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Hyundai i30: Die neue Zweckmäßigkeit des Zeitgeists

Hyundai i30
Bild: (c) Werk 

Hyundai legt mit dem neuen i30 die Schlichtheit ab. Das kompakte Auto fühlt sich gut an, sieht elegant aus und unterbietet die deutsche Konkurrenz. Technisch ist noch Luft nach oben.

 (Die Presse)

Früher heiligte allein der Zweck die Stilmittel. Dürfen wir an Grazien wie „Elantra“ und „Pony“ erinnern? Nun hat Hyundai seine Linie gefunden. Verantwortlich dafür ist Chefdesigner Thomas Bürkle. Der Deutsche ist seit sieben Jahren bei den Koreanern, war davor bei BMW unter Chris Bangle, entwarf dort den 6er. Nun gibt er Hyundai eine Markenidentität: weg von Beliebigkeit und Billigschiene. Das fließende Flächenspiel, die stark akzentuierten Linien und betonten Radausbuchtungen: Das entspricht dem Zeitgeist, soll Seriosität und Eleganz verleihen. Am hexagonalen Grill sollt ihr Hyundais erkennen.

Wie auch den neuen i30, mit dem die Koreaner in der Kompaktklasse die Schlichtheit ablegen, um nicht in der grauen Masse unterzugehen. Hyundai befindet sich weltweit auf der Überholspur. Um dort zu bleiben, halten sie das Tempo hoch. Im Fünfjahresrhythmus erfolgen die Generationenwechsel, das schafft sonst kein anderer Hersteller. Den Grundstein des Erfolgs in Europa legte der i30. Nun soll die zweite Generation den nächsten Schub bringen.

Außen hat Hyundai dem gängigen Wachstumsdrang kaum nachgegeben. 4,30 Meter Länge, lediglich plus zwei Zentimeter gegenüber dem Vorgänger, hier wird die Kompaktklasse ihrem Namen noch gerecht. Innen geht es trotzdem luftig, wohnlich zu. Man fühlt sich sofort gut aufgehoben im i30. Die Koreaner haben ihr Handwerk gelernt: Der Fortschritt bei Haptik und Ergonomie ist in jedem Detail spürbar. Auch bei der Qualität. Dazu hat aber VW-Chef Martin „Da scheppert nichts“ Winterkorn auf der IAA im Herbst eigentlich bereits alles gesagt. Der Fokus des i30 liegt weiterhin auf dem praktischen Nutzen. Stellvertretend dafür sei nur der nun größere Kofferraum erwähnt. Die bodenständige Vollwertkost gibt es weiterhin zum moderaten Preis. Selbst das Basismodell (ab 15.990 Euro) ist bereits ordentlich ausgestattet.

Bei der Technik kommt keine Verspieltheit auf. Die grundsoliden Vierzylinder sind eher auf Genügsamkeit getrimmt, ohne dass die Dynamik vollkommen auf der Strecke bleibt. 4,1 Liter verbraucht etwa der stärkste der drei Diesel mit 128 PS. Ein geschmeidiges Aggregat, das äußerst fein weggedämmt wurde. Passend dazu das Fahrwerk mit komfortabler Note.

Alternativ gibt es zwei Benziner (100 PS und 135 PS), nur der stärkere kommt als Direkteinspritzer, Turbo haben beide nicht. Technik-Freaks werden mit dem i30 aber kaum Freude haben. Start-Stopp-Automatik? Die Kunden haben immer noch Berührungsängste, so der Hersteller. Bei einem Aufpreis von 350 Euro wird sie auch nicht genommen. Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, Verkehrsschilderkennung und Konsorten? Etwas für Vielfahrer, aber kein Bedarf in der Kompaktklasse, lautet Hyundais Antwort. Der i30, ein Auto für Leute, denen die Technik bereits übermächtig erscheint. Nimmt man die Verkaufszahlen von Hyundai, scheint es davon immer mehr zu geben.

Auf einen Blick

Hyundai i30

L/B/H: 4,3/1,78/1,47 m, Gewicht: ab 1281 kg, Kofferraum: 376–1316 l.

Benziner: 1396 ccm – 100 PS/137 Nm, 0–100: 13,2 sec, Verbr. 6,0 l. 1591 ccm – 135 PS/164 Nm, 0–100: 9,9 sec, Verbr. 5,7 l.

Diesel: 1396 ccm – 90 PS/230 Nm, 0–100: 13,5 sec. 1582 ccm – 110 u. 128 PS/260 Nm, 0–100: 12,3/10,9 sec, Verbr. 4,1 l.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

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