Der norwegische Rechtsradikale Anders Behring Breivik korrespondiert aus der Haft mit Gleichgesinnten und will ein Netzwerk rechtsradikaler Gefängnisinsassen aufbauen. Der 33-Jährige verbringe einen Großteil seiner Zeit mit dem Beantworten von Briefen, berichtete die norwegische Zeitung "VG" am Donnerstag unter Berufung auf Breiviks Anwältin Vibeke Hein Bära sowie den Gefängnischef Knut Bjarkeid. Ob die Briefe Breiviks zulässig sind oder nicht, wird seit längerem versucht mit dem Justizministerium abzuklären. Über ein Ergebnis wollte sich Bjarkeid nicht äußern.
Die als Vertreterin von Hinterbliebenen am Verfahren beteiligte Anwähltin Mette Yvonne Larsen meinte, sie empfinde die Brief-Aktivitäten als "extrem anstößig". Er sei ein "zurechnungsfähiger, kalkulierender Terrorist, der Gewalt anwendet, um seine Propaganda zu verbreiten.
Breivik-Schlusswort auf "YouTube"
Ein deutscher Internet-User hat indes das von Breivik vor einem Monat in seinem Prozess gehaltene Schlusswort per "YouTube" ins Netz gestellt und damit Proteste ausgelöst. Die Anwälte der Angehörigen von Breiviks Opfern verlangten am Donnerstag, dass die Aufnahme gelöscht werden müsse. Sie beriefen sich auf die Entscheidung der norwegischen Justiz, wonach die audiovisuelle Wiedergabe von Breiviks Äußerungen untersagt ist.
Der deutsche User gibt an, die Sprachaufnahme mit dem Schlusswort auf Norwegisch von einem Abgeordneten der rechtspopulistischen Fortschrittspartei erhalten zu haben, der Breivik früher angehörte. Die Anwältin Yvonne Larsen sagte, sie habe das Gericht in Oslo angerufen, um zu klären, ob eine strafbare Handlung vorliege. Ein Gerichtssprecher nannte das Posten des Beitrags auf "YouTube" illegal und kündigte eine Prüfung verschiedener Optionen an.
In seiner 45-minütigen Einlassung am letzten Tag seines Prozesses am 22. Juni hatte der 33-jährige Breivik gefordert, freigesprochen zu werden, da seine Taten "dem Schutz des Landes" gedient hätten. Die Richterin Wenche Elizabeth Arntzen kündigte das Urteil für den 24. August an.
Breivik plädierte auf nicht schuldig, obwohl er die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utöya vom 22. Juli 2011 gestand. Er gab an, die 77 Menschen aus "Notwehr" getötet zu haben. Der rechtsextreme Angeklagte tötete im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen. Anschließend erschoss er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utöya 69 Teilnehmer, hauptsächlich Jugendliche.
(APA/AFP)
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