Wer auf Rügen Urlaub macht, kann Strand- und Seebad-Atmosphäre erleben, er kann segeln oder auf den Spuren des Piraten Störtebeker wandeln. Oder aber: Er setzt sich aktiv für den Naturschutz ein.
Seit mehreren Jahren arbeitet die Appartementvermittlung Rügen (AVR) mit dem Naturschutzbund NABU und dem WWF zusammen – und lässt Urlauber unter Anleitung Schwalbennester zählen, Insektenhotels bauen und die Küstenqualität überprüfen.
Im Sommer trifft sich mehrmals pro Woche ein engagiertes Grüppchen Urlauber auf der „Seedüwel“, einem Motorsegler, der einen besonders schutzwürdigen Teil der Bucht „Greifswalder Bodden“ von Gager aus befährt. Als Urlaubsranger überprüfen die Gäste, ob sich die Segelschiffe hier an die Fahrbegrenzungen halten, damit die Vögel im Schilf am Uferrand in Ruhe brüten und rasten können.
Mit Ferngläser, Zählern und Strichlisten ausgerüstet, dokumentieren die Urlaubsranger, welche Vogelarten sich in welcher Zahl in der Umgebung der Having aufhalten – seien es Zugvögel oder Brutpaare. „Die Urlaubsranger führen Protokoll, wann und wo die Tiere unterwegs sind. Sie erfassen die Windrichtung und überlegen, weshalb die Vögel gerade an bestimmten Stellen anzutreffen sind. Diese Protokolle fließen dann in die wissenschaftliche Arbeit der Naturschutzorganisation ein“, erläutert Christian Zepf von der AVR, der das in Deutschland bislang einmalige Projekt betreut.
Vor allem im Herbst, wenn die Zugvögel unterwegs sind, verwandelt sich die Insel Rügen in ein Naturparadies par excellence. Dann sind Meeresenten und Seetaucher hier anzutreffen, Kanadagänse und Graugänse, Bläßgänse und Kraniche. Doch die Urlaubsranger kümmern sich nicht allein um die Vögel. Unter Anleitung einer Biologin helfen sie auch bei der Überwachung der Wasserqualität. Sie entnehmen Proben, die analysiert werden. „Für unsere Gäste ist das etwas ganz Besonderes, denn hier sind sie keine passiven Konsumenten, sondern sie machen aktiv etwas für den Naturschutz“, sagt Christian Zepf.
Zicker Alpen
Und dafür sind sie im Südosten der größten deutschen Insel genau richtig. Seit die Halbinsel Mönchgut in Südost-Rügen von der Unesco 1991 zum Biosphärenreservat erklärt wurde, genießt sie besonderen Schutz. Wer von Groß Zicker nach Gager wandert, findet hier kaum Felder, sondern vor allem Grasflächen und Magerrasen.
„Das ist die trockenste Gegend auf Rügen“, erläutert der Biologe Stefan Woidig, ein Mitarbeiter der Verwaltung des Biosphärenreservats. Woidig und die Ranger können Besuchern genau erklären, wie sich die Gletscher am Ende der letzten Eiszeit zurückgezogen haben und wie sich dabei Lehme und Sande abgelagerten, die letztlich die Hügellandschaft Südost-Rügens geformt haben.
Und da echte Berge in Küstennähe Mangelware sind, nennen die Einheimischen das sanfte Hügelgelände in der Nähe des Ortes Groß Zicker gleich großspurig die Zicker Alpen. Ein faszinierendes Gebiet, das sich noch immer bewegt und verändert: „Hier kann man die natürliche Küstendynamik sozusagen anfassen, hier wird die Landschaft immer noch modelliert“, versichert Stefan Woidig.
Ostsee-Pegel stieg um 40 Meter
Der Höhenzug Bakenberg, auf dem wir gerade stehen, sei durch das zwischen den Gletscherzungen abgelagerte Material entstanden. „Als die Gletscher dann geschmolzen sind, ist der Wasserspiegel der Ostsee um 20 bis 40 Meter angestiegen“, erläutert Woidig und zeigt seinen Besuchern auch gleich anschaulich, wo die Strömung heute noch Sand- und Erdsegmente abträgt, und an welchen Stellen die Sande wieder neu angelagert werden. Obwohl der Bakenberg nur 66 Meter hoch ist, ermöglicht er doch einen lohnenden Ausblick auf Ostsee und Bodden – und auf die Fischerdörfer in der Umgebung.
