Es war ein nobles Vorhaben, das Daimler im Jahr 2000 verkündete: den Superreichen dieser Erde möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Das wurde zwar nicht exakt so formuliert, doch die Ankündigung des bis dato längsten und selbstredend teuersten Autos der Welt durfte durchaus so verstanden werden. Keinesfalls wollte man diese Übung den Konkurrenten Volkswagen und BMW überlassen, die soeben mit den revitalisierten Marken Bentley respektive Rolls-Royce an den Start gegangen waren.
Der Stern ist nicht genug
Daimler vertraute nicht auf die Strahlkraft des Mercedes-Sterns, sondern kramte das Maybach-Label aus der Historienkiste. Der Konstrukteur Wilhelm Maybach (1846–1929) war neben Gottlieb Daimler die prägende Figur in der Frühzeit der Marke gewesen. Maybach brachte das Otto-Patent (den modernen Benzinmotor) zur Serienreife, und er wusste die weitsichtigen Ezzes des Österreichers Emil Jellinek technisch umzusetzen. Später zog Maybach mit seinem Sohn eine eigenständige Auto- und Motorenfabrik hoch, die Marke residierte in Preis und Prestige weit über Mercedes. Den Krieg überstand aber nur die Motorenproduktion, hauptsächlich Großaggregate für die Industrie. Unternehmen und Markenname wurden 1960 vom Daimler-Konzern übernommen. Kurz: Der Name Maybach war bestenfalls Autokennern mit geschichtlichem Interesse ein Begriff.
Die Daimler-Führung um Jürgen Schrempp glaubte aber an die Kraft des Marketings, mit Pauken und Trompeten wurde das erste Auto, der Maybach 62, nach New York überstellt – direkt in die Wall Street, ins Zentrum des Kapitals. Leider wurde die Bedeutung des Designs übersehen. Zwar fuhr das fast 6,2 Meter lange (daher die Typenbezeichnung) und gut 500.000 Euro teure Stück alles auf, was man an Luxus auf vier Rädern verteilen kann. 3,8 Meter Radstand zum Beispiel boten ausreichend Platz für Liegesitze, wie man sie aus der First- oder Business-Class von Langstreckenflügen kennt. Originell war noch das zweite Set von Tacho und Drehzahlmesser im Fond, mit dem man dem Fahrer auf die Finger schauen konnte. Mehr ein Auto zum Selberfahren war der kürzere Maybach 57, mit 5,7 Metern Länge freilich immer noch ganz stattlich.
Während Bentley und Rolls-Royce ihre Marken- und Modellhistorie in die heutige Zeit zu übersetzen vermochten, konnte Maybach nie etwas wie einen Markenkult entfachen. Auch, weil das Design schwerfällig und wenig sexy geraten war. Das böse Wort von der „aufgeplusterten S-Klasse“ stand stets im Raum. Einen zweiten Anlauf hat Daimler nie genommen. In knapp zehn Jahren wurden nur 3000 Stück abgesetzt. Daimler-Chef Dieter Zetsche lässt die Marken nun auslaufen. Die Trauer hält sich allgemein in Grenzen.
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