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Manhattan mit Moschee im Mangrovengürtel

12.10.2012 | 18:37 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Abu Dhabi hat fast alles: Öl, Hochhäuser, die Manhattan alt aussehen lassen, einen Formel-1-Parcours und einen Wildwuchs an neuen Museen. Und was das Emirat nicht hat, kauft es sich.

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Reiseleiterin Claudia ist begeistert und enttäuscht zugleich: Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, sei „sooo toll“, sagt sie mehrfach und zieht das „so“ in die Länge. Fast so lang wie die längste Uferstraße von Abu Dhabi, die mehr als sieben Kilometer lange Corniche. An der Uferstraße – links der Strand, rechts Hotels und Firmengebäude – zeigt sich genau das, was der Deutschen Claudia und hunderttausenden anderen Expatriates so gut gefällt an Abu Dhabi, dem kleinen Bruder von Dubai, der nur eineinhalb Autostunden entfernten Glitzerstadt. Was Claudia enttäuscht, erzählt sie erst später.

Abu Dhabi mit seinen 800.000 Einwohnern, darunter 600.000 Expats, mischt inzwischen kräftig mit im Kampf um Geschäfts- und Urlaubsreisende. Zwei Millionen sind zuletzt, im Vorjahr, gekommen. An der Corniche präsentiert sich die Stadt jung, hip, modern und reich. Das vor allem. Über „Russen-Chic“ lästern manche angesichts der Prunk- und Protzarchitektur an der Uferstraße, der tonnenschweren Luster in den Hotelhallen, der Suiten mit mehreren Badezimmern und dem vielen Blattgold.

Aber wer hat, der hat, und Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf mehreren Inseln im Mangrovengürtel, „hat“ definitiv, und das schon seit vier Jahrzehnten. So alt sind die Emirate inzwischen, so alt ist die Hauptstadt heute, so lang schon ermöglichen die Erdölvorkommen den Emirat-Arabern ein sorgenfreies Leben, ja, ein Leben in Reichtum.

 

Über Geld spricht man – nicht

Den meisten jedenfalls, vor allem der Jugend: Gratisausbildung, kostenfreie medizinische Versorgung, bei Bedarf auch im Ausland, monatelang oder sogar jahrelang, zum Beispiel in US-amerikanischen Kliniken. Die USA holt man sich sogar ins Land: eine Dependance der New York University und ein Guggenheim-Museum – beides ist im Entstehen und soll künstlerisch und wissenschaftlich superlativisch geraten, was sonst.

Auch Frankreich wird mit einer Filiale des Louvre, entworfen von Jean Nouvel, präsent sein. Abu Dhabi setzt neuerdings neben dem Tourismus auch auf Kunst, auf alte, auf neue, alles bunt gemischt. Auch ein Museum der eigenen Geschichte, das Zayed National Museum, entsteht auf einer der Inseln Abu Dhabis, auf Saadiyat Island.

Wer sich dort übrigens eine kleine Villa am Strand leisten will, ist ab einer Million Euro dabei – angeblich. Über Geld spricht man hier nämlich nicht so gern. Auch Mohamed weicht Fragen zum schnöden Mammon aus. Etwa, was denn die große Scheich-Zayed-Moschee gekostet hat. Der 24-Jährige führt Touristen aus aller Welt durch das Gotteshaus, das der frühere Scheich, Begründer und Mitgestalter der VAE, errichten ließ. Der Scheich (sprich: „She-i-kh“) habe die drittgrößte Moschee der Welt gespendet, klärt Mohamed auf. „Es würde seiner Großzügigkeit nicht gerecht werden, wenn ich Zahlen nenne. Denn im Islam spendet man nicht, um bekannt zu werden, sondern aus Pflichtgefühl.“

Mohamed ist stolz auf seine Religion und auf die Tradition Abu Dhabis. Er trägt die Kandora, das traditionelle Männeroutfit der Emiratis, eine Art leichtes bodenlanges Hemd. Die Kandora habe seine Vorfahren in der Wüste vor Dehydrierung geschützt. So wie die Ghutra, das weiße Kopftuch, das Mohamed ebenfalls trägt. „Ich könnte auch in Shorts und T-Shirt kommen. Aber die Tracht zu tragen ist mein Weg, Dankbarkeit zu zeigen für das, was meine Vorfahren und mein Land für mich getan haben. Wir dürfen unsere Geschichte nicht verstecken.“ Mohamed studierte auf Staatskosten im In- und Ausland Ingenieurwesen, jetzt macht er neben dem Job in einem zweijährigen Studium auch den „Ph.D.“, den Doktor. Er ist kein Einzelfall: Viele junge Araber streben ehrgeizig die Bildungs- und Karriereleiter hinauf, so weit wie möglich. „Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, hart zu arbeiten“, sagt Mohamed. „Das habe ich von meinem Vater, von der Familie gelernt.“ Sein Vater arbeitet heute in einer Ölfirma. Doch sein Großvater hat noch ein völlig anderes Leben geführt: Als Perlentaucher lebte er unter primitivsten Bedingungen in einer einfachen Hütte.

