Auf der Alm, da gibt's Komfort

Der Unterschied zu früher: Urig ist zwar in, aber komfortabel soll es, bitte schön, auch sein.

Hochglanz, 115 Seiten stark: Der Katalog von „Hüttenpartner“ spielt, wie man sagt, „alle Stückeln.“ Über zweihundert Hütten sind abgebildet, beschrieben und mit kleinen Symbolen versehen, die „Skigebiet“, „Fischteich“ oder „Sauna“ bedeuten. Der Katalog besiegelt zwischen seinem glänzenden Umschlag, was offensichtlich ist: den Trend zum Urlaub in Österreichs Berghütten. Vor allem im Winter sind die urigen kleinen Häuschen gefragt wie noch nie.

Was ist der Reiz des Schlichten? Wo doch die Urlaubswoche nur der Entspannung und Entlastung dienen soll. „Die Gäste haben die totale Freiheit“, sagt Claudia Baumgartner, Chefin von „Hüttenpartner“, die ihre Kundschaft kennt. „Die Kinder können herumrennen und laut sein, die Eltern können nach der Sauna nackt in den Schnee springen – niemand stößt sich daran.“ Keine Sperrstunde, die den Spaß verdirbt, keine große Reisegruppe, der man sich anpassen muss.

„Vor allem spielen die Gäste gerne Hausbesitzer. Zuhause leben sie in kleinen Reihenhäusern oder engen Wohnungen. Auf der Hütte können sie ihre Privatsphäre auffrischen, weit weg von neugierigen Nachbarn.“ So ist das auf der Alm.

Seit 1996 vermittelt Hüttenpartner das einsame Idyll für Jedermann. Claudia Baumgartner hat jede Hütte in ihrem Prospekt selbst besichtigt. Große Ferienanbieter wie Mondial oder Ruefa buchen über Hüttenpartner, genau wie viele kleine Reisebüros. „Das Geschäft ist von Anfang an gelaufen, der Bedarf war da“, sagt Claudia Baumgartner.


Von einsam bis gemeinsam

Dabei waren die Hüttenbesitzer zuerst skeptisch: Internet und überhaupt. Doch als erste Partner aufgesprungen waren, ging es wie von selbst. Die Vorzüge liegen in der Einfachheit: Der Vermieter hat nur mit Hüttenpartner zu tun, seine Hütte füllt sich quasi wie von selbst, sobald er einen Exklusivvertrag abgeschlossen hat. Braucht der Besitzer seine Hütte selbst, muss er den Zeitraum auch über die Datenbank blockieren.

Statistische Daten zum Hüttentrend gibt es exakt null. Eleonore Gudmundsson von der Österreich Werbung: „Es gibt keine Statistik, die Hütten sind privat und werden nirgends offiziell erfasst.“ Sie vermutet, dass der Trend „mit dem Bedürfnis nach Klarheit zusammenhängt.“ Sei es das, oder sei es Teil der Rückbesinnung auf Urlaub zu Hause, in einer Zeit, in der sich jeder einen Flug ans andere Ende der Welt leisten kann. Wie der typische Hüttenurlauber aussieht? Claudia Baumgartner: „Den gibt es nicht.“ Vom einsamen Professor, der in Ruhe an seiner Arbeit feilen möchte, bis zu Hochzeitspaaren. „Die meisten Gäste kommen aus Deutschland, Österreich und Ungarn.“ Das Produkt Hütte spreche jeden an: von vier bis vierzig Betten, von urig bis luxuriös, von einsam bis gemeinsam.

Nicht nur fürs Gemüt, auch für die Geldbörse ist Hüttenurlaub eine Erholung. Im Vergleich zu früher ist der Hüttenurlaub inzwischen zwar Luxus. Auch sind die Preise der einzelnen Hütten breit gestreut – von etwa 500 bis 2000 Euro pro Woche. Doch wenn man durch die Bettenanzahl teilt, ergibt sich meist ein Betrag zwischen zehn und zwanzig Euro pro Person und Nacht. „Die Miete und die Nebenkosten für Nahrungsmittel sind zusammen meist wesentlich billiger als ein Hotel“, sagt Claudia Baumgartner.


Sauna und Doppelzimmer

Im Winter sei Komfort besonders wichtig, weiters die Sauna und Doppelzimmer. Die Hauptsache aber ist, klar: Skifahren. „Es gibt nur wenige Gäste, die im Winter nur eine urige romantische Hütte suchen.“ Die Anbindung an ein Skigebiet sei wesentlich und, ja, Satellitenfernsehen. „Früher gab es nur ein Schlaflager und einen Wirtschaftsraum. Heute erwarten die Gäste ab einer Belegung von sechs Leuten zwei Toiletten.“ Oder zumindest pro Familie eine. „Plumpsklos kannst du vergessen.“

Urig, aber mit dezentem Komfort. Holzknistern im Kamin, aber mit Strom und Satellitenfernsehen. Naturnaher Hüttenurlaub, um in der Früh schnell Kaffee zu machen, aber doch auf dem Elektroherd und zum Schlafen ein Doppelzimmer. Das sind die Prioritäten der Hüttenurlauber im Winter. Und weiter: Zu Fuß zur Hütte wandern zu müssen ist tabu, Mindestanforderung ist ein Shuttledienst, am liebsten fährt man mit dem Auto bis vor die Tür.

