Ein wohlgepflegter Park, in dem sich hübsche kleine Dörfer wie Schaumkronen auf den grünen Wellen des einst hier den Boden bereitenden Urmeeres Thetis entlangreihen – eine gut gelaunte Erdgeschichte hat 400 Quadratkilometer der Südsteiermark und seine Bewohner besonders reich beschenkt. Das Sulmtal und die Sausaler Weinstraße gehören zum „Naturpark Südsteirisches Weinland“ – vielleicht ein etwas sperriger Begriff für weiches Licht, mediterranes Genussgefühl und wunderbare Aussichten. „Land-Art“, Landschaftskunst, hat sich hier ganz natürlich ergeben: Spiele mit Licht und Schatten, mit Weinstock-schraffierten Hängen, mit Horizont-Schattenrissen, akzentuiert durch spitze Pappelgruppen.
Der einstige Meeresboden wurde auch zu gestalteten Kunstwerken ausgeformt, wie rund um das Schloss Gleinstätten – wo übrigens ein netter, familiärer Dorfteich Familien mit Kindern gerne plätschern lässt. Eine Landschaft, bewahrt, bestellt und belebt von erfindungsreichen Bewohnern, die so vielfältig sind wie die Aussichtspunkte, die immer wieder neue Perspektiven öffnen.
Da gibt es zum Beispiel nahe Großklein zwischen Leibnitz und Deutschlandsberg den „Weiberhof“ – im Lauf von langen neun Jahren von zwei „zuagrasten“ Wienerinnen, Nina und Erika, die sich in dieses Fleckerl Erde verliebten – in mühsamer Knochenarbeit wieder aufgebaut und ausgebaut. Sogar die Tische, Betten, Kästen, Türen und Fenster des einzigen Frauenferien- und Frauenbildungshofs Österreichs sind Eigenbau.
Und so sind sie, die Südsteirer: Kein Nachbar hat das Frauenprojekt belächelt oder sich den Mund darüber zerrissen. Im Gegenteil, man hilft, wo man kann, und schaut gerne immer wieder vorbei. Dort können sich Frauen beim Faulenzen zwischen Eseln, Ziegen, Lamas, Schafen und Hühnern entspannen, beim Bogenschießen den Bogen spannen lernen oder beim Malen innere Spannungen auf Papier bringen.
Manche Gästinnen – so viel Frauentum muss sein – kommen einfach her, um die Jahreszeiten der Reihe nach zu erleben, oder zu sehen, wie ein Sternenhimmel im echten Dunkel ausschauen kann. „Sie kommen als Gäste und gehen als Freunde.“ Man glaubt's den beiden. Einen Spaziergang weit entfernt ist das Keltengehöft am Burgstallkogel, und wenn Nina nicht gerade Heu einbringen oder in den Zimmern werken muss, dann führt sie ihre Gäste gerne dorthin und ein paar tausend Jahre zurück.
Klapotetz und Schwimmteich
Wen vor allem der Wein ruft, der ist beim Winzer Schwarz gut aufgehoben. Nahe Kitzeck – dem absoluten Juwel unter den Naturparkdörfern – bestellt er seine Weinberge, keltert ausgezeichneten Welschriesling, Weißburgunder, Morillon, Muskateller und Sauvignon blanc – Auszeichnungen gibt es etliche – und pflegt Lagenweine. Für seine Gäste hat Schwarz zudem noch einen hübschen Schwimmteich angelegt, in dem sich der regionstypische Klapotetz spiegelt.
Wer mehr über diesen – nur bei Wind – klappernden Vogelschreck erfahren möchte, aus fünferlei Holz gefertigt, der sollte das Weinmuseum in Kitzeck, dem höchstgelegenen Weinbauort in der ganzen EU, besuchen. Und den dortigen Wirt Wohlmuth-Lückl, der sich mit Weinen, was an Speisen dazu am besten passt und beim steirischen Weinbrand (13 Jahre Eichenfass, oho!) perfekt auskennt. Dort gibt es auch Winzerzimmer, ein für diese Region extra geprägter Begriff: So dürfen sich nur Fremdenzimmer mit mindestens 25 Quadratmetern nennen, mit traditionellem Holzboden, Vollholzmöbeln, einer Terrasse und einem nahen Weingarten.
Familienentspannung garantiert ein Bauernhofurlaub, zum Beispiel in Strablegg am Rande des Naturparks. Dort kann man Appartments in einem 200 Jahre alten Bauernhof mieten und gleich einmal einen bäuerlichen Golfplatz hinterm Haus mit neun Loch ausprobieren, ganz gratis und ohne schiefe Blicke auf Schnupperschläge. Ein kleiner Badeteich und Wiese und Wald sind inkludiert, und seit Neuestem auch E-Bikes, die für diese Hügellandschaft erfunden worden sein müssen: zum Beispiel für einen Ausflug ins Naturparkzentrum Grottenhof, einst die Meierei von Schloss Seggau, das seit zwei Jahren das Steirische Weinland, teils sogar interaktiv, präsentiert. Und auch 200 Partnerbetriebe der Gegend vermittelt und vorstellt, mit den Spezialitäten der Gegend, vom Wein bis zum Kürbiskernöl. Demnächst soll das Weinland nicht nur steirisch-grün, sondern auch violett leuchten und duften: Man versucht neuerdings Lavendel auf Feldern zwischen den Weinbergen zu ziehen und will das in größerem Rahmen vermarkten. Vielleicht heißt es dann schon im nächsten Jahr auch: Frisch, duftend, steirisch? Saftig ist es ja schon jetzt, das Steirerland, vor allem im Herbst, wenn man den Sturm in den vielen Buschenschenken ausprobiert. Zu frisch gerösteten Kastanien, mit den Rundumblicken – Gott hat sich, wie die Sulmtaler wissen, für dieses Fleckerl Erde besonders viel Zeit genommen.
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