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Opel Ampera: Das innere Gleichgewicht finden

31.05.2012 | 18:21 |  von Michael Pitour (Die Presse)

Der Hype um Elektroautos ist vorbei. Gut so. Nun kann der Opel Ampera in aller Sachlichkeit beweisen, was er kann. Und das ist schon einiges.

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Das Getöse in den USA um das Schwestermodell des Ampera war gigantisch. Es sei der legitime Nachfolger des „Modell T“ von Ford, es werde die Autoindustrie revolutionieren wie der iPod die Musikbranche. Zehntausende Anhänger priesen die technische Innovation auf eigens kreierten Websites. Das war in etwa im Jahr 2008, als GM ankündigte, mit dem Volt (für Chevrolet) bzw. Ampera (für Opel) Ernst zu machen.

Das erste Auto mit „Range Extender“. Ein Elektroauto, das nicht nach bereits kurzer Distanz saftlos liegen bleibt. Der Grundgedanke: Bei ausgezuzelter Batterie treibt ein Benziner einen zusätzlichen E-Motor/Generator an, der während der Fahrt die benötigte Energie liefert. Eine Hybridlösung, die so noch keiner hat. Elektrisch fahren ohne Reichweitenangst.

Vier Jahre später sieht die Lage hingegen deutlich trister aus. Eine technische Panne nach einem Crashtest, nötige Nachbesserungen, verzögerte Auslieferung und nun im Frühling gar eine Produktionspause von über einem Monat wegen zu geringer Nachfrage in den USA. In den ersten zwei Monaten 2012 wurden auf dem Heimmarkt von GM lediglich 1600 Stück verkauft. Die angepeilte Produktion für die USA lag hingegen bei 45.000 Fahrzeugen jährlich.

 

Mit 70 ist noch lange nicht Schluss

Der Hype ist also längst verflogen. Geblieben ist uns hingegen ein richtig gelungenes Auto. Das beweist der Opel Ampera im Test. Etwa 70 km schafft er im reinen Elektromodus mit einer Akku-Ladung (16 kWh). Ohne lästige Motorgeräusch durch die Gegend zu schnüren – einfach ein Genuss. Spontaner, geschmeidiger, direkter: Der Charakter des Elektrofahrens bleibt aber auch, wenn sich der Vierzylinder zuschaltet. Dann läuft ein komplexes Wechselspiel zwischen dem Antrieb, Laden der Batterie und Rekuperation ab, von dem die Insassen jedoch nichts mitbekommen. Je nach Fahrzustand liefern sowohl beide E-Motoren als auch der Benziner mit unterschiedlicher Intensität Kraft an die Vorderräder. Der Vierzylinder hält sich dabei akustisch stets nobel zurück. Das besonders bei japanischen Hybridlösungen typische nervöse Hochdrehen bei höherem Kraftbedarf entfällt. Der Benzinverbrauch des Ampera liegt zwischen null und sieben Litern, je nach Zugriffsmöglichkeiten zu Steckdosen und Fahrweise. Zahlreiche Menüebenen und Anzeigen auf dem Mittel-Display und Armaturen helfen dem Lenker bei der Effizienzsteigerung seines Fahrstils. Etwa ein stilisierter Ball neben neben dem Tacho, der je nach Grad der Beschleunigung entsprechend stark von der Ausgangslage abweicht. Wer den Verbrauch optimieren will, muss nur das innere Gleichgewicht finden und ihn in Schwebe halten.

Politische Korrektheit muss aber nicht zwangsläufig eine Spaßbremse sein. Der Ampera bietet eine einwandfreie Fahrdynamik mit hoher Kurvenstabilität, Zugkraft ohne Unterbrechung und ordentlich Biss dank des durchgehend hohen Drehmoments. Fahrwerk und Lenkung sind sauber abgestimmt. Nicht nur außen, auch innen will Opel bereits beim Design deutlich machen, dass es sich um ein Auto der Avantgarde handelt. Trotz einiger Spielereien hat man alles intuitiv im Griff. Der Ampera hinterlässt einen durchgehend hochwertigen Eindruck, bietet ansprechenden Komfort für vier Leute und ausreichend Platz für Alltägliches im Kofferraum.

