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Das „hupferte Auto“ hat sich gemausert

Bild: (c) Werk 

Vier angetriebene Räder sind längst nicht mehr auf Offroad und Wintereinsatz beschränkt. Vom knorrigen Geländewagen zur eleganten Limousine: Die erstaunliche Karriere (und Zukunft) des Allradantriebs.

 (Die Presse)

Allradantrieb ist beinahe so alt wie das Auto selbst: Ferdinand Porsche ließ im Jahr 1900 eine 4WD-Version seines Radnabenwagens die Berggasse in Wien-Alsergrund erklimmen. Das war mit den verwendeten Elektromotoren schon aufwendig genug, bei konventionellen Benzinautos war jede zusätzliche Verkomplizierung nicht übermäßig gefragt. Die Idee, Autos mit allen Rädern anzutreiben, verabschiedete sich in eine Jahrzehnte währende Warteschleife.

Es ging aber doch etwas weiter: Der amerikanische Willys Jeep von 1940 war ein sehr brauchbares Militärfahrzeug, das sich mit allen Vieren seinen Weg zu bahnen vermochte. Bis zur einigermaßen sorglosen zivilen Anwendung vergingen noch einmal 40 Jahre – und dieser Lorbeer gebührt Audi, denn beim „Quattro“ von 1980 waren erstmals die gröbsten Unzulänglichkeiten der Technik behoben, vor allem Gewicht und Platzbedarf und die Verspannung in Kurven.

Am Steuer eines frühen Prototypen hatte sich die Frau des VW-Technik-Vorstands noch über das „hupferte Auto“ beschwert, das sich nur äußerst bockig vom fünften Stock eines Parkhauses das enge Schneckengewinde nach unten treiben ließ. Nachdem Audi ihm mit dem Kunstgriff des Hohlwellen-Mitteldifferenzials bessere Manieren beigebracht hatte und sich in die Serienfertigung traute, wurde umgehend der Rallyesport als Bühne gewählt. Es sprach sich in der Folge schnell herum: Allrad taugt auch für schnelles, sportliches Fahren.

Für den österreichischen Offroad- und 4WD-Spezialisten Johannes Mautner-Markhof gibt es abgesehen vom meist fälligen Mehrpreis ohnehin keinen vernünftigen Grund, warum man den Antrieb auf zwei Räder beschränken sollte, wenn doch vier vorhanden sind.

„In praktisch allen Fahrsituationen jenseits des staubtrockenen Asphalts bei 30 Grad Temperatur ist man mit Allrad im Vorteil. Im Gelände, bei Regen, Eis und Schnee sowieso, aber auch bei Splitt und Schmutz auf der Straße, bei falscher Beladung und im Anhängerbetrieb.“ Der Trend sei offensichtlich: „Jeder hat heute schon ABS und ESP – wer es sich leisten kann, eben auch Allrad.“

Das hat zuweilen auch mit dem immer höheren Drehmoment heutiger Turbomotoren zu tun. Um deren Kraft in allen Situationen ohne unschöne Rucks und ESP-Gezwitscher zu erden, sind schon vier angetriebene Räder vonnöten. Selbst für Sportwagen ist die Technik kein Tabu mehr: Porsche bietet den 911 Turbo schon seit zwei Generationen nur als Allradler an, ebenso Nissan den GT-R. Den gleichen Weg schlägt BMW bei seinem neuen Dieselmonster ein, dem 388 PS starken M550d. Im FF bietet nun sogar Ferrari die Technik, ein alter Hut bei Bentley und Lamborghini. Beim stärksten Auto der Welt, dem Bugatti Veyron mit seinen bis zu 1200 PS und 1500 Newtonmeter Drehmoment, scheute man nicht den empfindlichen Aufwand, ein Mittelmotor-Konzept mit Allrad zu kombinieren.

Überraschenderweise ist es aber nicht Pionier Audi, der unter den Premium-Marken den höchsten Allradanteil auf sich vereint. Die Ehre kommt BMW zuteil, die Allraddichte der Marke bei uns beträgt fast 50 Prozent, weltweit immerhin 35Prozent.

