16. Art Car von BMW, das mit einem Auto auf den ersten Blick allerdings wenig gemeinsam hat, eher mit einem Iglu auf Rädern. Der isländische Künstler verpackte in seinem Werk ein mit Wasserstoff betriebenes Rekordfahrzeug unter eine Eisschicht.
Ausgangslage: Derzeit gibt es weltweit etwa 750 Millionen Pkw, im Jahr 2030 werden es laut einer Prognose von BMW über eine Milliarde sein. „Wie können wir diese Fahrzeuge verwenden, ohne dass die Umwelt etwas davon merkt“, fragt Raymond Freymann, zuständig für Forschung und Technik bei BMW, bei der Präsentation des frostigen Art Car in München.
Künstler Eliasson will das Auto und die Konsequenzen des Fahrens in Bezug zu unseren eigenen Körpern setzen. Wenn der Besucher im Kühlraum zu frieren beginnt, wird er aufgefordert, mit seiner Energie sparsam umzugehen. Der 41-Jährige will so den Fokus vom Auto auf die Verbraucher verschieben: Wie können wir als Konsumenten Transport und Fortbewegung in eine andere Richtung lenken, lautet die Frage, die er in den (Kühl)Raum stellt. „Ich hoffe, einen Beitrag dazu zu leisten, unser Denken, unser Fühlen und unsere Erfahrungen, die mit dem Auto verbunden sind, zu verändern“, so der Isländer.
Art Car von Ernst Fuchs
Begonnen hat die Art-Car-Serie in den frühen 70er-Jahren. Die Idee, Automobile von Künstlern gestalten zu lassen, stammt vom französischen Auktionator und leidenschaftlichen Rennfahrer Hervé Poulain. Er bat Alexander Calder, Freund und Künstler, seinen Rennwagen zu gestalten. Poulain nahm damit am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Dieser BMW 3.0 CSL war der Grundstein des Art-Car-Programms. Weitere automobile Kunstwerke wurden von David Hockney, Jenny Holzer und Roy Lichtenstein kreiert. 1982 schuf der österreichische Phantastische Realist Ernst Fuchs aus einem BMW 635 CSI sein Art Car.
Eliasson ist mit seiner Arbeit wesentlich weitergegangen als seine Vorgänger. Andy Warhol malte 1979 an seinem M1 bloß
30 Minuten, der Isländer nahm sich für „Your mobile expectations: BMW H2R Project“ drei Jahre Zeit. Mit dem 41-Jährigen kam es zum Bruch in der Art-Car-Kollektion. Bei den ersten 15 Künstlern diente das Fahrzeug bloß als Leinwand. Das genügt den künstlerischen Ansprüchen der Gegenwart nicht mehr. Eliasson nahm den Auftrag, das 16. Art Car zu gestalten, nur unter der Voraussetzung an, alles mit dem Auto machen zu dürfen.
„Wasserstoff ist Raketentreibstoff“, betonte Raymond Freymann. Die Energieeffizienz von flüssigem Wasserstoff, gelagert bei minus 250 Grad, ist etwa dreimal so hoch wie die von fossilen Treibstoffen. Am 19. September 2004 wollte ein BMW-Team unter der Leitung von Freymann beweisen, dass sportliches Potenzial in dem alternativen Energieträger steckt. Als erstes wasserstoffbetriebenes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor knackte der H2R die 300-km/h-Marke. Dieses Rekordfahrzeug ist die Basis für Eliassons Projekt.
Der Künstler hat die Karosserie des H2R entfernt und sie durch Lagen aus Stahlgeflecht und Metallplatten ersetzt. Dieser Rahmen wurde über mehrere Tage mit fast 2000 Liter Wasser besprüht, bis Schicht für Schicht eine Eishaut gewachsen ist. Gefrierendes Wasser, schmelzendes Eis sind Fingerzeige auf die Gefährdung der Umwelt. Der Isländer will die Themen Mobilität und erneuerbare Energie reflektieren. Über Eis soll die Aufmerksamkeit auf Wasserstoff gelenkt werden.
Die Zukunft wimmert
Bereits Jules Verne sah im Wasserstoff die „Kohle der Zukunft, die Energie von morgen“. Das simple Muster dahinter: Aus Wasser und Energie wird Wasserstoff – aus Wasserstoff wieder Wasser und Energie. BMW forscht seit über 30 Jahren an Wasserstofffahrzeugen. Die Autos der Zukunft sollen bloß H2O und nicht mehr CO2 ausstoßen.
Der Start in die Zukunft klingt derzeit jedoch etwas jämmerlich. Sekundenlang wimmert der Starter, bis der Motor anspringt. Das ist man von einem 7er-BMW eigentlich nicht gewohnt. Es ist aber auch keine gewöhnliche Luxuslimousine aus München, es ist der Hydrogen7.
Hundert Stück hat BMW von diesem Wasserstofffahrzeug auf Basis der 7er-Reihe produziert. Es soll die Rolle des technologischen Schrittmachers übernehmen und die Alltagstauglichkeit von Wasserstoffmotoren auf hohem Niveau demonstrieren: Der Hydrogen7 ist eine Luxuslimousine ohne Komforteinbußen. Angetrieben von einem V12-Motor mit sechs Liter Hubraum, kann er „bivalent“ sowohl mit Wasserstoff als auch mit Benzin betrieben werden. Per Knopfdruck wechselt man während der Fahrt zwischen den Treibstoffarten – ohne vom Gas gehen zu müssen, ohne Ruckeln oder Unterschiede in der Fahrleistung. Einzig das Motorengeräusch erhält ein anderes Klangmuster.
260 PS aus einer Sechslitermaschine sind keine berauschende Leistungsausbeute, am Prüfstand ist man aber bereits bei einer Literleistung von 140 PS angelangt.
Bei Diesel beziehungsweise Benzinkraftstoff gehen die Wogen bereits bei 1,50 Euro Literpreis hoch. Acht Euro kostet dagegen ein Kilogramm Wasserstoff derzeit, 3,6 Kilogramm davon verbraucht der Hydrogen7 auf 100 Kilometer. Nach 250 Kilometern muss getankt werden. Bloß: Ein entsprechendes Tankstellennetz existiert nicht. Kurt Döhmel, Deutschland-Chef von Shell, schätzte am letzten Wiener Motorensymposium die Kosten für die Umrüstung auf eine funktionsfähige Infrastruktur auf 140 Milliarden Euro – allein für Deutschland.
Aber auch die Herstellung von Wasserstoff ist derzeit zu teuer und zu energieintensiv. In Zukunft soll er mit Hilfe regenerativer Energie gewonnen werden, entsprechende Versuchsbetriebe laufen, von der industriellen Produktion ist man aber noch ein gutes Stück entfernt.
Bleibt das Wasserstoffauto also Zukunftsmusik? Spätestens 2020 will BMW das erste auf den Markt bringen. Bis dahin wird Eliassons Kunstwerk wohl längst geschmolzen sein.