Whiteouts in der weißen Wildnis Ausseer Land

Auf Schneeschuhen auf der Little-Alaska-Tour zu Bio-Lammknödeln und in Halbschuhen auf "LiteraTour" in Bad Aussee.

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Symbolbild – (c) APA (DIETMAR STIPLOVSEK)

Bad aussee. Früher war das Ausseerland nur über Pässe erreichbar, die im Winter oft unpassierbar waren, ideale Bedingungen für die Entwicklung und Erhaltung des eigenständigen Brauchtums, der urigen Musik und der Trachten. Heute ist das Schneeschuhwandern durchs Ausseerland nostalgisch und trendig zugleich. Sein Reiz besteht in der Erkundung menschenleerer Gebiete, frei von Pisten und Loipen. Um sich in der weißen Wildnis zurechtzufinden, vertraut sich eine Handvoll Winterhungriger in Bad Aussee um neun Uhr morgens dem Bergwanderführer Christian Remschak an. Fitness ist gefragt für seine „Little Alaska Tour“ auf die Weißenbachalm. Die Strecke, die stapfend bewältigt wird, verläuft durch völlige Einöde. Whiteout heißt es, wenn die ganze Umgebung gleichmäßig gleißend hell scheint: „Hier kann man sich bestens vorstellen, man wäre in Alaska“, sagt Christian Remschak. Tatsächlich aber führt die Fährte, die die konditionsstarke Kleinstgruppe in den Pulverschnee drückt, hin zum Kampl, jenem Kamm zwischen Bad Aussee und Bad Mitterndorf mit Aussicht auf den Dachstein und in Richtung Grimming, durch eine traumhafte Winterlandschaft. Zuerst wird zügig geschnauft im dichten Wald, dann wird der Blick frei am Hochplateau der Langmoos-Alm. „Der Geist sollte wissen, wohin es geht“, lacht Christian Remschak angesichts der Schneeverwehungen. Wenn man gar nicht mehr ahnt, in welche Richtung die Tour führt, tönt beruhigend die Ansage des Bergführers: „Ich kenn' mich schon aus.“ Stärkung wartet auf der Knödelalm am Knoppenberg, einen Zirbenschnaps mit „harmonischem Baumgeschmack“, der übrigens auch im Internet geordert werden kann, kredenzt Fred Pohn, das Hüttenfaktotum, bevor er Lammknödel mit Bio-Schaffleisch auftischt: „Auf der Knödelalm pflegen wir das traditionelle Leben am Bauernhof, in der Küche gilt seit 20 Jahren dasselbe Konzept, unsere Stammgäste wollen das, am Donnerstag ist Hüttenabend mit Hausmusik, und jeden Samstag schmurgelt ein Ofenrohrbratl.“

„Die Kulinarik hat sich stark verbessert, hier wächst ja nichts, man muss alles herholen“, sagt die Schriftstellerin Barbara Frischmuth und rät zu einem Ausflug ins Restaurant Sarsteinblick am Lichtersberg. Barbara Frischmuth ist in Altaussee geboren und im Hotel, das ihre Mutter führte, aufgewachsen. „Im Winter war damals gar nichts, alles war zu.“ „Ich habe mich in meinen Büchern immer wieder des Schauplatzes Altaussee bedient, ob ich ihn nun benannt habe oder nicht.“ Die Autorin arbeitet gern in Aussee, weil die Abende ihr gehören und weil sie nicht abgelenkt ist. Barbara Frischmuth ist Präsidentin des Literaturmuseums, das das Schreiben in Altaussee ins Zentrum rückt. In der Präsenzbibliothek des Literaturmuseums ist nachzulesen, wer sich durch sein Werk mit dem Ausseerland verbunden hat. Die Gemeinderätin Marianne Görtz führt durch den Ort auf „LiteraTour“: „Jakob Wassermann und Friedrich Torberg verbrachten den Winter in Altaussee, heute sind die Literaten und Komponisten von Schauspielern und Regisseuren abgelöst worden.“ Die LiteraTour beginnt beim Kurhaus und verläuft entlang der Hotels und Gaststätten, wo bekannte Literaten, die in Beziehung zu Altaussee stehen, vorgestellt werden. „Es war mir ein Anliegen, die Tradition von Altaussee zu bewahren, zu erinnern an die Sommerfrische des Adels und der Literaten und unser kulturelles Erbe“, sagt Marianne Görtz. Der Maler Horst Karl Jandl hat den Museumsbereich als ein Kuriositätenkabinett gestaltet, im Herzstück des Literaturmuseums wird Hugo von Hofmannsthal zur Wachsfigur und der See zum Tintenfass.

Winter im Ausseerland

Auskünfte: Tourismusverband Ausseerland – Salzkammergut, 8990 Bad Aussee
Tel.: 03622/54040-0
info@ausseerland.at
www.ausseerland.at

Unterkünfte
www.gasthof-sarsteinblick.com
www.diewasnerin.at

Literaturmuseum im Kur- und Amtshaus, Fischerndorf 61,
8992 Altaussee
Tel.: 0664/4441069
literaturmuseum@gmx.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2013)

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