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Ökoreisen in der Regenbogennation

29.06.2012 | 18:45 |  KARIN CHLADEK (Die Presse)

Südafrika hat als bislang einziger Staat der Welt eine unabhängige Prüfstelle für fairen Handel im Tourismus, die Ökoanbieter auf ihre Seriosität überprüft.

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Kapstadt. Südafrika stand 2010 als Austragungsland der Fußballweltmeisterschaft im Zentrum der globalen Aufmerksamkeit. Ob die Austragung des Worldcups, der das Land, in dem 40 Prozent der Bevölkerung mit wenig mehr als einem Euro am Tag auskommen müssen, rund 55 Milliarden Rand (5,5 Milliarden Euro) kostete, politisch und sozial korrekt war, sei dahingestellt und ist Geschichte. Die Argumente für Reisen nach Südafrika sind nach wie vor stark, schließlich verfügt die Regenbogennation über eine einzigartig vielfältige Kultur und Natur.

Mahlzeit! Genüsslich stopft die Pavianmutter sich und ihrem Kleinen die Backen voll mit Sandwiches, die sie einer südafrikanischen Familie beim Picknick im Krüger-Nationalpark geklaut hat. Was heißt geklaut? Erbeutet hat sie die Packung Sandwichbrot bei einem spektakulären Raubüberfall: Ein Sprung auf den Picknicktisch der Raststation, ein schneller Griff, dem Paviankreischen folgt menschliches Geschrei, und so schnell wie sie gekommen ist, stürzt sie sich auch schon ins nahe Gebüsch. Der Überraschungscoup ist gelungen. Der Schutz des Waldrands genügt der Räuberin: Selbstbewusst reißt sie die Brotpackung auf und mampft in nur wenigen Metern Entfernung von den immer noch recht fassungslosen Menschen drauflos.

Eigentlich ein karger Lohn für das Modellstehen, denn nun holen die menschlichen Besucher der Raststätte ihre Kameras hervor. Ein Fotomotiv wie das schmatzende Mutter-Kind-Duo in nächster Nähe findet sich schließlich auch im berühmten Krüger-Nationalpark nicht so schnell. Die Natur kommt einem in Südafrika oft näher, als man als Europäer erwartet: Tiere in Schutzgebieten haben gelernt, dass Menschen selten eine Gefahr, sondern vielmehr aussichtsreiche Futterquellen darstellen. So ist auch die imposante Hyäne, die trotz Sicherung des Campingplatzes durch Schranken und Zäune nur einige Meter vom Zelt entfernt die Mülltonnen durchstöbert, keine Ausnahme. Reisende mit etwas Afrika-Erfahrung würden deshalb nie anders als auf dem Dach des Jeeps oder in festen Häusern schlafen.

 

Faire Bedingungen im Tourismus

Südafrikas Natur ist extrem abwechslungsreich: von wild bis mild, klassischer Savanne bis zu Weinbergen, Küste bis Wüste. Aber auch kulturell ist das Land groß: Jazz und Theater, eine einzigartige Geschichte und Architektur, Museen, deren Themen von den Ursprüngen der Menschheit über den spektakulären Abbau von Bodenschätzen bis hin zu den lebenden Schätzen zweier Weltmeere im Two Oceans Aquarium in Kapstadt reichen. 18 Jahre ist es her, seit am 27. April 1994 mit Nelson Mandela der erste Präsident Südafrikas demokratisch gewählt wurde. Die Überwindung des Apartheid-Systems war ein gewaltiger Sprung für das Land, die Überwindung der enormen Gegensätze zwischen Arm und Reich ist die aktuelle Herausforderung Südafrikas. Der Tourismus kann dazu beitragen, Arbeitsplätze zu schaffen, die Einkommen zu steigern und gleichzeitig die einzigartige Natur zu erhalten. Damit die Bevölkerung ihre natürlichen Ressourcen und ihre Kultur für den Tourismus nützen kann, bedarf es aber Beteiligung und vor allem Bildung.

Südafrika hat als bisher einziger Staat der Welt eine unabhängige Prüfstelle für fairen Handel im Tourismus: „Fair Trade in Tourism South Africa“ (FTTSA). Die Non- Profit-Organisation vergibt an Tourismusunternehmen, die Standards wie faire Gehälter und Arbeitsbedingungen bieten, sich für Menschenrechte sowie die lokale Kultur und Natur einsetzen, ein Gütesiegel als Symbol für Fairness in der Touristikbranche.

 

Luxuslodges, Whale Watching

Katarina Mancama, Projektleiterin bei FTTSA: „Unternehmen, die sich um den Erhalt des FTTSA-Siegels bewerben, verwenden lokale Güter und Dienstleistungen, bilden die Mitarbeiter weiter und bezahlen sie fair, fördern Gesundheits- und HIV/Aids-Aufklärung und Umweltbewusstsein und unterstützen die lokale Bevölkerung.“ Die Unternehmen werden auf Herz und Nieren geprüft. „Die Prüfer erstellen einen Bericht für unsere Expertenkommission, die dann entscheidet, ob der Kandidat das Gütesiegel führen darf. Um Tourismus wirklich fair zu gestalten, braucht es konkrete Angebote, die Reisende buchen können. Dafür sorgt FTTSA.“

Das Spektrum der 62 ausgezeichneten Unternehmen in Südafrika ist breit: von der Luxuslodge Singita im Krüger-Nationalpark bis zu einfachen Farmhäusern, von besonders umweltfreundlichen Wal- und Tierbeobachtungstouren bis zu geführten Rundgängen und Kochkursen in Bokaap, dem traditionellen Malaien-Viertel Kapstadts.

Fairreisen in Südafrika

Infos: Wer mehr über FTTSA erfahren möchte, findet unter www.fairtourismsa.org.za alle Hintergrundinformationen, auch auf Deutsch. Faire Reisepakete, z. B. entlang der berühmten Garden Route, können in Deutschland bei SKR Reisen gebucht werden: www.skr.de
Autorin: Karin Chladek ist Mitarbeiterin der Naturfreunde Internationale (NFI). Die ausgebildete Wissenschaftsjournalistin widmet sich bevorzugt Themen mit dem Schwerpunkt auf nachhaltiger Entwicklung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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