 

Mit 25 Jahren schon (zu) alt

In einigen der schachbrettartig angelegten Straßen dieses Manhattan der VAE erinnern noch manche Häuser an die alten Zeiten: ganz dezente, inzwischen baufällige Bauten mit Holzelementen. Aber sie werden zur Ausnahme. Mit 25 Jahren seien Bauten quasi in der Quarter Life Crisis, sie würden rasch ausgetauscht, sagt Claudia bei einer Tour durch das Zentrum. Jetzt lässt sie durchblicken, warum Abu Dhabi sie nicht nur begeistert, sondern auch ein wenig enttäuscht. Die Mischung aus „Manhattan, Orient und Dritter Welt“, die sie vor fünf Jahren gefesselt und im Land gehalten habe, sei nun nicht mehr so bunt. Von Traditionen ganz zu schweigen. „Es ist immer mehr Manhattan als irgendetwas anderes“, sagt die Deutsche, die sich selbst gut „eingemeindet“ fühlt unter all den Expats aus 200 Nationen, die hier arbeiten. Und sie weiß den Luxus zu schätzen.

So geht alles rasant voran in Abu Dhabi: der Bau von Museen, Hotels, Vergnügungsparks – die Stadt ist voller Baustellen und Kräne, gearbeitet wird auch nachts.

 

Trainieren wie Schumi

Die eigene Geschichte mag verblassen, Glamour und Entertainment gewinnen in Abu Dhabi an Boden. Das Highlight der gigantischen Fun-Factory ist bisher die „Ferrari World Abu Dhabi“, eine Art Disneyworld für Formel-1-Fans. Dazu gehört die mit 240 Stundenkilometern weltweit schnellste Achterbahn, außerdem gibt es Rennwagen-Simulatoren und Trainingsstationen für die, die immer schon das Reifenwechseln üben wollten. Der „Yas Marina Circuit“, die Formel-1-Strecke, auf der Vettel & Co. am 4. November im Kreis fahren werden, liegt direkt daneben.

Wem das alles zu spektakulär und zu laut wird, der kann in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate aber auch gut entspannen. Nach den Businesskunden will man schließlich auch die Sonnenanbeter nach Abu Dhabi holen. Daher schießen gediegene „Beach Areas“ ebenso schnell aus dem Boden wie die – architektonisch meist extrem kühlen – Hochhäuser der renommiertesten Hotelketten der Welt. Dort kann man dann auch baden gehen – Baden auf der Baustelle, muss man allerdings oft noch sagen.

Aber ein paar Straßen, eine Insel weiter dominieren nicht mehr die Kräne, sondern Palmen und Pools mit Blick über den Sandstrand aufs Meer. Unterzugehen ist hier übrigens wegen des hohen Salzgehalts praktisch ausgeschlossen. Etwas anderes wäre in dieser Stadt der Superlative aber auch irgendwie undenkbar.

Businessen, baden, beten

Die Autorin wurde von Airberlin, Abu Dhabi Tourism & Culture Authority und Jumeirah at Etihad Towers unterstützt.
www.airberlin.com; www.flyniki.com; www.jumeirah.com

Übernachten: Hyatt Capital Gate www.abudhabi.capitalgate.hyatt.com

Monte Carlo Beach Club (für Urlaubsreisende, zum Baden) www.montecarlobeachclub.ae

The St. Regis Saadiyat Island Resort (für Familien)
www.stregissaadiyatisland.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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VAE

Das absolut tollste Land der Erde! Dort wird für die Einheimischen alles getan, bei uns wird für uns Österreicher sehr wenig bis gar nichts getan. Hierzulande zieht man den Einheimischen nur das Geld aus der Tasche. Das Land, die Kultur, die Menschen, ... einfach ein Traum!

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