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Sabaoke auf Hollands höchstem Vulkan

14.11.2008 | 20:48 |  von Walter Kaminski (Die Presse)

Hollands höchster Berg ist 887 Meter hoch: eine Trauminsel für Taucher und Individualisten in der Karibik.

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Wo soll denn hier das Flugzeug landen? Nur Klippen und Berghänge da unten. Aber da: ein Felsplateau mit einer Piste, gerade mal so lang wie der Stephansdom hoch. Nach ein paar schrägen Schleifen braucht der Pilot der Propellermaschine zum Bremsen nicht einmal die ganze Piste. Die Passagiere atmen auf.
Zu früh, schwindelerregend geht's weiter: den Berg hinauf zum Dorf mit dem schönen Namen Hell's Gate. Taxiunternehmer Eddie Peterson tritt den Kleinbus hart am Abgrund die steile Serpentinenstraße mit ihren 19 Haarnadelkurven hinauf. Beim Fotostopp auf halbem Weg stellt es ein echtes Problem dar, die Wagentür zu öffnen: So steil ist die Straße, die nicht von ungefähr „the road that could not be built“ heißt.
Saba ist eines der letzten Überbleibsel des Kolonialreichs des Königreichs der Niederlande. Dort, wo der Arm der Antillen nach Süden abknickt, liegt Saba in der Ellenbeuge, ein Mini-Inselchen von knapp zwölf Quadratkilometern.
Das typisch karibische Postkartenidyll sucht man auf Saba vergeblich, die Insel hat nur einen einzigen kleinen Strand mit pechschwarzem Sand, und selbst hier muss man auf den Steinschlag von der Steilwand dahinter achten. 1500 Sabäer, Weiße, Mischlinge, Schwarze, alle relativ wohlhabend, leben in Häuschen im holländischen Kolonialstil in den vier Ortschaften Hell's Gate, Windwardside, The Bottom und St. John's. Für den Wohlstand sorgt nicht nur Amsterdam, sondern auch der Tourismus der Kategorie „individuell und naturverbunden“.
Freitag abends Sabaoke
Aber was treibt man auf einem Felsen in der Karibik ohne Strände? Man taucht. Die ganze Küste der Insel ist Naturschutzgebiet, die Korallenriffe sind allein der Fauna sowie Schnorchlern und Tauchern vorbehalten. Die Tauchschule Saba Divers, die von Barbara und Wolfgang Tooten betrieben wird, bietet auch Schnuppertauchen. Die zwei Deutschen kamen 2000 auf die Insel, nachdem ein Jahr zuvor Hurrikan George gewütet hatte, und kauften das demolierte Scout's Place, ein Gästehaus mit Bar und Restaurant. Man wohnt in preiswerten Zimmern, isst im Restaurant gut und reichlich und ölt an der Bar die Stimme fürs freitägliche Sabaoke.
Der Regenwald ist Sabas zweite Attraktion. Mit 887 Metern zieht der Mount Scenery, der höchste Berg der Niederlande, die Regenwolken an, an den Hängen wuchert Dschungel – mit so großen Philodendronblättern, dass man sich dahinter verstecken kann, mit Palmen, Lianen, Luftwurzeln, Avocadobäumen voller kindskopfgroßer Früchte und belebt von bunten Vögeln. Über den feuchten Boden huschen kleine, getigerte Eidechsen, und in der Dämmerung veranstalten die Baumfrösche ihr Konzert.
Die Wanderwege sind in gutem Zustand, fast wie in einem englischen Park. Der Sandy Cruz Trail etwa führt drei Stunden lang einen Berghang entlang durch einen Bilderbuchregenwald, ist nicht allzu anstrengend und eröffnet immer wieder den Blick aufs Meer hinaus. Bergspechte nehmen den Gipfel in Angriff, ein schweißtreibendes Unternehmen über 1064 Stufen von der Ortschaft Windwardside hinauf zum Mount Scenery. Von oben hat man bei klarem Wetter einen spektakulären Blick auf sieben weitere Antillen-Inseln.
Von Windwardside auf 600 Metern führt ein alter Treppenweg zum Inselhauptort The Bottom auf 250 Meter Höhe hinunter. Der Ort liegt in einer kleinen Talsohle und ist neben der Flugpiste die einzige flache Stelle Sabas. Wer von Stiegen noch immer nicht genug hat, stiefelt über weitere 600 Stufen, genannt The Ladder, zum Meer hinunter. Bis zum Bau des Flugplatzes 1963 war The Ladder der einzige Weg auf die Insel, heute steigen Badelustige auf ihr ab. Strand gibt es zwar keinen, aber bei Schönwetter kann man hier hervorragend schwimmen. „Saba ist so, wie man sich die Karibik von vor 50 Jahren vorstellt“, sagt Tourismusdirektor Glenn Holm beim Cocktail auf der Terrasse des Scout's Place. Die Ökologie sei intakt, Ballermann gibt's keinen, kein Spielcasino wie auf anderen Karibikinseln, und auch Kreuzfahrtschiffe laufen Saba nicht an. „Das wäre gar nicht möglich“, sagt Holme, hunderte Tagestouristen würden die Handvoll Taxis der Insel überfordern. „Obwohl wir vor zwei Jahren eine Menge Anfragen bekommen haben: Damals kürte das US-Magazin ,Travel & Leisure' in seinen Best-of-Rankings Saba als ,beste Insel der Karibik'. Dabei haben wir gar nicht so viele US-Touristen“, wundert sich Holme.

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