Maria Laach, Melk und Maria Taferl liegen auf geomantischen Linien. Der Skeptiker könnte jetzt einwerfen, dass sich Linien zwischen jedem x-beliebigen Punkt ziehen ließen. Und was bedeutet schon „geomantisch“? Aber Skeptiker sind selten die Zielgruppe für Wanderungen zu Kraftplätzen und Steinkalendern, entlang an Wasseradern, Erdstrahlen und Sagen hoch über den Ufern der Donau. Angeblich.
Ist der Geist willig, einem verschütteten Instinkt für energetisch aufgeladene Plätze zu folgen, wird er die Natur lesen und Abweichungen erkennen können: eine schmale kahle Schneise in sonst dichten Baumreihen, seltsam verkrümmte Stämme, merkwürdige Steinformationen, die natürlich und doch menschengemacht erscheinen. Irgendeinen tieferen Grund muss all das ja haben. Erdstrahlen, Magnetismus, Gitternetzlinien, Wasseradern sagen die Radiästheten.
Mit Geobiologie und Energielinien – „Laylines“ – erklärt es auch Edmund Binder, Radiästhet, Landwirt und Vizebürgermeister von Maria Laach, und zeigt auf eine baumleeren Line im Laubwald. Dass es in der hübschen Gemeinde hinter dem Jauerling einen „Kraftweg“ mit elf Stationen gibt, ist seine Initiative. Binder und seine Wünschelrute fanden 1994 in Maria Laach einen artesischen Brunnen. Voll „rechtsdrehendem“ Wasser in 47 Meter Tiefe, an die 50 Jahre alt, rein und klar.
Bei diesem Brunnen beginnt die Kraftwanderung, die auch an Parawissenschaftliches heranführt: Es geht um Strahlenfühligkeit, Astrologie, Keltenkult, Pyramiden, ein Spiel mit christlicher und östlicher Symbolik. Schön idyllisch ist es auf dem Kogel nahe beim Dorf allemal. Wieso eigentlich nicht einen Baum umarmen? Oder bewusst durch ein dolmenartiges Tor schreiten, das „nach energetischen Kraftlinien ausgerichtet“ ist? Oder bei der Kaiserlinde kinesiologisch austesten, ob die Kreuzung von Erdstrahlen und Wasseradern tatsächlich „energiespendend“ wirkt?
Sechs Finger, kein Gag
Im Pfarrhof der Wallfahrtskirche von Maria Laach wird’s offensichtlich: Hier treibt eine unsichtbare Kraft zwei Bäume auseinander. Als könnten sie sich nicht ausstehen, winden sich die Stämme voneinander weg. Das Werk der Strahlung, erklärt Binder. Angeblich wurde im Pfarrhof ein extrem hoher Wert gemessen. Ebenso im Inneren der Kirche, wo ein bemerkenswertes spätgotisches Bild hängt: Maria und das Kind umringt von zwerggroßen Figuren. Zwei gerupft wirkende Engel setzen ihr die Krone auf. Doch ein anderes Detail fesselt den Blick, eine anatomische Abweichung: Diese Madonna hat sechs Finger. Ungeachtet der angeblichen Strahlung wirkt das Bild auf die Fantasie des Betrachters. Nicht einmal übermalen könnte den sechsten Finger entfernen, weil er immer wieder von selbst erscheint, sagt eine der vielen Legenden um „Maria Sechsfinger“.
Sagen und Mysterien eignen sich als roter Faden durch unbekanntes Terrain beidseitig der touritisch bekannten Wachau. Der Dunkelsteinerwald auf der Mostviertelseite der Donau scheint mit rätselhalft-düsterer Naturromantik geradezu aufgeladen, weil hier Steinreihen, Erdwälle und Plateaus existieren – vermutlich aus der Keltenzeit. Es fällt auch dem Pragmatiker leicht, in diese Plätze Kulte hineinzuinterpretieren, den stillen Waldwegen und der Topografie etwas Energetisches nachzusagen.
In Geyersberg zum Beispiel wurde ein keltischer Kalender angelegt – eine Steinkreisanlage mit Menhiren, Altar und heiligem Hain, die sehr präzise den Jahreszeitenwechsel misst. Für die Wanderführerin Heidi Zöchinger ist dieser bemerkenswerte Platz Ausgangspunkt geführter Touren in die Urkultur, bei denen von Druiden, Runen und der Anderswelt die Rede ist. Auf dem Weg zur seltenen Eibe indes bittet sie ihre Gruppen zu schweigen. Mancher hält das sogar bis Maria Langegg, der barocken Wallfahrtskirche, durch. Ein Weg zur meditativen Versenkung.
Hoch ragt die Burgruine Aggstein aus dem Dunkelsteinerwald und über die Donau heraus. Furchterregende Geschichten könnte man von ihr erzählen: Raubritter Scheck vom Walde zum Beispiel setzte seine Gefangenen gerne an die Luft, mit der Option, auf einem schwindelerregenden Felssporn zu verhungern oder sich in die Tiefe zu stürzen. Dena Seidl erzählt den Besuchern der Ruine jedoch jugendfreiere Geschichten. „Mæren“, oft aus dem Augenblick geboren, und mit Sagen aus der Gegend und der Geschichte von Aggstein verschränkt. Mit Seidls märchenhaftem Ton im Ohr dringt man bis in die letzten Winkel vor – ein ganzes „Stundenglas voll Zeit“ lang.
Ziele für Wander-Mystiker: Dunkelsteinerwald: keltische Siebenmarksteine südlich von Paudorf, Mammutbäume ebendort und Nachbau einer keltischen Kalenderanlage in Geyersberg. Pilgerund Wanderziel: die barocke Wallfahrtskirche Maria Langegg, http://marialangegg.kirche.at; www.dunkelsteinerwald.at Ur-Kultur-Wanderungen mit Heidi Zöchinger: T 0644/280 21 34; heidi.naturbegegnung@gmx.at
Burgruine Aggstein: Prototyp einer großen Raubritterburg; in den letzten Jahren interessant wiederbelebt; Maeren-Führungen mit Märchenerzählerin Dena Seidl.
Maria L aach: andere Donauseite hinterm Jauerling; Pfarrkirche mit Sechsfinger Madonna. Kraftweg in elf Stationen, Führungen mit Eduard Binder.
Info: Donau NÖ, T 02713/30060-60
Lektüre: Kraftorte in Niederösterreich von Robert Bouchal & Gabriele Lukacs; Pichler Verlag
Die Landkarte zu den Geschichten
Grill-Skill Sind Sie ein guter Grillmeister?
Yes we Cannes Die besten Bilder der amfAR-Gala
Life Ball Vorhang auf für die Sozzani-Show
Donna, Gloria, Boney Was wurde aus dem Disco Fever?