Die Vielzahl der Systeme lässt sich kaum aufzählen, allen gemein ist aber das Streben, die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. So wird der Verbrauchsnachteil weiter reduziert, den Mautner-Markhof auf 0,4 Liter im groben Schnitt taxiert: „Das lässt sich durch die Fahrweise kompensieren.“ Die Voraussetzung dafür schufen immer leichtere Komponenten, die das Mehrgewicht von Allrad, wie bei der 4Matic von Mercedes, unter 70 Kilogramm halten. Ausgeklügelte Regelsysteme wachen schließlich darüber, dass die Komponenten nicht übermäßig belastet werden, daher zarter dimensioniert sein dürfen. Allradfans der alten Schule rümpfen darüber die Nase – sie verehren den Mercedes G, der seit über 30 Jahren in Graz gebaut wird und als reine Lehre des kompromisslosen Geländewagens gilt. „Das letzte Auto, das drei Sperren an Bord hat“, schwärmt Mautner-Markhof.

Ganz anderer Natur sind Allradler, die im Windschatten der Hybridtechnik auf den Markt dringen: Diesel- oder Benzinmotor wirkt auf die Vorderachse, E-Motor hilft hinten mit. „Für Standardsituationen absolut ausreichend“, urteilt der Experte.

Auf einen Blick

Vier Räder, viele Namen
Praktisch alle maßgeblichen Hersteller haben Allradmodelle im Programm, und die sind nicht beschränkt auf Geländeautos oder SUVs. Die geläufigen Kennzeichnungen sind AWD (All Wheel Drive), 4WD oder 4x4, beliebt sind auch Kunstnamen: 4Motion (Volkswagen), quattro (Audi), 4Matic (Mercedes), xDrive (BMW), All4 (Mini). Eine neue Form des Allradantriebs ergibt sich durch den Einsatz von Hybridtechnik, wobei jeweils eine Achse elektrisch und eine vom Verbrennungsmotor angetrieben wird (zum Beispiel Peugeot Hybrid4).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

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10 Kommentare
Gast: pächter der wahrheit
10.06.2012 11:25
0

Schwachsinn

Dass ein 4Rad Spezialist für den Allradantrieb spricht ist wohl klar.

Da kann ich auch den Pabst fragen ob er fürs Zölibat ist.

Ein Allradantrieb für ein Standardauto ist völlig unnötig

Gast: Mp11
01.06.2012 10:16
1

BMW mit größtem Allradanteil?

Also wenn man von der 50%igen Allrad quote liest stellt sich die Frage warum ist diese so hoch? Oder man sollte hinterfragen ob man beim "Standardantrieb" über Hinterräder was falsch gemacht hat. In Österreich kann man sich immerhin auf die vielen Berge hinausreden weil dort ist man im Winter mit Heckantrieb stark überfordert wie ich jedes Jahr merke...

Experte

Was hat Herr J. Mautner-Markhof mit der Sache Allradentwicklung zutun?

Kostenrechnung

Herr Völker, mir fehlt in ihrem Bericht die Aussage eines Vorstandsvorsitzenden: Ein Allrad wird in Zukunft nicht mehr kosten als 4stk Winterreifen.
Klar beim Auto gilt keine Kostenrechnung, das wär mal einen Bericht, DI.-Arbeit, Dr.-Arbeit Wert.

Gast: Johan C.
31.05.2012 23:47
2

Sensationell!

Man schaue sich hierzu folgenden Film an:

http://www.youtube.com/watch?v=TMSG-mNek0w
" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=TMSG-mNek0w


"Walter Röhrl's Katze" - der Meister des Driftwinkels im Selbstportrait! Er war der Rittmeister des Audi Quattro!

Re: Sensationell!

Die erste Aussage Röhrls zu Vierrad-Antrieb: da kannst auch einen dressierten Affen rein setzen.

Re: Sensationell!

Super geil!

Auf Subaru vergessen?

Bereits 1972 stellte Subaru mit dem Subaru Leone 4WD Station Wagon den ersten Großserien-Pkw der Welt mit zuschaltbarem Allradantrieb vor. Den höchsten Allradanteil hat Subaru und nicht BMW! Subaru stellt - mit geringen Ausnahmen - nur Allradfahrzeuge her!

Re: Auf Subaru vergessen?

sorry verdrückt ist ja noch früh.

Re: Auf Subaru vergessen?

Herr Völker läßt ja den Bezug auf den Allradanteil offen.

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