Finnland: Schweißbäche in der Schneesauna

21.12.2012 | 16:11 |  von Sascha Rettig (DiePresse.com)

Im Arctic Snow Hotel schläft und sauniert man in Eis und Schnee. Im hohen Schnee und im Dämmerlicht der Polarnacht wird das Hotel fast vom Weiß der Landschaft verschluckt.

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Irgendwann beginnt es, von der Decke zu tropfen. Wasser läuft an den Wänden herunter, sodass es bis zu zehn Zentimeter hoch in den Zimmern steht. Die Löcher in den Decken werden zunehmend größer, die Wände dünner und dünner und schließlich schwimmen auch die letzten Reste des Hotels langsam weg in den angrenzenden See.

Wenn das passiert, ist Frühling, und der Hotel-Betreiber Ville Haavikko muss erst einmal wieder ein halbes Jahr warten, bis es im finnischen Lappland knapp über dem Polarkreis wieder kälter und winterlicher wird. Erst dann kann er sein Hotel in der Nähe der Stadt Rovaniemi wieder neu aufbauen, denn: Es besteht komplett aus Eis und Schnee. „Schon als Kind habe ich viel mit Schnee gespielt. Aber ein Schneeschloss kann man als Kind nicht bauen“, sagt Haavikko.

Das macht er nun als Erwachsener. Jahr für Jahr. Etwa vier Wochen dauert es, bis das rund 25-köpfige Team um die 20.000 Kubikmeter Schnee verbaut hat und das Hotel steht. Die Schneemassen dafür stellt Haavikko mit einer Schneemaschine und Wasser aus dem See her, um die Gänge und Zimmer zu formen, baute er metergroße Modelle. Jedes Jahr verändert er sie ein wenig. Tüftelt. Und probiert Neues aus.

So sieht jedes seiner jährlich wiederkehrenden Schneegebäude etwas anders aus. Im hohen Schnee und im Dämmerlicht der Polarnacht wird das Hotel fast vom Weiß der Landschaft verschluckt. Doch hinter dem Eingangstor sind Zimmer für etwa 70 Personen. Die Standardvarianten sind ganz schlicht mit einer Schneeliegefläche, einer Matratze und ein paar Rentierfellen darauf und einem Schalter für elektrisches Licht ausgestattet.

Moltebeerenlikör an der Eisbar


Abgesehen davon ließ Haavikko ein paar Suiten von jungen Künstlern gestalten, die vor allem mit Licht und Eisschnitzereien arbeiten. Darüber hinaus ist Haavikkos Hotel ausgestattet wie ein normales Hotel auch – nur eben ein bisschen anders: Es gibt ein Restaurant, in dem die Tische aus Eis bestehen. Eine in farbiges Licht getauchte Bar, in der unter anderem der typisch lappländische Moltebeerenlikör in zungenklebenden Eisgläschen ausgeschenkt wird. Ja, sogar eine kleine Kapelle, in der man heiraten kann.

Besonders stolz ist der 29-jährige Jungunternehmer allerdings auf die ebenfalls von ihm konstruierte Schneesauna. Mehrere kleine Kabinen hat er nebeneinander gebaut, die – abgesehen von den einander gegenüberliegenden Holzbänken – nur aus Eis und Schnee bestehen.

Damit die Sauna auch Saunatemperaturen bis zu 80 Grad erreicht, schleudert man mit einer Kelle wiederholt Wasser in einen großen Topf mit heißen Steinen. Beim ersten Schöpfer füllt der Dampf sekundenschnell den Raum, man kann die Hand vor den Augen nicht mehr sehen. Dafür spürt man die kalten Tropfen, die von der Eisdecke auf den Rücken, die Schulter, den Kopf fallen. „Bei einem zehnminütigen Saunagang schmilzt die Wand um drei bis fünf Millimeter“, erklärt er. Ordentlich erhitzt, bemerkt man dann draußen die tiefen Minustemperaturen nicht.

Dagegen wirkt die Hotelzimmertemperatur zunächst noch fast angenehm. Egal, wie eisig es draußen ist, in den Zimmern ist es nicht kälter als minus fünf Grad. Die meisten Gäste halten die Nacht durch, in der absoluten Stille und der klaren Luft des Schneezimmers. „Erfahrungsgemäß sind es eher die Frauen, die dann doch ins warme Zimmer flüchten“, schmunzelt Haavikko. Das steht den Gästen im gemauerten Haus direkt nebenan notfalls zur Verfügung. Kälte ist meist der Grund. Oder Platzangst. Ein Eisbär hingegen habe sich noch nie in die Zimmer verirrt, lacht der Eishotelier. Die gäbe es hier gar nicht. Und auch eine weitere Angst kann er ausräumen: „Ich bin mit schweren Fahrzeugen auf das Hotel gefahren als Beweis, dass es sehr kompakt und stabil ist und nicht zusammenbricht.“ Zumindest bis zum April, wenn es auf dem Gelände irgendwann so aussieht, als wäre dort nichts gewesen.

Arktisch schwitzen
Arctic Snow Hotel: www.arcticsnowhotel.fi

Finnland-/Lappland-Reisen: u. a. mit Dertour, Ruefa, TUI. Diese Reise wurde unterstützt von Finnair und dem Finnland-Reiseveranstalter Fintouring; www.fintouring.de; www.finnair.com

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