Toyota hat bis heute weltweit vier Millionen Hybridautos verkauft, davon 400.000 in Europa. Das ist gemessen am jährlichen Ausstoß des Herstellers überschaubar – und dennoch beachtlich, da sich diese Stückzahlen maßgeblich auf ein einziges Modell stützen, das sicher nicht von allen Autofahrertypen kultisch verehrt wird: den Prius.
Die Ausweitung der Palette ist munter im Gang. Demnächst wird ein Siebensitzer-Prius vorgestellt, und, wenn man ihn auch nicht kaufen kann: An diesem Wochenende wagt sich Toyota mit einem Hybridrennwagen (einer der Piloten: Alex Wurz) an den Start der 24 Stunden von Le Mans, wo es darum geht, von Audis kampferprobter Dieselübermacht nicht aufgerieben zu werden.
Das jüngste Familienmitglied ist auf absehbare Zeit gleichzeitig das kleinste: der Yaris Hybrid. Man kann an ihm ermessen, wie die Dinge weitergetrieben werden: Mit den Zutaten des ersten Prius von 1997 wäre in dem knapp 3,9 Meter langen Yaris zum Beispiel keinerlei Platz für hinten sitzende Passagiere, geschweige denn Gepäck. Es sind die Fortschritte beim Packaging, also der Dimensionierung und Unterbringung der Komponenten, die eine Voll-Hybridausführung des Stadtautos ermöglicht haben. Die Batterie ist zum einen kleiner ausgefallen, weil sie aus weniger Einzel-Akkus besteht, zum anderen wurde sie zur Gänze unter den Rücksitzen untergebracht, wo sie niemandem Platz raubt und den Kofferraum unbeeinträchtigt lässt.
Für viele mag der Verbrauch die entscheidende Kennziffer sein. Offiziell beträgt er 3,5 Liter/100 km, im ersten Praxistest blieben wir immerhin mühelos unter fünf Litern. In der ökonomischen Bewertung spielt es aber auch eine Rolle, dass das Auto weder Kupplung, Startermotor noch Lichtmaschine besitzt, womit es mit diesen Teilen auch keine Zores geben kann.
In seiner Rolle als Stadtauto erfrischt der Yaris zunächst mit seiner Fähigkeit, rein elektrisch zu fahren, am Stück maximal 1,5 Kilometer weit, über den Tag verteilt aber doch wesentlich öfter und länger, als man das vom Prius in Erinnerung hat. Dazu muss allerdings das Gaspedal gestreichelt werden, was man spätestens auf den Ausfallstraßen aufgibt, dann verwaltet man unter Mitwirkung des 1,5-Liter-Vierzylinders 100 PS Systemleistung, die das Auto schön agil halten. Wie in Hybridautos üblich, werden keine Gänge mit der Hand sortiert, das geschieht automatisch und stufenlos.
Der Yaris Hybrid erscheint uns als besonders schlüssiger Vertreter seiner Art: Die Charakteristika des E-Antriebs, und sei es nur als Zustupf beim Beschleunigen und um die Motordrehzahl niedrig zu halten, passen perfekt ins urbane Gefüge (wenn man nicht gleich aufs Fahrrad umsteigen mag). Nicht zuletzt reduzieren zwei Steuer-Boni den NoVA-Anteil des Kaufpreises praktisch auf null. Mit 17.580 Euro bei passabler Ausstattung und sichtbar aufgewertetem Äußeren ist der Wille zum Hybridantrieb preislich sanft gebettet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)
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