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Menorca: Der Charme der Kleineren

20.07.2012 | 18:23 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die kleinere Baleareninsel strahlt mit dem Charme des Kleineren: mit ihren Häfen und ihren vielen unverbauten Stränden und Buchten.

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Steine werfen die Bewohner von Menorca schon lange nicht mehr auf Besucher – so wie ihre Vorfahren, die vor rund 6000 Jahren die kleinere Schwester Mallorcas besiedelten und angreifende Schiffe mit einem Steinhagel eindeckten. Anders als alle anderen ließen sich die Römer nicht abschrecken, blieben und gaben der nördlichsten Baleareninsel auch den Namen, aus dem sich der heutige entwickelt hat: Menorca – die Kleinere.

Die Insel, die mit nur 700 Quadratkilometern – ein Fünftel Mallorcas – wie ein Flugzeugträger aus dicht bewachsenem Fels wirkt, zog im Lauf der Jahrhunderte viele Völker an. Nach den Siedlern aus der Steinzeit kamen Phönizier, Griechen, Römer, Mauren, Franzosen und Briten – und alle hinterließen ihre Spuren. Diese vielfältigen Einflüsse, die sich in vorzeitlichen Megalith-Denkmälern, frühchristlichen Basiliken und herrschaftlichen Stadtpalästen zeigen, sondern auch in den heutigen Lebensgewohnheiten und in der wunderbar vielfältigen Küche ihren Niederschlag gefunden haben, machen den Reiz Menorcas aus.

„Man muss die Insel zu Fuß, mit dem Rad oder im Auto langsam erobern, dann zeigt sie ihren ganzen Charme“, sagt Ralph Freiheit. Der Deutsche wurde vor 30 Jahren „angespült“ und arbeitet seither als Guide und Spezialist für Wandertouren. Wandern – das hat auf Menorca eine ganz besondere Note: 1993 hat die Unesco die ganze Insel zum Biosphärenreservat erklärt, 50 Prozent stehen unter Naturschutz, wie der Naturpark Albufera d'Es Grau mit seinen Lagunen. Nicht nur ein Großteil der 220 Kilometer langen Küste mit unberührten Buchten und türkisblauem, klarem Wasser, auch das Landesinnere ist kaum verbaut – was man hocherfreut schon beim Landeanflug auf den modernen Flughafen nahe der Hauptstadt Mahon registriert.

 

Zu Fuß rund um die Insel

Zweites Aha- und Glückserlebnis: Natürlich gibt es Hotels, doch sie sind vergleichsweise klein geraten und zum Teil in weißgetünchten Feriendörfern versteckt. Auch gediegene Bauernhöfe und Weingüter haben mit Fremdenzimmern aufgerüstet – von urigem „Urlaub am Bauernhof“ ist das luxuriöse Angebot der Finca Ca Na Xini in Hort de Sant Patrici allerdings meilenweit entfernt. Nur ganz wenige größere Hotelanlagen, wie in der Bucht Galdana, erinnern an die Zeiten, als Zweckmäßigkeit vor Architektur und Einfühlungsvermögen ging.

Auf dem von den Briten zu militärischen Zwecken angelegten Cami de Cavalls lässt sich die Insel bequem zu Fuß umrunden. Der Pferdeweg bildet auch die ideale Anmarschroute, um von den auf einige Küstenabschnitte beschränkten Hotel-Arealen in verschwiegene Badebuchten zu gelangen. Ein halbstündiger Spaziergang zahlt sich aus, um in manch einer Bucht auch nackt in die Fluten springen zu können.

Auf der Insel ist aber mehr als nur Badespaß mit vielfältigen Möglichkeiten für Wassersport – vom Segeln über Surfen bis zum Kajakfahren möglich. Über die ganze Insel verstreut stehen einzigartige Reste einer Steinzeitkultur, die viel Platz für Fantasie lässt. Denn eine Schrift haben die frühen Siedler, die vor etwa 6000 Jahren auf die Insel kamen, nicht hinterlassen. Dafür aber Bauwerke: Talaiots – Wachtürme – und Taulas – Tische, wie sie heute genannt werden. Ob die riesigen Steine tatsächlich so verwendet worden sind? Wer weiß es? Die Archäologen rätseln immer noch und lassen sich an manchen Grabungsorten auch über die Schulter schauen, eine willkommene Abwechslung, wenn das Wetter einmal nicht so ganz mitspielt.

