Es gibt ja die Theorie, wonach die Welt mit zwei Arten von Autos auskäme: dem Typ Käfer für alle, die nicht viel Geld auf der Straße lassen wollen. Mit dem Käfer sind früher Dreikindfamilien auf Urlaub nach Italien gefahren, null Problemo, er ist zudem ein 1a-Winterauto, weil Motor auf der (angetriebenen) Hinterachse. Typ zwei wäre Adenauer-Mercedes, für die Fabriksdirektoren unter uns. Alles andere: Pipifax, bloße Produktdiversifizierung im Zeichen von Mode und Zeitgeist.
Zumindest dann eine hilfreiche Theorie, wenn man das Phänomen SUV deuten will. Vor etwa 15 Jahren stürmten kompakte Vans den Markt, angeführt vom Renault Scénic. Ein goldenes Jahrzehnt lang kam keine Jungfamilie ohne rollendes Zweitkinderzimmer aus. Und was ist nun geschehen? Die Nachfrage hat stark nachgelassen, stattdessen sind die kompakten SUV an den Vans vorbeigezogen: Autos, die aussehen, als könnte man damit im Gelände fahren, was niemand tut, die dafür mehr verbrauchen und weniger Platz bieten, was offenbar niemanden stört.
Die gute Nachricht für Renault, die noch kein richtig tolles SUV im Angebot haben: Der Scénic führt das Feld der Vans unverändert an, vor Touran, C4 Picasso und C-Max. Dank eines umfangreichen Facelifts soll das auch so bleiben: endlich LED-Tagfahrlicht, eine hübschere Front, die ganze Latte an Assistenzsystemen, wer sie mag, eine frische Innenausstattung und drei neue Sparmotoren, Diesel auch mit Doppelkupplung. Platz? Der Grand Scénic (ab 18.700 Euro) hat so viel davon, dass es ihn sogar mit sieben Sitzen gibt. tv
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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