23.05.2013 23:19 Merkliste 0

Japans Strategie gegen die Herrschaft des Diesels

14.06.2012 | 18:48 |   (Die Presse)

Außen grimmig, innen gediegen: Der Lexus GS 450h empfiehlt sich als Alternative zu deutschen Power-Diesel.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Lexus tut sich schwer mit dem GS in Europa: In dem Format dominiert Dieselantrieb, und einen solchen bietet die noble Marke auch für die neue vierte Generation nicht an, erst recht von Vierzylindern will man nichts wissen. Vierzylinderdiesel sind aber genau das, womit die meisten BMW 5er, Mercedes E-Klasse und Audi A6 bei uns unterwegs sind.

In den USA und Japan, wo Toyotas Luxusableger die meisten Autos verkauft, ist Diesel dagegen überhaupt kein Thema, und einen europäischen Sonderweg, so hat man wohl sorgfältig abgewogen, wird es nicht geben. Die Japaner setzen auf Hybridantrieb. Freilich nicht zur Gänze ökologischer Gesinnung geschuldet: Mit 345PS Systemleistung (Elektro und Benziner zusammen) besetzt der neue GS450h die andere Seite eines Spektrums, das mit Toyotas zartbesaitetem Prius beginnt.

 

Haupthaar am Himmel

Die Vorläufer der aktuellen Generation muss man nicht bildlich parat haben, dafür fanden bei uns doch zu wenige auf die Straße. Es reicht zu wissen, dass der neue Jahrgang alte Schwächen ganz entscheidend ausgebügelt hat. Es mag variieren, ob man zuvorderst die Sitzposition, die zu hoch war und einem auch als Nichtriese das Haupthaar an den Dachhimmel schmiegen ließ, oder das knappe Kofferraumvolumen dazu zählt.

Beherzt wurde jedenfalls die Sitzposition um zehn Zentimeter abgesenkt und die Dachlinie um drei Zentimeter erhöht, was radikal zu nennen ist, und weil sich auch die Lenksäule weiter variieren lässt als bisher, sitzt man im GS nun ebenso fahrorientiert und ergonomisch-knuffig, wie man es bei den Deutschen schätzt. Das nun schön steil stehende Lenkrad ist ausnehmend formschön ausgefallen. Was die Verarbeitung angeht, hat sich Lexus ohnehin nie etwas nachsagen lassen, und das betrifft auch die aufwendige Dämmung. Das Bemerkenswerteste in diesem wohnlichen, konservativ gehaltenen Cockpit ist das, was fehlt: Außengeräusche. Dass dennoch kernige Noten des 3,5-Liter-V6 ins Innere dringen, ist zweifellos gewollt, um den sportlichen Charakter der Hybridlimousine zu betonen. Zu den 292 aus Verbrennung generierten PS gesellt sich der Schub des 147 Kilowatt starken Elektromotors, was sich aber nicht einfach addieren lässt, sondern zusammengespannt 345PS ergibt. Das spontan anliegende Drehmoment des E-Motors überbrückt wesentlich die Zurückhaltung des V6 bei niederen Drehzahlen, eine Folge des spritsparenden Atkinson-Prinzips. Über ein Drehrad versetzt man das System auf Wunsch in sportliche Alarmbereitschaft.

Auch wenn kurze Sprints unterhaltsam sind, auf Dauer erliegt man eher dem Charme des Hybridprinzips, wonach jeder Augenblick im rein elektrischen Fahrzustand gefeiert wird. Die offiziellen sechs Liter Verbrauch bedürfen schon wettbewerbsmäßiger Sparanstrengungen, aber auf ersten Testfahrten kamen wir bald unter acht Liter, womit die Effizienz des Systems belegt wäre. Dass das lautlose Gleiten und Rangieren generell sehr gut zum Thema der gehobenen Limousine passt, ist ein weiterer Punkt für den 450h.

Ach ja, der Kofferraum: Lexus hat das ganze Antriebs- und Batteriepaket neu geschlichtet und das Volumen für Gepäck um mehr als die Hälfte auf 482 Liter erhöht.

Auf einen Blick

Lexus GS 450h

Maße L/B/H 4850/1840/1455 mm. Radstand 2850 mm. Leergewicht: keine Angabe. Kofferraum 482 l.

Motor 3,5-l-V6 (215 kW/292 PS); 147-kW-E-Motor, Nickel-Metallhybridbatterie, Systemleistung 254 kW (345 PS), 345 Nm. 0–100 in 5,9 sec. Normverbrauch 5,9–6,3 l/100 km. 137–145 g CO2/km.

Heckantrieb, Getriebe stufenlos.

Preis ab 59.800 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

1 Kommentare
Gast: Markus Trullus
29.06.2012 08:54
0 0

noch nicht wirklich die Königslösung

Der ganze e-kram hat einige Nachteile:
Gewicht; das kann man nicht wegleugnen, aber OK, manche anderen Hersteller stecken auch viel Blech in die Karosseriesicherheit...
Aber die Ladezyklen insgesamt sind das Problem. Jeder kennt's: Handy, nach einem Jahr nur mehr 70% der Kapazität, neue Laptop- Akkus: 30% Kapazität nach wenigen Jahren.... Und die Dinger sind bei Autos mal vieles teurer. Franzosen machen das mit der Tausch- oder auch Leasingbatterie; Kostet aber auch einiges, und dann ist der Verbrauchsvorteil weg. Ich wollte, es ginge irgendwie besser...