Feine blaue Streifen am Horizont

Trotz aller Probleme: Destinationen wie Ägypten, die Türkei und die USA zeigten sich auf der ITB für die Reisesaison leise (zweck-)optimistisch.

Ein Straßencafe in Istanbul
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Ein Straßencafe in Istanbul
Ein Straßencafe in Istanbul – Reuters

Safety first! Deutlich ist das Sicherheitsbewusstsein der Urlauber in den vergangenen Jahren gestiegen. Planung und Auswahl des Reiseziels im Hinblick auf Sicherheit haben laut einer Studie von Travelzoo im Auftrag der ITB, der weltgrößten Reisemesse, bei 95 Prozent der Befragten große Bedeutung. Drei populäre Urlaubsländer kämpfen um ihr Ansehen. Vor allem Ägypten, die Türkei und die USA werden aus politischen Gründen hinterfragt. Das war eines der zahlreichen Themen bei der ITB in Berlin vergangene Woche, als 10.000 Aussteller aus 184 Ländern und Regionen um die Gunst des Urlaubers eiferten.

Zweckoptimismus der Türkei

Herrliche Strände, türkisblaues Wasser, sehenswerte Altertümer zuhauf – lang galt die Türkei als ideales Urlaubsziel, um preiswert einen Badeurlaub zu verbringen. Immerhin teilte sich die Türkei laut Reiseanalyse der Stiftung der Zukunftsfragen 2016 bei den Deutschen Platz drei mit Österreich. Trotzdem – zehn Millionen weniger ausländische Gäste musste das Land verzeichnen. 129 Aussteller in einer eigenen Halle auf der ITB 2017 versprühten Zweckoptimismus. Der türkische Tourismusminister, Nabi Avci, lobte zur Wiederbelebung sogar einen Treibstoffkostenzuschuss an ausgewählten Flughäfen aus, der für einen Mittelstreckenjet 6000 US-Dollar beträgt. „Antalya ist genauso sicher wie Deutschland“, sagte Oberbürgermeister Menderes Türel kürzlich vor Journalisten in Hamburg. Am Stand von Sanliurfa in Südostanatolien, das mit dem ältesten Tempel der Welt in der Ausgrabungsstätte Göpekli Tepe Besucher in den türkischen Teil von Mesopotamien zu lotsen versucht, übt sich Suphi Ozer in Überzeugungsarbeit: „Politik und Tourismus sollten wir trennen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Sind Ägyptens Airports sicher?

Flaute herrscht auch im Land der Pyramiden. Besonders am Roten Meer und im Sinai will man das verlorene Vertrauen durch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen wie modernste Hightech an Flughäfen zurückerobern. In die Airports von Sharm el Sheikh, Hurghada und Kairo wurden Millionen investiert. Adel El Masry, Präsident des ägyptischen Tourismusverbands: „Seit vergangenem Jahr ist kein Tourist zu Schaden gekommen. Westliche Experten haben anonym die Airports gecheckt und befanden sie für sehr sicher, besonders, weil dort wirklich jede Kleinigkeit im Gepäck gecheckt wird.“ Auch Ex-Tourismusminister Hisham Zaazou zeigt sich optimistisch: „Ägypten feiert ein Comeback!“ Eher kontraproduktiv wirkt sich da allerdings die erhöhte Einreisegebühr ab 1. Juli 2017 von 25 auf 60 Dollar aus. Kein besonders günstiger Zeitpunkt, um die Destination Ägypten zaudernden Besuchern wieder schmackhaft zu machen.

Trump-Effekt, starker Dollar

In den USA will man den Trump-Effekt noch nicht gespürt haben. Zumindest Tilo Krause Dünow, Geschäftsführer von Canusa, Spezialveranstalter für USA- und Kanadareisen, nicht: „Im Jänner/Februar 2017 konnten wir sogar einstellige Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Es kehren Kunden von ihrer Reise zurück, die sagen, sobald sie in den USA sind, spielt Trump für sie keine Rolle mehr. Denn das Land und seine Willkommenskultur haben sich nicht verändert.“ Manche Umfragen sprechen jedoch eine andere Sprache. Mehr als 40 Prozent wollen demzufolge nicht mehr in die USA reisen. Ob es an Präsident Trump liegt oder am starken Dollar, sei dahingestellt.

AUSGEFALLENES BEI DER ITB: MIT DEM DROHNENTAXI INS HOTEL ZUR HÄSSLICHSTEN AUSSICHT

Superlative über Superlative: Den luxuriösesten Sitz in der Business Class bieten Qatar Airways – er lässt sich in ein Doppelbett verwandeln, inklusive Bitte-nicht-stören-Funktion. Als einzige Destination, in der man in kürzester Zeit das Handwerk eines Cowboys erlernen kann, bezeichnet sich Arizona. Die exklusivsten Züge der Welt werden ab Mai in Japan eingesetzt. Die niedrigsten Behandlungskosten sollen Patienten zu Ärzten und Krankenhäusern in Indien locken. Sri Lanka erklärt sich selbst zur umweltfreundlichsten Feriendestination. Und in Dubai wird bald das erste Drohnentaxi weltweit eingesetzt. Sogar mit einem Negativsuperlativ schmückt man sich in Bethlehem. Der berühmte Street-Art-Künstler Banksy öffnet dort das „Hotel mit der hässlichsten Aussicht der Welt“. Der Grund: Man schaut direkt auf die israelische Sperranlage, eine acht Meter hohe Mauer.

Alles schon ausprobiert? Dann wäre Tango tanzen in Buenos Aires doch eine Alternative. „Zwar werden es Europäer nie so geschmeidig hinkriegen wie die Argentinier, aber nach zwei Wochen brauchen sie sich nicht mehr zu bla- mieren“, verspricht Veranstalter Tangol. Wer schnellen Erfolg vorzieht, wird wo- möglich in Bahrain am Persischen Golf beim Perlentauchen fündig. Schon in den 1930ern hat Jacques Cartier wegen der feinen Qualität Perlen in Bahrain eingekauft. Heute können Touristen auf Dhaus mit Fischern zum Tauchen fahren.

Stop and go: Biker sollten auf der Route 66 den Fuß vom Eisen nehmen. Denn entlang der 3945 km langen Strecke leben 27 indigene Stämme, die sich über Besuch freuen. Ihr Dachverband Aianta hat Infos zu 19 davon zusammengestellt. www.americanindiansandroute66.com

Schön im Nichts. Mitten zwischen all den superaufregenden Aktivitäten und megaattraktiven Touren hat der Naturpark Sölktäler in der Steiermark den Mut, ganz selbstbewusst von sich zu behaupten: „Bei uns gibt es nichts.“ Doch auch das Nichts kann sicher sehr erholsam sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

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