Die Besitzer reagieren und bauen um: lieber weniger Gäste, dafür ein größeres Bad. Besser kein Matratzenlager für zwanzig Personen, sondern zwei geräumige Doppelzimmer. Claudia Baumgartner: „Hüttengäste sind nicht mehr Studenten mit kleinem Budget. Sie wollen ein Chalais mit Kamin, vor dem sie ein Glas Rotwein trinken können.“ Die Renovierung kann aber auch nach hinten losgehen. „Renovieren ja, aber mit Geschmack! Kein Plastikboden, den Strom unauffällig verlegen, alte Möbel stehen lassen.“


Urig, aber luxuriös

Der neueste Trend: das Hüttendorf. In einer Ausschreibung der Österreich Werbung heißt es: „Als ob urige Almhüttenromantik nicht genug wäre – das Almdorf Seinerzeit in Kärnten wartet zusätzlich mit Serviceleistungen de luxe auf!“ Da war es wieder: urig, aber luxuriös! Das Almdorf Seinerzeit hat mit seiner Luis Trenker-Stub'n, dem Dorfteich und der täglich aktuellen Dorfzeitung die Vermarktung der Urigkeit perfektioniert.

Weil das Geschäft brummt, hat auch „Hüttenpartner“ ein eigenes Dorf errichtet: elf Hütten auf einem Hochplateau bei Pruggern, ideal zum Skifahren. Um die Beziehungen mit den Einheimischen zu festigen, wurden Handwerker und Hausbetreuer aus dem Ort engagiert. Dieses Konzept funktioniert nicht nur in Pruggern und im Almdorf Seinerzeit: Präbichl (mit modernen Reihenhütten), Carpe diem, Katschberg, Feuerkogel heißen andere Hüttendörfer. Vierzig Blockhütten sind in Fallerschein zu mieten, um 35 Euro pro Hütte und Tag. Die drei „Almliesl“-Hüttendörfer stehen in Oberkühnreit, Oberreit und Rindereben.


Grauzone des Privaten

Unter zehn Betten gilt eine Hütte als nicht gewerblich. Eine Klassifizierung wie bei den Hotels gibt es nicht, ebenso wenig Überprüfungen von Amts wegen, steile Treppen müssten dann wahrscheinlich den strengen Auflagen weichen. Eine Grauzone also.

Die meisten Hütten haben keinen offenen Kamin. „Woher die Leute diese Vorstellung auch immer haben“, sagt Claudia Baumgartner, „das gibt es in einer Holzhütte nicht!“ Hüttenurlaub ist auch nicht ganz ungefährlich. „Viele Besucher kochen das erste Mal über einem Feuer“, sagt sie. „Hüttenbesitzer müssen genau erklären, wie der Ofen, das Gaslicht oder der Heizkessel funktionieren.“ Behördliche Prüfungen erfolgen nur bei Neubauten, gekennzeichnete Fluchtwege sind zum Beispiel Pflicht. So gesehen ist die Grauzone, in der die Hütten stehen, die Retterin ihrer Ursprünglichkeit.

Viele Eigentümer seien sich gar nicht im Klaren darüber, „dass ihre Hütte auch etwas wert ist“, wundert sich Baumgartner. „Viele investieren ihre ganze Energie in ein nagelneues Ferienhaus, die kleine Hütte wird links liegen gelassen.“ Da und dort fehlt es vielleicht noch am Verständnis für die Urigkeits- und Einsamkeitsbedürfnisse der stressgeplagten Touristen. „Dabei gehen Hütten besser als Ferienhäuser“, sagt Claudia Baumgartner. „Das mussten wir manchen Hüttenbesitzern erst klar machen: Hüttenbesucher sind keine Gäste zweiter Wahl!“

EINFACH KOMFORTABEL

Hütten im Web
Almdorf Seinerzeit: www.almdorf.com

Hütttenpartner: www.huettenpartner.at

Österreich Werbung: www.austria.info

Präbichl: www.huettendorf-praebichl.at

Carpe diem: www.huettendorf.com

Katschberg: www.laerchenhof-katschberg.at/huettendorf

Feuerkogel: www.familiendorf-feuerkogel.at

Die Auslastung in Skigebieten ist gut, sprich von Weihnachten bis Ostern voll.
Tipp: So früh wie möglich oder gleich fürs nächste Jahr buchen. Es gibt immer wieder neue Hütten, auch über Silvester ist eine Buchung kurzfristig möglich. Last-Minute-Angebote gibt es gerade im Herbst und Winter: Die Hüttenbesitzer sind dran interessiert, dass der Winter durchgehend besetzt ist, weil es das Heizen erleichtert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2007)

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