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Hyundai: Immer schön sachlich bleiben

31.05.2012 | 18:22 |  MICHAEL PITOUR (Die Presse)

Ein Koreaner auf Kuschelkurs. Hyundai schnürt für den neuen i30 ein umfangreiches Wohlfühlpaket. Auch im Autobau gilt: Übermut tut selten gut.

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Die Konkurrenz sieht Hyundai (mit Schwestermarke Kia) als den großen Herausforderer im Rennen um die Nummer eins auf dem weltweiten Automarkt. Der Weg dorthin ist für die Koreaner zwar noch weit, derzeit liegen sie auf Platz fünf. Das Tempo, das sie vorlegen, ist jedoch enorm. Vor gut zehn Jahren noch als Billighersteller belächelt, dann gesteigerte Qualität, nun frische Optik: So lautet die Erfolgsgeschichte im Schnelldurchlauf. Und keiner kann sie bei uns so gut erzählen wie der i30, Hyundais Bestseller hierzulande.

Er ist maßgeblich für den Aufstieg und die Reputation der Marke in Europa verantwortlich. Gut, das Match um die globale Führungsposition wird sicher nicht in Europa entschieden. Ein Markt mit sinkenden Verkaufszahlen, massiver Konkurrenz durch eingesessene Marken, Verdrängungswettbewerb pur. Und Hyundai meldet trotzdem zweistellige Wachstumsraten. Fortsetzung folgt, dafür wird der neue i30 schon sorgen. Er ist innen in allen Richtungen gewachsen, wurde auf jeder Ebene verbessert. Damit wurde auch der gemeinsame Nenner aus Alltagstauglichkeit und Raumangebot bei gleichzeitig kompakten Außenmaßen erhöht.

Mit dem neuen Hyundai lässt man sich auf keine Experimente ein. Beim i30 hat alles Hand und Fuß, alles ist am richtigen Platz. Ergonomie, Variabilität, Materialien – alles verströmt eigentlich „typisch deutsche Gründlichkeit“. Die Koreaner haben hart an der Wahrnehmung der Marke gearbeitet. Nicht nur über die Qualität, auch durch die Außendarstellung. Mit dem i30 kann man sich nun sehen lassen. Fließende Linien, gefällige Rundungen, abfallende Dachlinie, neumodisch ohne viel Schnickschnack eingerichtet – um der breiten Masse zu gefallen, darf man eben nirgends anecken. Auch wenn es eigentlich ganz im Auge des Betrachters liegt, das Design soll grundsätzlich Emotionen wecken. Sonst heißt es jedoch, immer schön sachlich bleiben. Ein Auto für Vernunftfahrer, das sich in keinem Bereich besonders in den Vordergrund spielt. In der Fußballersprache ausgedrückt, die Mannschaft ist der Star.

Sei es nun Fahrwerk, Lenkung, Schaltung – alles vermittelt ein wohlig samtweiches Fahrgefühl, ohne aber gleich schwammig zu werden. Ein Auto für Komfortorientierte. Da passt der Vierzylinder-Diesel mit 110 PS und 260 Nm nur allzu gut ins Gesamtbild. Ein Gleiter statt Hetzer, der nicht zu Übermut verleitet. Laufruhig, aber mit wenig Temperament. Dafür erfreut er mit lediglich fünfeinhalb Liter Verbrauch, auch ohne Start-Stopp-Automatik.

Das Wohlfühlpaket lässt sich mit Extras wie Leder, Navi, Panorama-Glasdach und Rückfahrkamera noch steigern. Dann geht man jedoch wie beim Testwagen bereits mit der 30.000-Euro-Marke auf Tuchfühlung. Die Preise sind eben selbst bei Hyundai nicht mehr ganz so scharf kalkuliert wie vor etwa zehn Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

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