Still, spacig, subtil: Sloweniens Thermen legen die Latte höher

21.12.2012 | 15:51 |  von Irene Hanappi (DiePresse.com)

Fantasievolles Design, stilvoll renovierte k. u. k.-Bauten, schwarzes Wasser: Die Heilbäder des südlichen Nachbarn geben Gas.

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Eine Momentaufnahme der Thermenlandschaft, wie sie sich zum aktuellen Zeitpunkt darstellt, zeigt: Was Design und Lifestyle anbelangt, liegt Slowenien seit der Eröffnung der Therme Olimia ganz weit vorn, gibt sozusagen den Ton an und legt für Mitbewerber die Latte auch preislich ziemlich hoch.

Mit den schon 1403 erstmals erwähnten Thermalquellen von Dobrna verfügt Slowenien gleichzeitig über eines der ältesten original erhaltenen Kurbäder im mitteleuropäischen Raum. Alt und Neu, Historisches und Futuristisches liegen im kleinen, derzeit etwas krisengeschüttelten Nachbarland eng beieinander, eine knappe Stunde Autofahrt trennt sie voneinander.
Dobrna geht ganz im Grün der Landschaft auf. Es versteckt sich am Ende einer Talsenke, und bevor man noch den Wagen geparkt und die Koffer ausgepackt hat, zieht es einen hinaus in den Park. Später wird man dann nachlesen, dass Graf Ivan Hoyos die Kastanienallee 1820 anlegen ließ, dass die Silberpappel neben dem Kurhaus einen Umfang von einem halben Meter hat und dass der Name Dobrna vom slowenischen „Dob“ (deutsch: Eiche) stammt.

Aus der Zeit der Zylinder


„Spaziergang durch die Geschichte“ nennt die Kurverwaltung einen Aufsatz in Deutsch. Es ist kein Prospekt, sondern eine auf drei A4-Blättern sorgfältig zusammengestellte Dokumentation, die jeder früher oder später in Händen hält und liest, während er auf die Behandlung bei der Physiotherapeutin wartet. Auf dem Deckblatt prangt das Foto von Dobrna anno 1840. Das Kurhaus ist unschwer wiederzuerkennen, die grünen Holzläden sind bis heute Markenzeichen der Štajerska, der Landschaft zwischen Mur und Save.

Aus der Zeit der Krinolinen und Zylinderhüte ist erstaunlich viel erhalten geblieben. Der prunkvolle Festsaal, die Kapelle, die überbaute Thermalquelle mit den Marmorbädern . . . Die Anlage ließ der geschäftstüchtige Graf im Revolutionsjahr 1848 erbauen. Alles stand für den Empfang hoher Gäste bereit, man erwartete Vertreter des Adels, reiche Bürger, hohe Beamte, Militär und kirchliche Würdenträger. Der Erfolg blieb nicht aus. Zu Spitzenzeiten hielten sich 463 Gäste hier zur Kur auf. Sie spazierten – oder besser wandelten – unter den gleichen Platanen, die heute Joggerinnen willkommenen Schatten spenden und deren Blätterrauschen so beruhigend auf die Nerven wirkt.
Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt auch die Villa Higiea, die sich genauso wie das charmante Park Hotel mit seinen schlichten, zeitgemäß ausgestatteten, frisch renovierten Zimmern als Alternative zu dem 1979 erbauten Kurhotel anbietet.

Fichtennadel- und Salzbäder


Ursprünglich diente der schmucke Bau mit seinen Türmchen und Erkern dem damalige Kurarzt Dr. Gustav Kottowitz als Wohnsitz. Er war es auch, der 1850 einen Kurführer verfasste, der von an Wunder grenzenden Heilerfolgen berichtete. Damals ging es vorwiegend um Erkrankungen des Bewegungsapparates – heute konzentriert man sich in Dobrna auf Kinderwunschtherapie und Burn-out-Prävention. „Das Wasser von Dobrna“, erklärt Direktor Jože Duh in fließendem Deutsch, „hat eine konstante Temperatur von 36 Grad. Es wird für Wannenbäder verwendet oder zum Baden im Becken, für Fichtennadel- und Salzbäder sowie für Moor- und Fangopackungen.“

