Madeira: Das Pausenbankerl steht unterm Lorbeer

Bei Wanderungen über Vulkangestein, entlang der Levadas und durch uralte Lorbeerwälder kann es gelingen, der Natur und dabei sich selbst ein Stück näherzukommen.

Grün, grün, grün: vom Wasserlauf der Levadas bis in den Lorbeerwald von Funduras bis zum Rastplatz in der überreichen Botanik.
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Grün, grün, grün: vom Wasserlauf der Levadas bis in den Lorbeerwald von Funduras bis zum Rastplatz in der überreichen Botanik.
Grün, grün, grün: vom Wasserlauf der Levadas bis in den Lorbeerwald von Funduras bis zum Rastplatz in der überreichen Botanik. – (c) Tim Ertl/www.weltweitwandern.com

Wie ist denn das Wetter bei euch?“, fragt Christa Dornfeld am Handy und gibt dem Fahrer des Kleinbusses ein Zeichen, die Richtung zu ändern. Seit mehr als 20 Jahren lebt die geübte Wanderführerin und Yogalehrerin aus Österreich auf Madeira und begleitet ihre Wandergruppen in ganz speziellen Routen und mit viel Insider-Know-how über die portugiesische Insel. Aus Erfahrung weiß sie: Auch wenn es in den Bergen im Norden einmal regnen sollte, die Chancen auf Sonne stehen auf der Halbinsel Saõ Lourenço – ganz im Osten – stets gut.

Nach dem ehemaligen Walfängerdorf Caniçal endet die Straße an der zerklüfteten Baia da Abra. „Ihr könnt die Regenjacken im Rucksack lassen“, empfiehlt Christa und freut sich. Tatsächlich, auf dem Parkplatz angekommen strahlt der Himmel – azurblau. Die Wanderhosen werden sogleich unter dem Knie abgezippt, bleiche Waden kommen zum Vorschein, egal, der Blick ist ohnehin abgelenkt: Wie riesige Tierrücken ragen die Inselausläufer in lang gezogenen Kuppen aus dem Atlantik, karg, an einigen Stellen von zartem grünen Flaum überzogen.

 

Calla, untertassengroß

Der Pfad durch das Naturreservat in Richtung Ponta do Furado führt über uraltes Gestein, über rötlichen Tuff, grauen Basalt und Trachyt, entstanden durch Vulkanausbrüche. Ein kurzer Abstecher zu einer kleinen Aussichtsstelle zahlt sich aus: Zwei spitze Felsen, schwarzrot und haushoch, ragen aus dem Meer. Auf der anderen Seite zeigen sich elefantenkopfartige Felsformationen und die vorgelagerten Inseln Ilhéu de Agostinho und Ilhéu do Farol. „Beim Gehen auf das Ausatmen nicht vergessen“, erinnert Christa die zwölfköpfige Gruppe angesichts des optischen Naturschauspiels.

Wie anders die Landschaft auf der Atlantikinsel bereits wenige Kilometer entfernt sein kann, zeigt die nächste Tour: Ausgangspunkt ist ein Bananenhain neben einer Garage oberhalb der kleinen Siedlung Maroços mit den typischen Terrassenfeldern. Der Wanderweg führt entlang einer kleinen Levada – eines für Madeira typischen Bewässerungskanals. Eine Calla, weiß und groß wie eine Untertasse, ragt in den Weg herein. „Schaut, da ist eine Cherimoya, und da drüben eine Guave. Die kann man essen“, erklärt Christa die reiche Inselbotanik im Vorbeigehen. „Und das wiederum ist ein krausblättriger Klebsamen“. Sie grüßt den alten Levadeiro, der vor seinem weiß getünchten Häuschen mit Hanglage sitzt und für die Pflege des Wasserkanals und die Zuteilung der Wasserration an die anderen Bauern zuständig ist. Bereits sein Vater war Levadeiro.

 

Es riecht nach Kartoffelgulasch

Ab diesem Punkt geht es steiler aufwärts. Man spürt die Feuchtigkeit der Luft. „Beim Pflücken immer an die Spuckhöhe denken“, empfiehlt Christa. Das sei hier eben ein Einheimischenbrauch, erklärt sie schmunzelnd und deutet auf die Bäume, deren dunkelgrüne, feste Blätter selbst totale Flora-Ignoranten an die wichtigste Zutat für das Kartoffelgulasch daheim erinnern: Der Lorbeerwald von Funduras auf der Südseite der Insel zählt zum europäischen Natura-2000-Schutzgebiet, ist er doch für das ökologische Gleichgewicht enorm wichtig und stellt Lebensraum für viele endemische Pflanzen- und Tierarten dar.

„Das ist ja wie im Urwald“, flüstert ein Mitwanderer. Neben ihm ragt ein Farn meterhoch zwischen den Bäumen auf, durch seine sich entringelnden Blätter blitzen warme Sonnenstrahlen. Es dampft feucht. Oben schließlich, auf dem Aussichtsplatz von Larano, wird man mit einem Blick über dicht bewaldete Weiten in Richtung Pico do Arieiro, des höchsten Bergs der Insel, belohnt. Aber Achtung: „Das Pausenbankerl steht unter einem Stinklorbeer“, sagt Christa lachend.

INSELWANDERN

Insel: Madeira gehört nebst Kanaren, Azoren und Kapverden zu Makaronesien, was „glückliche, gesegnete“ Inseln bedeutet. Der Name ist Programm: Hier herrscht das ganze Jahr über mildes Klima, die Flora ist üppig, die Landschaft vielfältig.

Anreise: Mit Austrian Airlines Wien–Funchal direkt.

Wanderreisen von Weltweitwandern: „Madeira mit Christa“ oder „Yoga, wandern, meditieren mit Christa“, Termine: www.weltweitwandern.at/europa/portugal/, T: 0316/583504-0

Wohnen: Galoresort in Canico, dazu gehören die Hotels Galosol, Galomar und Alpino Atlantico: persönlich geführt, schöne Zimmer, grüne Anlage, Pools, direkt am Atlantik, Tauchzentrum. Restaurants mit sehr guter Küche. www.galoresort.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2017)

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