Kleinstädtisches Flair lässt sich in den beiden Häfen Mahon und Ciutadella genießen, die nicht nur an den entgegengesetzten Enden Menorcas an zwei Flussmündungen liegen, sondern auch nicht konträrer sein könnten. Ciutadella im Westen war von der Antike bis ins 18. Jahrhundert Hauptstadt. Wunderschöne Paläste aus gelbem Sandstein, kleine, bunt bemalte Häuser und reich geschmückte Kirchen lassen die Foto-Fans vor allem in der Abendsonne jubeln. Eine Altstadt vom Feinsten, allen gängigen Spanienklischees entsprechend mit geschmackvollen Geschäften (Ramsch ist in Menorca noch ein Fremdwort), gemütlichen Kaffeehäusern und guten Restaurants. Zum Nabel der Insel wird Ciutadella Ende Juni (23. und 24. Juni) beim großen Reiterfest.

 

Megaliner im Hafen von Mahón

Diesem Ambiente will Mahón, oder Maó, wie die Menorquiner sagen, im Südosten nicht nachstehen. Die Stadt, die im 18. Jahrhundert von den Briten zur Hauptstadt gemacht wurde, hat nach Malta den größten Naturhafen des Mittelmeers. Oft schieben sich deshalb schneeweiße Kreuzfahrtkolosse an die Mole und lassen die bunten Häuschen wie Streichholzschachteln wirken.

In der „Oberstadt“ kann man lässig bummeln oder entspannt in einer der Bars das Traditionsgetränk schlürfen: Gin, der auf der Insel auch erzeugt wird und natürlich von den Briten mitgebracht wurde. Die Pomada (Gin mit Zitronenlimonade) quasi der Radler Menorcas, trinkt sich verdammt leicht – Vorsicht! Die spektakulärste Kulisse für einen Sundowner ist nicht weit von Mahón entfernt: Cova D'en Xoroi, eine Höhle hoch in den Klippen über dem Meer, die in eine Freiluftbar und Disco verwandelt wurde.

Verführerisch ist die Insel übrigens auch für Sex-and-the-City-Carries und solche, die es noch werden wollen: Die Schuhindustrie war seit den 50er-Jahren ein wichtiger Wirtschaftszweig und wurde nur vom Tourismus überholt. Die praktisch-bequemen Avarques – Sandalen aus Leder mit Gummisohlen – sind zwar ein berühmtes Souvenir, aber eher etwas für die Birkenstock-Fraktion.

Modisch up to date ist man hingegen, wenn man ein Modell von Jaime Mascaro oder von Pons Quintana erwirbt. Die „Pretty Ballerinas“ von Mascaro tragen auch Claudia Schiffer, Kate Moss – und natürlich die Prinzessinnen der Königsfamilie. Die Fabrik von Mascaro im Industrieareal des Städtchen Ferreries ist daher durchaus einen Besuch wert – besser gesagt das angeschlossene Geschäft. Auch Männer verlassen es nicht ohne „Beute“.

Zeit nehmen für und auf Menorca

Anreise
Siehe Flüge der Woche Seite R4. Niki fliegt von Mai bis Ende September donnerstags nonstop Wien–Mahon.
www.flyniki.com

Pauschalangebote
haben Reiseveranstalter wie Dertour, Siesta IT Reisen oder TUI u. a. m. im Programm.
www.dertour.at
www.siesta.at
www.tui.at

Individuelle Urlaubsplanung über das spanische Fremdenverkehrsamt Turespana, 1010 Wien, Walfischgqasse 8/14, 01/512 95 80
viena@tourspain.es
www.pain.info, www.menorca.es
Hotels: ****Artiem Audax Spa & Wellness an der Cala Galdana: großartige Aussicht, die Strände Macarella, Macarelleta, Mitjana sind nicht weit; zwei Restaurants, Show Cooking, ein Café, Aktivitäten wie Kayak-Touren. www.artiemhotels.com

Agriturismo
Ca Na Xini, Camí de Sant Patrici, s/n, 07750 Ferreries, Menorca, Finca aus dem Jahr 1919, Weingut mit Öl- und Käseproduktion.
www.canaxini.com

Restaurants: Es Tast (Mercadal), Es Pla (direkt am Hafen von Fronells, Spezialität ist Langustensuppe), Sa Pedrera D'es Pujol (Sant Lluis), Ses Voltes (Ciutadella, überdachte Terrasse in Stadtpalais).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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2 Kommentare
Gast: menorca
28.07.2012 11:52
0 0

da sollte ich wieder mal hin...

hat mir wirklich gut gefallen, sehr schöne insel

Menorca - gut und preiswert

insbesondere wenn man auf Pauschalangebote zurückgreift. http://www.7cs.at/menorca_hotelempfehlungen.html

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