Während in der Stille von Dobrna das Innehalten geübt wird, bewegt Olimia sich ganz im Rhythmus berauschender Musik. Das beginnt schon beim morgendlichen Work-out mit dem aus Mauritius stammenden Trainer Jyodi, einem ehemaligen Leichtathletik-Profi, und endet unter Umständen um zwei Uhr früh in der Disco. Spaciger Sound kombiniert mit subtilen Lichteffekten umgibt aber auch tagsüber die Badenden im Wellnesszentrum Orhidelia.
Das Dekor scheint wie aus einem Fantasyfilm entlehnt, und eigentlich müssten zwischen den wie Dinosaurierskelette wirkenden Skulpturen und den an Lavasteinbrocken erinnernden Sitzmöbeln Steinzeitmenschen auftauchen – doch es sind Menschen wie du und ich, die bei einer Thai-Massage oder einem Schokoladenaufguss in der Sauna den Samstagnachmittag verbummeln.

Das mit dem begehrten Plečnik-Architekturpreis ausgezeichnete Spa ist vorerst die letzte Errungenschaft der Therme Olimia, die mittlerweile zu einem Dorf, ja zu einer Destination angewachsen ist. Das 2010 renovierte Hotel Breza (Birke) beherbergt die Kurgäste, Termalija nennt sich das Kur- und Therapiezentrum, Sotelia das aparte 4-Sterne-Designhotel, Aqualuna das Freibad . . . Alle wichtigen Gebäude sind miteinander durch einen unterirdischen Gang verbunden. „Es gibt für uns keine Konkurrenz“, sagt Marketingleiter Iztok Prevolšek selbstbewusst schmunzelnd.

Das stimmt natürlich nur bedingt. Denn auch die anderen slowenischen Kurorte wissen mittlerweile ihr langjähriges therapeutisches Know-how zielgerichtet einzusetzen. Rückenschmerzen etwa werden in Dolenjske Toplice neuerdings mit einer speziellen Apparatur namens GammaSwing behandelt. Sie wurde an der Uni-Klinik Innsbruck entwickelt und beruht auf dem Strecken und anschließenden In-Schwingung-Versetzen der Wirbelsäule – ein umgekehrter Trampolineffekt, der nach drei Behandlungen pro Woche dazu führt, Schmerzen zu lindern, Muskeln zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.

Europaweit eine Besonderheit ist das schwarze Thermalwasser, das in der Therme 3000 die Becken füllt und im 5-Sterne-Hotel Livada Prestige sogar die Whirlpools in den Suiten. Seine trübe, graue Farbe verdankt es den vielen Mineralien, die bei Rheumaleiden, Lungenkrankheiten und Psoriasis eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung haben.
An der Quelle sprudelt es mit 72 Grad aus der Erde. Es schmeckt salzig und riecht leicht nach Erdöl. Optisch kontrastiert es hübsch mit dem Türkisblau der Schwimmbecken, gleich hinter der Liegewiese erstreckt sich der neue 18-Loch-Golfplatz, und wer sich aufs Rad schwingt, entdeckt zwischen Kukuruzfeldern und Obstplantagen die „Weiße Taube“, ein Spätwerk von Jože Plečnik.

Slowenisches Thermenquartett
Therme Dobrna Dobrna 50 3204 Dobrna Tel.: +386/3/780 80 00 F: +386 37 80 81 11 info@terme-dobrna.si www.terme-dobrna.si

Therme Olimia d.d. Zdraviliška cesta 24 3254 Podcetrtek Tel.: +386/3/829 70 00 F: + 386/3/582 90 09 info@terme-olimia.com www.terme-olimia.de

Dolenjske Toplice Zdraviliški trg 7 8350 Dolenjske Toplice Tel.: +386/7/391 94 00 F: +386/7/ 306 56 62 booking.dolenjske@terme-krka.si www.terme-krka.si/

Kranjčeva ulica 12 9226 Moravske Toplice Tel.: +386/2/ 512 22 00 F: +386/2/ 548 16 07 E: info@terme3000.si #www.sava-hotels-resorts.com

Infos: Slowenisches Tourismusbüro 1010 Wien, Opernring 1/R/4 Tel.: 01/715 40 10, F: 01/713 81 77 info@slovenia-tourism.at www.slovenia.info

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