Beim Basis-Preis von 43.900 Euro kommt man vorerst zwar etwas ins Schlucken. Wer dann aber nachschaut, was man um das Geld bei Audi, BMW oder Mercedes erst bekommt, kann bereits ins Grübeln kommen. Ein Vergleich, der hinkt? Na ja, Premium-Fahren bekommt man beim Ampera auch, nur halt neu definiert. Und er ist bereits nahezu komplett ausgestattet. Bis auf die Rückfahrkamera, die ist aber Pflicht. Die Sicht nach hinten ist äußerst dürftig.

Auf einen Blick

Opel Ampera

L/B/H: 4498/1915/1439 mm; Leergewicht inkl. Fahrer: 1732 kg, Kofferraum: 310–1005 Liter.

E-Motor mit 150 PS/370 Nm; E-Motor/Generator 72 PS; Vierzylinder-Benziner, 1398 cm3, 86 PS/130 Nm; 0–100 km/h: 9 sec, Vmax: 161 km/h (abgeregelt).

Preis: ab 43.900 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

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8 Kommentare

Ampera ist echt nicht schlecht!

bezüglich der Kommentare hier: der Ampera ist ein reines E-Auto. Antrieb erfolgt immer durch E-Motor!
Verbrauchsvergleiche hinken da nur Durchschnittswerte angegeben werden - in Realität: ca 50km rein elektrisch dh 0l/100km!
damit hat man bei ca 90% der Fahrten 0L Verbrauch. bei höheren Geschwindigkeiten oder längeren Fahrten hat man Verbrauch von ca 7L. Ist aber egal da man das eh nicht so oft macht und deshalb kaum ins Gewicht fällt.
Falls man täglich Wien-München fährt so kauft man sich eh kein E-Auto sondern nen Diesel!
Als Stadt-Auto ist der Ampera auf jeden Fall geeignet!

es kreiste der Berg ...

und gebar ein Mäuschen ...

GM auch so ein Steuergeldvernichter

(2011: 50.000.000.000,00 $ vom amerikanischen Staat bzw. "dem" amerikanischen Steuerzahler)

Antworten Gast: Herbert2395
02.06.2012 11:32
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Re: es kreiste der Berg ...

Was hat dieser Kommentar hier verloren?

Haben Sie selbst auch schonmal Förderung vom Staat erhalten? Warum kritisiert das niemand (schließlich beschäftigen Sie nicht Zigtausend Leute!)??

Fragen über Fragen

Gast: dresacher
31.05.2012 23:00
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"Elektrisch fahren ohne Reichweitenangst."

Wenn der Akku leer ist, und ein Benzinmotor den Strom über einen Generator erzeugt, fährt man doch eigentlich nicht mehr elektrisch.

Antworten Gast: globaldenker
01.06.2012 13:44
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Re: "Elektrisch fahren ohne Reichweitenangst."

doch...da die antriebsreder nicht mit dem benzinmotor verbunden sind... Der motor dreht sich bei einer drehzahl, wo er das optimale drehmoment und dadurch einen stetigen geringen verbrauch hat. Und auf das gewicht vom Fzg aufgerechnet ist das minimal!

Re: Re: "Elektrisch fahren ohne Reichweitenangst."

kann es sein das sie den artikel nicht gelesen haben? ich zitiere:
Je nach Fahrzustand liefern sowohl beide E-Motoren als auch der Benziner mit unterschiedlicher Intensität Kraft an die Vorderräder.
also ein normaler hybrid und der verbrauch mit bis zu 7 litern ist zuviel. mit meinem benziner schaffe ich 5 liter pro 100km!!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Ma2306
02.06.2012 11:29
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Re: Re: Re: "Elektrisch fahren ohne Reichweitenangst."

"also ein normaler hybrid" - mit dieser Äußerung wird deutlich, dass vielmehr Sie die Technik nicht verstanden haben.
Einfach mal Ampera und Prius nacheinander testen - und dann wieder in den alten Verbrenner umsteigen!

Gast: stani
31.05.2012 20:33
0 1

riesenpreis und keine Anhängekupplung

Leider fehlt für die Alltagstauglichkeit die Möglichkeit einer Anhängerkupplung.