Slowenien: Heilwasser statt Erdöl

Schwarzes Wasser sprudelt in Moravske Toplice, in Prekmurje wachsen Millionen an exotischen Blüten, am Bleder See plätschern die Paddel, und bei einer Fahrt quer durchs Land darf man sich eine beachtliche kulinarische Performance erwarten.

Herumschippern in Bled.
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Herumschippern in Bled.
Herumschippern in Bled. – (c) Jost Gantar

Auf den ersten Blick sieht das trübe, nahezu schwarze Wasser im privaten Whirlpool des Hotels Livada Prestige in Moravske Toplice eher nach einem Wasserrohrbruch als nach Wellnessfreuden aus. Wie verdünntes Moor mit einer Prise Erdöl sprudelt der heilsame Quell aus den glänzenden Armaturen in die Wanne. Zum Glück muss man die dampfende Suppe nicht auslöffeln, sondern nur darin eintauchen. Obwohl – mit dem Gehalt an Kalzium, Magnesium, Eisen, Natrium, Kalium, Chlorid und Fluorid könnte dieses Thermomineralwasser durchaus als Nahrungsergänzungsmittelgetränk Karriere machen. Aber egal – wem seine Gesundheit am Herzen beziehungsweise den maroden Gelenken liegt, muss halt manchmal Opfer bringen. Da ist der Sprung ins Trübe bestimmt noch das Angenehmste. Und ist man erst einmal in die herrlich warmen Fluten getaucht, verliert der schwärzliche Jungbrunnen auch sehr schnell seinen Anschein. Vor etwa 50 Jahren durch Zufall entdeckt – eigentlich wollten die Bohrmeister ja auf Erdöl stoßen –, hat sich dieses unterirdische Reservoir mittlerweile bei Hautkrankheiten ebenso bewährt wie bei Arthrosen, rheumatischen Erkrankungen oder Schmerzzuständen. Mit 72 Grad strömt das Wasser aus einer Tiefe von bis zu 1500 Metern, wird auf Wannen- beziehungsweise Pooltemperatur heruntergekühlt und mittlerweile sogar in einer Kosmetiklinie (Thermalium) vertrieben.

Vom Smoothie zum Sterz

Nach einigen Tagen stellen sich tatsächlich erste, spürbare Veränderungen der subjektiven Befindlichkeit ein. Die Knochen knirschen ein wenig weniger beim Spaziergang über die idyllischen Wiesen des Prekmurje, das frühjahrsmüde Trägheitselement weicht ersten Anflügen eines gemäßigten Bewegungsdrangs, und die zwei nervigen Wimmerln haben einer strahlenden Haut Platz gemacht. Was vermutlich an der Menge wirkungsvoller Substanzen rundum liegt. Jederzeit werden einem im Hotel Smoothies mit Purpursonnenhut, wilder Kamille oder Mohn aus den Auen der Region gereicht, das müde Haupt wird auf Buchweizen gebettet, und wer will, kann sich auch noch im Peloidschlamm wälzen. Nach einer derart vitalisierenden Full Immersion sieht eigentlich nur noch der Badeanzug ein wenig kränklich aus. Die Insider der Therme 3000 (mit immerhin an die 30 Innen- und Außenbecken) sind jedenfalls leicht an ihrer schwarzen Badekleidung zu erkennen. Die Newcomer outen sich durch gräulich-weiße Textilien und baden in Ermangelung dunkler Gewänder dann doch lieber im zimmereigenen Whirlpool.
Herausputzen kann man sich abends immer noch, wenn heimische Tafelfreuden auf den Tisch kommen. Neben den traditionellen Klassikern der bodenständigen Küche wie Bjuta repa (Weiße Rüben mit Fleisch) oder den opulenten Dödol s smetana in čebulo (Kartoffelsterz mit Schlag und Zwiebeln) geben auch die Rehfilets im Kürbiskernmantel oder das Mousse der Rindszunge beste kulinarische Figur ab.

Zwei Millionen Orchideen

Eigentlich würde man Dubrovnik angesichts seiner exotischen Blütenpracht eher in südamerikanischen Gefilden vermuten, oder zumindest auf exklusiven Alterswohnsitzen im Süden, doch weit gefehlt. Dieser kleine, verschlafene Ort befindet sich mitten in dem Prekmurje, im Dreiländerpark Raab-Goričko-Örseg, umgeben von Weinstöcken, Wiesen und landläufiger Stille.
Dennoch hat Dubrovnik etwas, was in ganz Mitteleuropa seinesgleichen sucht, nämlich zwei Millionen Orchideen. Mitten im unauffälligen Industriezentrum verborgen, haben Tomaž Jevšnik und Roman Ferenčak auf einem fast vier Hektar großen Areal ihr Herzblut in Blumenstängel gesetzt. Die Idee zu diesem im doppelten Sinn blühenden Unternehmen kam den beiden bereits in ihrer Studienzeit. Mittlerweile zählt Ocean Orchid zu den Marktführern der Orchideenbranche. Ein ganzes Jahr dauert es, bis auf einem dieser unauffälligen grünen Stiele die prächtige Blüte erscheint – und das nur, wenn sie zuvor in einen temperaturbedingten Schockzustand verfällt.

