Überraschende Akzente in der Landschaft

Tonnenschwere Eschenwurzeln, eine schräge Liege, eine gestreifte Babuschka: Ungewöhnliche Werke bekannter Künstler wachsen im kärntnerischen Rosental in einem Skulpturenpark aus dem Boden.

Skulpturenpark  Rosental
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Skulpturenpark Rosental – Gasser

Lancelot Brown war ein genialer Landschaftsverzauberer. Der Engländer nahm, was er vorfand, und überprüfte alle Möglichkeiten, im Englischen „capabilities“. So kam der Gartengestalter zu seinem anderen Namen, Capability Brown. Seine meditativ-arkadischen Ideallandschaften garnierte er immer auch mit Kunst, mit Skulpturen und Gebäuden, meist nach italienischem Vorbild. Denn Landschaft soll nicht einfach nur Landschaft sein, sondern durch Kunst überhöht werden. Diese Ansicht des kreativen Naturliebhabers aus dem 18. Jahrhundert teilt eine Kärntner Unternehmerfamilie im südlich-sonnigen Rosental. Die Gassers haben im Laufe zweier Jahrzehnte überraschende Akzente im Rosental gesetzt, einen bunten, frei begehbaren Skulpturenpark erschaffen. Die Künstler, deren Werke ihn ausmachen, gehören zum Besten, was das Land zu bieten hat.

 

Liegen auf einem Domenig

Ein breites Tal hat die Drau in die Landschaft der Karawanken, südlich des Wörthersees, gefurcht. Rastal hieß das Tal früher, heute lautet der Name Rosental, auf Slowenisch Rož. Der Ort Ludmannsdorf, Slowenisch Bilčovs, ist von Velden am Wörthersee oder Klagenfurt aus mit einer kaum viertelstündigen Autofahrt zu erreichen. Paul Flora hat mannshohe Rabenvögel in das Rosental nach Ludmannsdorf gebracht. Günther Domenig zeichnete seine Entwurfsskizze für ein Haus aus Holz, konzipiert als das Rosentaler Gegenstück zum Steinhaus am Ossiacher See. Das kostspielige Holzhaus wurde noch nicht realisiert, wohl aber findet sich ein höchst elegantes Sitz-Liegemöbel des Kärntner Architekturgranden im Rosentaler Skulpturenpark: „Wer sich in Günther Domenigs Sitz-Liegemöbel, das Silimöb, hineinbegibt, der sieht die Straße nicht mehr, sondern nur mehr einen genau gewählten Ausschnitt der Landschaft, der Blick wird frei auf die Kronen der Bäume“, erzählt Ingrid Gasser, die Initiatorin der kreativen Naturformung. „Für uns ist es ganz deutlich zu spüren, dass der Skulpturenpark seinen Besuchern eine heitere Stimmung vermittelt,“ erzählt sie über den Park, der sich um das Betriebsgelände der Firma Holzbau Gasser erstreckt. Seit 1953 ist der Tischlereibetrieb der Familie hier am Werk, 1994 kam die Kunst samt Kulturwerkstatt dazu und auf fein geschnittenem Rasen wuchs eine aufregend-originell belebte Parklandschaft heran.

„1994 bin ich mit meiner Idee der Skulpturen für die Landschaft zum ersten Künstler gefahren,“ erinnert sich Gasser, „das war Giselbert Hoke, in seinem Werkhaus bei Schloss Saager in Grafenstein.“ Der Rosentalerin, inzwischen mehrfach mit dem Kunstsponsoring-Preis Maecenas ausgezeichnet, gelang es, Hoke zu überzeugen. Er hatte ein Kunstwerk parat, einen in Tschechien nach seinen Plänen gefertigten Wandteppich, für dessen Präsentation Holzbau Gasser ein Stecksystem fertigte.

Als der durch seine auch nicht vor Exkrementen zurückschreckende Kunstproduktion bekannte Künstler Cornelius Kolig, Enkel des legendären Nötscher-Kreislers Anton Kolig, eine nackte Frau in eine Skulptur verpackte und ihre mit Tonfarbe bestrichene Brust daraus hervorblitzte, war das ein Aufreger, erzählt Gasser: „Vor der Ausstellung rief mich der Pfarrer von Ludmannsdorf an und fragte, ob denn diese Ausstellung auch für ihn geeignet sei.“ Zu den alljährlichen Vernissagen, wenn wieder ein Kunstwerk erwachsen ist, kommen unterschiedlichste Besucher, die Parkkunst ist für alle.

 

Babuschka, Blau und Brown

Was kam heraus aus der jahrzehntelangen Beschäftigung der Tischlermeisterfamilie mit Kunst und Landschaft? Die Ludmannsdorferin Meina Schellander schuf ein Bild vom Baum unter Bäumen, der Villacher Michael Kos einen Windkamm, der Klagenfurter Manfred Bockelmann eine drei Tonnen schwere Eschenwurzel mit dem Titel „Das Blau der Erde“. Johanes Zechner erwies mit der rot-weiß-gestreiften, vier Meter hohen Holzkonstruktion „Babuschka“ seiner aus Südslowenien eingewanderten Großmutter die Ehre. Capability Brown hätte es gefallen!

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.holzbau-gasser.at/de/geschichte
www.carnica-rosental.at/tourismus.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2013)

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