Balis versteckte Ecken bei bestem Licht

Gery Nutz, in Niederösterreich geboren, lebt seit 30 Jahren auf Bali und kennt die Insel mittlerweile wie seine Westentasche. Touristen führt er in VW-Kübelwagen zu versteckten Ecken auf der Insel – wo man keine Touristen trifft – und zwar immer bei den besten Lichtverhältnissen zum Fotografieren.

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(c) Imago/BE&W

Acht Uhr morgens. Genau die richtige Zeit für den Taman-Ayun-Tempel in Mengwi auf Bali. Gery, gebürtiger Niederösterreicher, lebt seit dreißig Jahren auf Bali, zeigt uns seine liebsten Plätze und weiß genau, wann man Tempel am besten besichtigt. Das Gotteshaus liegt in einem idyllischen Garten, die Zikaden zirpen laut. Die weitäufige Anlage liegt etwa fünfzehn Kilometer von Denpasar entfernt und gehört zu den schönsten Balis. „Er zeigt den hinduistischen Kosmos“, erklärt Gery, „der kleine Wassergraben symbolisiert die Bergseen.“ Wir wandeln unter betörend duftenden Frangipanibäumen, die auf Bali das ganze Jahr über blühen.

Der Taman-Ayun-Tempel ist der zweitgrößte Balis, der Name bedeutet Tempel des schwimmenden Gartens. Er gehört seit 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe. Igusti Agung Putu, der erste Fürst von Mengwi, ließ ihn über vier Ebenen auf einer Flussinsel erbauen. Eine Brücke führt über den Wassergraben voller Lotusblumen zur ersten Ebene, wo an Feiertagen Zeremonien und Hahnenkämpfe stattfinden. Wir gehen an den äußeren Tempelmauern entlang, das Innere darf man nicht betreten. Durch ein Tor erreicht man die zweite Ebene mit Schreinen und einem Brunnen. Auf der dritten Ebene befinden sich eine reich verzierte, überdachte Plattform und ein erhöhter Pavillon, die Außenstelle des Tempels, um Opfergaben bei einer Tempelzeremonie darzubringen. Das Haupttor zur letzten Ebene wird nur an wichtigen Feiertagen geöffnet, der Eintritt ist Hindus vorbehalten.

 

Gute Zeit, kaum Touristen

Malerisch ragen die verschiedenen kleinen Schreine mit den mit Alang-Alang-Gras gedeckten Dächern in den blauen Himmel – Gery hat die beste Zeit für den Tempelbesuch gewählt: Es gibt um diese Zeit kaum andere Touristen.

Weiter geht die Tour in VW-Kübelwagen zu einem kleinen lokalen Markt in Blahkiuh, nicht weit von Mengwi entfernt. Hier kann man unter einem alten Banyan-Baum Gelbwurz, Chili, Tomaten, Chajote oder Tempeh, das indonesische Sojabohnengericht, kaufen. Ein Highlight auf Gerys Tour ist das Mittagessen, das wir nun an einem Platz im Freien verspeisen dürfen. Seine Frau, eine Balinesin, hat es zubereitet. Serviert wird es auf balinesischem Geschirr in Körbchen aus Bananenblättern. Es gibt für jeden ein Körbchen Reis, Nudeln, Thunfischsticks, Tempeh, gegartes Gemüse und je nach Wahl ein im Bananenblatt geschmortes Fisch- oder Fleischgericht. In einer Minibananenblattschüssel ist auch eine Portion Chilisauce.

Nach dem Essen geht es in den Regenwald. Wir fahren vorbei an Papayaplantagen und parken schließlich auf einer Hochebene. Von hier geht es ein Stück den Berg Puncat Manggu hinauf. Zehn verschiedene Bananensorten gibt es auf Bali, erzählt Gery, und achthundert Fikus-Arten. Oben auf dem Berg finden in einem Tempel Zeremonien statt. Rechts und links des Weges stehen riesige Farne, wir kommen am „schiefen Baum von Bali“, einem großen Baum in Schieflage, vorbei. „Der Fikus Benghalensis hat Luftwurzeln“, sagt Geri und deutet auf lange Fasern, die von dem Feigenbaum herunterhängen. Nun will uns Gery noch ein typisches kleines balinesisches Dorf zeigen: Tiengan. Der Beute-Balinese wird überall freundschaftlich begrüßt. Vor dem Haupttempel des Dorfes sitzen Frauen und basteln Opfergaben aus Blumen, die sie in Körbchen arrangieren. Um die Ecke flicht ein alter Mann Korbgefäße, Gery kauft ihm einen Korb ab. Der letzte Punkt auf der Tour „Das versteckte Bali“ ist der Affenwald von Sangeh. Mitten in einem dichten, märchenhaften Wald liegt nördlich des Dorfs Sangeh der Affenwald, Pura Bukit Sari, ein moosbewachsener Tempel aus dem 17. Jahrhundert. Er diente einst als Meditationsort in Vollmondnächten. Hier leben dreihundert Langschwanzmakaken, die frech werden können. Doch heute hocken sie in den schlanken Pala-Bäumen, die bis zu 60 Meter hoch werden. Die Stimmung im Wald wirkt wie in einer Kathedrale. Das Licht ist hier schon etwas gedimmt. „Meine Touren sind auch nach dem Licht ausgetüftelt“, sagt Gery, und es stimmt. An all den versteckten Orten, an die er uns geführt hat, war das Licht zum Fotografieren optimal. Und Touristen sahen wir auch keine.

DEN HINDUISTISCHEN KOSMOS IM TEMPEL BESTAUNEN

Eintritt Taman-Ayun-Tempel
15.000 Rupien = knapp ein Euro.
Eintritt Affenwald von Sangeh:
25.000 Rupien = 1,65 Euro

Die Touren von Gery Nutz, der über eine Flotte von 18 VW-Kübelwagen verfügt, sind unter balivwtour.com ab 55 Euro pro Person pro Tag buchbar, er vermietet auch eine Villa und arrangiert Hochzeiten mit katholischem und evangelischem Pfarrer.


Schlafen
The Mulia, großzügiges Hotel im Süden in Nusa Dua, das sich vor allem für Ausflüge im Süden eignet. Das Haus hat ein vorzügliches japanisches und chinesisches Restaurant. Im Garten finden am Meer samstags, montags und mittwochs abends um 18 Uhr Yogastunden mit Lehrerin Retni statt, morgens an den gleichen Tagen ist Yoga im hinteren Teil des Gartens. Spabehandlungen sind im The Mulia besonders schön – direkt im Spa gibt es einen traumhaften großen Swimmingpool mit tropischen Pflanzen. themulia.com;

Flug
Ein Tour-retour-Flug ab Wien über Frankfurt und Singapur nach Bali mit Singapore Airlines kostet ab 1129 Euro inklusive aller Steuern und Gebühren. Die Airline fliegt dreimal täglich ab/bis Deutschland nach Singapur. Weitere Informationen unter singaporeair.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2016)

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