Eine Weltneuheit in Sachen Bergbahn nahm vor Kurzem in Stans am Vierwaldstättersee ihren Betrieb auf: die weltweit erste Gondelbahn ohne Dach, die sogenannte „CabriO“-Bahn. Sie führt aufs 1898 Meter hohe Stanserhorn.
Bereits 1893 wurde hier, im Herzen der Schweiz, eine Standseilbahn erbaut – eine echte Pionierleistung. In Stans zeugt das alte, rote Bahnhofsgebäude noch von dieser Zeit. Die erste Etappe, die erste von drei Sektionen, bewältigt man auch noch mit der Standseilbahn, deren Waggons aus Tannen-, Eschen- und Eichenholz gefertigt und 2009 renoviert worden sind. Der Gast begibt sich auf eine Zeitreise ins vorletzte Jahrhundert – und erreicht schließlich die Station Kälti (714 m), wo er in die Gegenwart umsteigt: Hier hängt an zwei Seilen die „CabriO“-Bahn.
In der Gondel führt eine Wendeltreppe von einer Plattform auf eine darübergelegene, die nicht überdacht ist. 30 Fahrgäste dürfen sich auf dieser „CabriO“-Plattform aufhalten. Der Blick nach oben ist frei, da die beiden Seile an der Seite der Gondel entlanggeführt werden. Sollte das Wetter einmal schlecht sein, kann der Gondelführer die Wendeltreppe einfach schließen.
Bei der Auffahrt bläst einem der Wind um die Nase – man ist mit 30 Stundenkilometern unterwegs. Der Blick öffnet sich schon kurz nach Verlassen der Station weit in Richtung Vierwaldstättersee und nach Luzern. Mit jedem Meter wird das Panorama noch berauschender: Da drüben liegt der Sempachersee, dort der Zugersee, bei gutem Wetter sieht man in den Schwarzwald.
Eineinhalb Meter Plexiglas
Auf 1221 Metern hält die „CabriO“-Bahn bei der Zwischenstation Blumatt kurz an, wenn Wanderer zusteigen wollen. Die gut sechs Minuten Fahrzeit vergehen wie im Fluge. Je höher der Gast hinaufkommt, umso glücklicher ist er über das 1,50 Meter hohe Geländer mit Plexiglasscheibe, das die offene Plattform umgibt, denn es geht viele Meter in die Tiefe. Sollte einmal der Strom ausfallen, wartet ein Dieselmotor auf seinen Einsatz. Zudem kann die „CabriO“-Gondel mit dem neuartigen Räumungsantrieb über eine Art Flaschenzug jederzeit sicher in die nächstgelegene Station geholt werden – ein Abseilen der Passagiere oder eine Rettung aus der Luft ist nicht mehr nötig.
Der Blick vom Stanserhorngipfel ist berauschend. Man sieht in der Ostschweiz den Säntis oder Richtung Süden zu Eiger, Mönch und Jungfrau – Schnee und Gletscher. Und dann macht man beim Gipfel noch eine Runde, bevor es wieder in der Gondel so spektakulär nach unten geht – die Blumenvielfalt am Stanserhorn ist sehenswert. Ranger führen die Ausflügler gerne eine halbe Stunde lang herum. Chris Baumann
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
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