Das „wahre Paradies von Rügen“, so charakterisierte der Historiker und Geograf Johann Jakob Grümbke den Südosten der größten Insel Deutschlands bereits im Jahr 1803. Dass das Gebiet nun als Biosphärenreservat unter Schutz steht, heißt nicht, dass die Natur sich selbst überlassen bleibt. Wichtig ist vielmehr, sich an Regeln zu halten – beispielsweise bei Spaziergängen die ausgeschilderten Wege nicht zu verlassen.
Die Verwaltung des Biosphärenreservats kümmert sich aber nicht nur um die Regulierung des Tourismus, sondern auch um den Erhalt der Kulturlandschaft. Sie fördert die Landschaftspflege, etwa Entbuschungen und Entschilfungen. „Die Offenlandschaften, die so charakteristisch für das Mönchgut sind, werden nur durch menschlichen Einfluss erhalten. Genauso ist es bei den Feuchtgebieten. Wenn wir das Schilf nicht regelmäßig entfernen würden, hätten andere Pflanzenarten – etwa Sumpfdotterblumen, Wollgras, Quellried und bestimmte Queckenarten – auf Dauer keine Überlebenschance“, sagt Woidig.
Wie vielfältig die Natur- und Kulturlandschaften der Insel Rügens sind, erfährt, wer neben dem Mönchgut und der Having im Südosten der Insel auch den Nordosten besucht: Ein Muss für Naturfreunde ist eine Wanderung durch den Nationalpark Jasmund, der von Buchenwäldern, Mooren und der berühmten Rügener Kreideküste geprägt ist.
Kern des Nationalparks ist das größte zusammenhängende Buchenwald des gesamten Ostseeraums, die Stubnitz. In der Nähe des 118 Meter hohen Königsstuhls, an dem ein Hügelgrab aus der Stein- oder Bronzezeit zu finden ist, lohnt ein Besuch des attraktiv gestalteten Multimedia-Informationszentrum, in dem man sich auf eine Zeitreise durch die letzten siebzig Millionen Jahre begeben und im Multivisionskino den Nationalpark sogar aus der Adlerperspektive erleben kann.
Wer mag, kann die ökologischen Zusammenhänge, die in der Kunstwelt des Zentrums auf beeindruckende Weise dargestellt werden, im Anschluss daran live erleben – bei einem Spaziergang durch die für den Nationalpark typischen Buchenwälder. Lohnend ist eine kurze Wanderung zur Victoriasicht. Dort genießt man eine grandiose Aussicht auf die Kreideküste genießen, von der schon Caspar David Friedrich fasziniert war. Ein besonderes Zuckerl sind Kurzführungen durch den Nationalpark, beispielsweise zum Thema „Kreide, Küste und Meer“: Besucher des Nationalparkzentrums können mehrmals täglich kostenlos teilnehmen.
Allgemeine Infos:
Tourismusverband Mecklenburg Vorpommern, Platz der Freundschaft 1, D-18059 Rostock, www.auf-nach-mv.de sowie unter www.natur-mv.de
Tourismuszentrale Rügen GmbH, Bahnhofstr. 15, D-18528 Bergen, Tel. 0049/3838/8077-80, www.ruegen.de
Umweltangebote:
Nationalpark-Zentrum Königstuhl, Stubbenkammer 2, D-18546 Sassnitz, T0049/38392/6617-0, www.koenigsstuhl.com
Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen, Blieschow 7a, D-18586 Lancken-Granitz, Tel. 0049/38303/885-0, www.biosphaerenreservat-suedostruegen.de
Urlaubsranger: AVR Ferienanlagen Rügen, Strandstraße 12, D-18586 Göhren, www.urlaubsranger.de
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2007)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Victoria's Secret Tanz der Engel
Peta-Promis Lieber nackt als mit Pelz
Damals und heute Stars, wie die Zeit vergeht...











