Peugeot bei seinen Einstiegsdieseln nicht. Wir votieren dennoch für den ebenfalls 105 PS starken 1,6-Liter-Benziner, der atmosphärisch besser zum unbeschwerten Kleinwagenfeeling passt und mit 6,6 Litern/100 km auch kein schwerer Trinker ist. Sparsamer noch die Benziner mit 1,2 und 1,4 Liter Hubraum (mit 70 und 85 PS). Freundliches Wort bei den Preisen: Um „günstig“ zu zementieren, geht es früher los als bisher: bei 12.760 Euro für 70 PS und fünf Türen. Luxuriös der Diesel: ab 18.520 Euro.
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