„Mann gegen Maschine“ wäre ein passender Titel für das Handbuch von Kawasakis brandneuer Versys 1000. Die japanische Eisenschmiede hat den Tourer, der bisher nur als 650-ccm-Version erhältlich war, mit einem druckvollen 1000-Kubik-Reihenvierzylinder zum veritablen Schlachtschiff ausgebaut. Der Motor stammt aus der Z1000, wo er noch schärfer zugange ist. Doch auch 118 PS bei 102 Newtonmeter sorgen für endlosen Schub in allen Gängen – trotz der 238 kg, die die Maschine wiegt. Wer zu gierig am Gasgriff dreht, wird das Vorderrad schnell gen Himmel streben sehen. Abhilfe gegen ungewollte Wheelies schafft die elektronische „Power-Modus“-Auswahl, die zwischen Low und Full einstellbar ist. Im Low-Power-Modus ist die Kraftentfaltung des Motors gedrosselt und weniger aggressiv. Ebenso ist eine elektronische Traktionskontrolle mit drei unterschiedlichen Modi mit an Bord: Modus eins und zwei sorgen auf Straßenbelag für ausreichend Traktion, Modus drei gelangt im Gelände zum Einsatz. Viele Vierzylinder trifft man dort üblicherweise aber nicht an. Sowohl Power-Modus als auch Traktionskontrolle sind während der Fahrt konfigurierbar und liefern gute Dienste. Das Fahrwerk ist straff, überträgt hervorragend Informationen über die Bodenbeschaffenheit und gibt dem Fahrer ein gutes Gefühl von Kontrolle. ABS ist serienmäßig, die Zugstufendämpfung der Federelemente per Hand justierbar, falls die Ausfahrt mit Begleitung stattfindet. Höhe und Wirksamkeit des Windschilds sind flugs mittels Schnellschraubverschluss verstellt.
Mit solch einer Motorisierung und Ausstattung steht dem Ritt in die Ferne nichts im Weg: Lange Touren sind das Steckenpferd der Versys. Die Sitzposition ist komfortabel, wie ein König thront man oben, den Blick in die Ferne gerichtet, wo das nächste Abenteuer wartet – auch für die Sozia, deren Sitzpolster üppig dimensioniert ist. Zusätzliche Reisekoffer und Topcase komplettieren die Ausstattung. Als üppig motorisiertes Reisebike, das sich auch über Feldwege treiben lässt, ist die Versys um 14.699 Euro eine Alternative zur marktbeherrschenden GS.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)
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