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Florida: Und wo bleibt Arnie?

30.10.2008 | 19:15 |  MARIA DIMITRIADOU (Die Presse)

Wie lebt Reich & Schön in der Luxusenklave Fisher Island? Als Hotelgast darf man Nachschau halten.

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Die Ladeklappe der Fähre hebt sich. Ein Minibus mit sechs Personen müsste eigentlich locker noch hineinpassen. Doch ein weibliches Wesen in Gestalt eines Bulldozers versperrt die Zufahrt. Da hebt die zierliche Reiseleiterin die Stimme, steigt aus und stemmt sich dem Koloss entgegen. David gegen Goliath.

Der Fahrer unseres Minibusses ist irritiert. Erlaubnis her – oder nichts geht! Dass die Erlaubnis vor fast einer Stunde schon zweimal den Sicherheitsbeamten an der Pforte vorgelegt wurde, interessiert nicht. „You take the next one“, sagt Goliath in einem Ton, der keine Widerrede zulässt. Also die nächste Fähre. Nach ungefähr einer halben Stunde dürfen wir an Bord, als letztes Fahrzeug, hinter Ferraris, Porsches, BMWs und anderen Luxuskarossen.

Die Fahrt dauert nicht mal 15 Minuten. Und die Neugier steigt. Nun haben wir es doch noch geschafft, ohne Millionen im Portemonnaie in die Oase der Reichen vorzudringen: auf Fisher Island. Die künstliche Insel im Atlantischen Ozean nahe Miami ist bekannt als luxuriöser und streng abgeschirmter Wohnsitz gut Betuchter und Prominenter. Arnold Schwarzenegger, Paul Newman, Demi Moore, Boris Becker und Jack Nicholson, um nur ein paar zu nennen, wohnen oder wohnten hier. Das Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner ist das höchste der gesamten USA.

Das jetzige Fisher Island war bis 1905 der südlichste Zipfel von Miami Beach. Dann wurde der Schifffahrtskanal gebaut, um Ozeanriesen die Einfahrt in Miamis neuen Hafen zu ermöglichen. So verwandelte sich die einstige Landspitze in eine Insel. Der in Miami ansässige Immobilienkönig Carl Fisher kaufte kurz darauf die Insel, um sich sein Mausoleum errichten zu lassen.

 

Tausche Jacht gegen Insel

Mitte der Zwanzigerjahre kam dann alles anders. Fisher ließ sich auf ein Tauschgeschäft mit William Vanderbilt ein, der sich bereits lange zuvor in die Insel verliebt hatte: dessen 80 Meter lange Jacht gegen die Insel. Vanderbilt baute hier seine Winterresidenz im maurischen Stil – mit Mansion, Gästehäusern, Golfplatz, Atelier, mehreren Tennisplätzen und Swimmingpools. Heute ist dieser Teil der Insel das Resorthotel Fisher Island Club. Nach Vanderbilts Tod Anfang der 1950er-Jahre folgten häufige Besitzerwechsel. Erst in den 1980er-Jahren begann die Bebauung mit Luxusappartementhäusern.

 

Die nächste Hürde: 60 Mann

Eines hat sich jedoch seit den Anfängen nicht geändert: Die Insel ist nach wie vor für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Betreten dürfen die autofreie Nobelenklave nur die etwa 470 Bewohner, zahlende Gäste des teuren Fisher-Island-Club-Hotels und die Schüler der privaten Fisher Island Day School. Die Schüler stammen von Fisher Island, aus den noblen Stadtteilen oder den benachbarten Luxusinseln Miamis. Eine Chance, auf die Insel zu kommen, bleibt aber auch Normalbürgern: via Einladung eines Bewohners. Hat man das geschafft, bleibt noch die Hürde der Security. Jeder muss an dem 60 Mann starken Sicherheitsdienst vorbei.

Jetzt steht uns alles offen, fast alles. Wir stapfen über die künstlichen Strände mit schneeweißem Sand, der von den Bahamas eigens geholt wurde. Zwei Jachthäfen, mehr als ein Dutzend Tennis- und Golfplätze, die Hochhäuser mit Blick auf die Skyline von Miami, wo die billigsten Wohnungen knapp über eine Million Dollar kosten. Dann noch das Schmuckstück der Insel: das Wellnesscenter, wo wir aus dem Staunen nicht herauskommen. Nicht aus Begeisterung. Und nicht einmal aus Entsetzen.

 

Reich und Schön verkriecht sich

Nichts hier ist außergewöhnlich. Die Hochhäuser mit den kleinen Balkonen – manche sehen zum Innenhof, wenige zur Skyline – gibt es überall auf der Welt. Die einfachen An- und Umkleidekabinen des Wellnesscenters wirken, als wäre die Zeit stehen geblieben. Auch das kleine Becken mit seinen alten Mosaiken sieht eindrucksvoll aus, schon allein, weil es Geschichte atmet. Wäre dieses Wellnesscenter allerdings an einem Ort außerhalb von Fisher Island, dann würde sich vermutlich kein Bewohner der Insel trauen, hineinzugehen.

Die Reichen und Schönen trifft man auch hier nicht auf offener Straße. Sie verkriechen sich in den Appartements, liegen an den Stränden oder sind allenfalls mal im Restaurant zu sehen. Wir treffen keinen Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone oder Bill Clinton. Dafür begegnen wir reichlich unbekannten Schönen mit makellosen Körpern, vollen Lippen, prallen Silikonbrüsten und schmaler Taille. Irgendwie sehen sie alle gleich aus, die American Beauties.

SCHÖN SCHAUEN

Fisher Island Hotel & Resort: Über www.expedia.at ab 170 Euro pro Person/Tag oder direkt bei www.fisherisland.com ab 400 USD pro Person/Tag.
Achtung: Das Hotel „checkt“ vor Buchungsbestätigung jeden Hotelgast (inoffiziell).

Flüge Wien–Miami unter www.airberlin.at www.martinair.com

Reich & Schön schauen: Von der Bayside fahren fast stündlich Ausflugsboote nach Fisher Island oder Star Island. Das sind die Inseln vor der Stadt, auf denen die Reichen und Prominenten wohnen. 22 US-Dollar kostet die Fahrt.

[Foto: Dimitriadou]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2008)

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