Kaskaden an Blüten

Das mit dem Wechselbad der Wärmegrade haben die beiden Unternehmer offensichtlich gut im Griff, denn auf dem 1500 Quadratmeter großen Betriebs- und Ausstellungsareal grünt und blüht es bis in den hintersten Winkel. Besonders imposant präsentiert sich die „Schönheitskönigin“ Ocean Cascada. Sie ist einem japanischen Wasserfall, was im Feng-Shui für positive Energien steht, nachempfunden.
Energetisch aufladen kann man sich hier rund ums Jahr, denn direkt neben der gigantischen Orchideenkinderstube befindet sich ein exotischer Garten mit über 900 unterschiedlichen Pflanzen. Kakaobäume und Bananenpalmen, giftige Nachtschattengewächse und Kaskaden an hängender Blütenpracht erinnern beinahe ein wenig an das Dschungelbuch. Fehlen nur noch Mogli und die Schlange Kaa.

Drei Wünsche

Alle waren sie schon in Bled: der habsburgische Hochadel, Fidel Castro und Willy Brandt, Pablo Neruda und Heinrich Harrer, Heerscharen an Filmstars beziehungsweise -sternchen und in letzter Zeit viele Mountainbiker, Glamping-Fans und Wellnessfreunde. Im Hintergrund die Karawanken, im Vordergrund eine idyllische Insel, hoch über der Uferpromenade die imposante Burg und eine angenehme klimatische Hochstimmung machen den immer noch vorhandenen Reiz dieses altehrwürdigen Feriendomizils aus. Wobei die Marieninsel im Bleder See dem Ortsverband durchaus die architektonische Schau stiehlt.
99 Stufen und ein romantischer Wasserweg trennen das Festland von diesem einstigen Kultplatz Živas, der slawischen Göttin der Liebe. Heute wird anstelle der slowenischen Venus zwar die himmlische Maria verehrt, aber das tut der romantischen Atmosphäre ringsum keinen Abbruch. Zudem Liebe, Leidenschaft und religiöse Gefühle in der barocken Kirche durchaus zusammen an einem Strang ziehen: Denn wer drei Mal das Seil der Wunschglocke von 1534 betätigt, beschwört ewige Treue herauf – ob Gott, sich selbst oder seinem Nächsten gegenüber, bleibt allerdings dahingestellt. Einfachere Wünschen werden angeblich bereits durch einmaliges eigenhändiges Gebimmel an höhere Instanzen geleitet.
Profaner, wenngleich nicht wirklich „bodenständiger“ geht es da schon in der Konditorei Poticnica direkt vor der Kirche zu. Hier wird der traditionelle Kuchen nicht nur in allen erdenklichen Arten – von sauer über salzig bis süß – serviert, wer will, kann auch selbst Hand an den Germteig legen. Unter göttlicher Aufsicht sozusagen.

Übers Wasser wandeln

Stille liegt über dem See und dem lauschigen Kirchplatz. Kein Verkehrslärm weit und breit. Erst vor Kurzem wurde erneut ein totales Verbot für Motorboote erwirkt, nur lautlose Stand-up-Paddler dürfen hier ihre Runden drehen. Und natürlich die majestätischen Pletnas, die für Bled typischen Flachboote mit ihren bunten Leinendächern.
Seit einem Erlass Maria Theresias dürfen nur bestimmte, dereinst ungemein arme Familien mit einem dieser Holzboote ihr tägliches Brot verdienen. Dieses Recht wird von Generation zu Generation weitergegeben, derzeit haben exakt 23 sogenannte Pletnars beziehungsweise Gondolieri das Ruder fest in der Hand. Wobei ein Blick auf die zerfurchten, knochigen Hände der Bootsbetreiber genügt, um zu wissen, dass dieser Job wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Vielleicht wurde die legendäre Bleder Cremeschnitte ja auch nur deshalb erfunden, um den Pletnars den harten Alltag zu versüßen. Seit der Erfindung dieser hochkalorischen Versuchung im Jahr 1953 durch Ištvan Lukačevič, dem Konditor des Hotels Park, haben sich bereits zwölf Millionen Schnitten vorübergehend an den Hüften genusssüchtiger Naschkatzen angelegt. Doch keine Sorge, wer danach erneut die 99 Stufen zur Kirche Mariä Himmelfahrt, den Burgberg oder die Vintgar-Klamm erklimmt, hat keine figürlichen Kollateralschäden zu befürchten.

Slowenien-Info

Essen, wellnessen, schlafen: Therme 3000 Sava Hotels & Resort Hotel Livada Prestige (5*), in Moravske Toplice, www.sava-hotels-resorts.com

Restaurant Rajh Soboška in Murska Sobota
Grand Hotel Toplice (5*) mit Restaurant in Bled, exzellenter Küche und Möglichkeit zu Kochkursen mit dem Küchenchef
Glamping – Ökocampinghäuschen Sava Hotels & Resorts, T: +386/(0)4/575 20 00, info@hotelibled.com

Restaurant und Café Park in Bled: Tipp: Original Bleder Cremeschnitte (kremšnite) kosten.
Vila Preseren in Bled. Tipp: Cremeschnitte mit Erdbeeren kosten.
Potičnica Bled auf Blejski otok (Insel): auf Wunsch Potica-Backkurse, poticnica@blejskiotok.si

Im Souvenirshop bodenständige Kulinarik und Gläser von Rogaska Ocean Orchid, Tropengarten Dubrovnik.
P & F Wineries Jerusalem Winzerhaus in Ivanjkovci, www.pfwineries.com

Info: www.slovenia.info

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