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Pekka schießt nicht mehr auf Bären, nur noch auf Elche

07.09.2012 | 18:44 |  RASSO KNOLLER (Die Presse)

Im Nordosten kann man mit einem Guide auf Bärenjagd gehen - mit der Kamera.

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Kuusamo. Pekka sieht so aus, wie man sich einen Bärenjäger vorstellt. Groß, muskulös, cool. Und maulfaul. „Du musst ruhig sein“, mahnt er. Pekka ist der Bärenmann. In der Nähe von Kuusamo in Nordostfinnland bietet er Bärenbeobachtungen für Touristen an. Vorher hat er das getan, was zu seinem Aussehen passt: Er war Bärenjäger. Schießen würde er heute keine Bären mehr: „Sie sind meine Freunde geworden“, sagt er.

Auf dem Weg zur Beobachtungshütte im Wald gibt er flüsternd ein paar Sicherheitsanweisungen. Falls ein Bär auftaucht, soll ich vor allem ruhig bleiben, ein bisschen mit dem Bären reden und nicht weglaufen. Okay, dann bleibe ich eben cool. Doch schon bald ist die Hütte an einer Lichtung erreicht. Leise sperrt Pekka die Tür auf, rückt vorsichtig die Stühle zurecht und öffnet die Beobachtungsluken. 100 Meter entfernt hat Pekka vor einigen Tagen einen Köder ausgelegt: schönes altes Elchfleisch. So etwas mögen die Bären. Und die Raben, die den Kadaver umkreisen. Es sei wichtig, dass die Vögel da seien, sagt Pekka. Dann fühlten sich die Bären sicher.

Damit die Raubtiere den Kadaver nicht einfach in den Wald schleppen und dort hinter Bäumen verspeisen, hat Pekka den Elch mit einer dicken Eisenkette an einem Baum befestigt. Dann ist erst einmal genug gesagt. Pekka beginnt ausgiebig zu schweigen und sucht mit dem Fernglas den Horizont ab. Langsam dämmert's im finnischen Spätsommer. Der Wald verwandelt sich in ein Reich der Schattenwesen. Ein paar Mal glaube ich am Waldrand etwas zu erkennen. Jedes Mal Fehlalarm, die vermeintlichen Bären lösen sich im Dämmerlicht auf. Weiter Schweigen. Zwei Männer im finnischen Wald lauern auf das größte Raubtier Europas.

Pekka fischt aus seinem Rucksack ein großes Messer und einen riesigen Schinken heraus. Er schneidet ein Stück davon ab: „Elch“, sagt er, „selbst geschossen.“ Seit die Bären seine Freunde sind, jagt Pekka nur noch Elche. Der Schinken schmeckt ausgezeichnet, und gemeinsames Essen schweißt offenbar zusammen. Pekka erzählt, dass die Finnen 200 Worte für „Bär“ haben. Das eigentlich hochsprachliche Wort „karhu“ durfte man früher nicht in den Mund nehmen. Wer das tat, beschwor mutwillig einen Bärenangriff herauf.

Es beginnt zu nieseln, Pekka wird pessimistisch. Bei Regen würden Bären eine nasse Schnauze bekommen. Deswegen würden sie lieber im Unterholz bleiben. Jägerlatein? Jedenfalls taucht immer noch kein Bär auf. Allerdings haben die auch ein paar Kilometer Anmarsch, denn ihr eigentliches Verbreitungsgebiet liegt jenseits der Grenze in Russland. Trotzdem gehören zwischen zehn und 15 Bären zu Pekkas Stammgästen beim Elchdinner. Füchse scheint der Regen nicht zu stören, denn ein Fuchs ist der nächste, der sich am Elchfleisch gütlich tut. Doch offenbar belebt Konkurrenz das Geschäft. Der Fuchs macht sich noch immer an dem Kadaver zu schaffen, als mich Pekka keine fünf Minuten später vorsichtig anstößt und hinauszeigt. Und wirklich: Etwa 300 Meter entfernt taucht am Waldrand ein Bär auf. Gemächlich trottet er näher. Er ist aber eine sie. Pekka hat allen seinen Bären Namen gegeben und erkennt sie schon von Weitem. „Das ist Nätti“, stellt er mir die Bärendame vor. Nätti heißt auf Finnisch „die Schöne“, und genau das ist die Bärin jetzt für mich. Schließlich habe ich lange auf sie gewartet. Mehr als drei Stunden hocke ich mit Pekka schon in der Hütte. Dafür lässt sich Nätti jetzt auch genau beobachten. In aller Ruhe macht sie sich über das Fleisch her. Dreht sich nach links, dreht sich nach rechts, zeigt sich von allen Seiten. Sie hat's nicht eilig beim Fressen. Sie weiß, dass sie die Königin des Waldes ist. Und weiß, dass Pekka die Bärenjagd aufgegeben hat.

Bärensafari in Kussamo: www.karhukuusamo.com und in Vartius an der russischen Grenze: www.kuusamolapland.fi, www.wildbrownbear.fi

Allgemeine Finnland-Infos: www.visitfinland.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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