Zäh und schnell: Ski aus der Edelschmiede

Ski, in denen ein Kern aus Granit, Wollfasern, Wolfram, Zedernholz sowie ein Nano-Highspeed–Rennbelag verarbeitet sind, kommen aus dem Klosterort Disentis im Schweizer Kanton Graubünden.

In über 70 Schritten werden die noblen Schweizer Ski zusammengebaut.
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In über 70 Schritten werden die noblen Schweizer Ski zusammengebaut.
In über 70 Schritten werden die noblen Schweizer Ski zusammengebaut. – (c) Zai

Das 2000-Seelen-Dorf Disentis duckt sich in das Rheintal im Bündner Oberland. Die Quelle des später mächtigen europäischen Stromes am Tomasee liegt nur knapp 20 Kilometer weiter im Westen. Regelmäßig rufen die Glocken des alten Benediktinerklosters die Mönche zum Gebet – wie schon seit bald 1400 Jahren. Ein Ort, den man nicht spontan mit technischen Neuheiten und Wandel in Verbindung bringt.

Den Menschen aus Graubünden sagt man nach, dass sie so solide und unverrückbar seien wie Granit, aus dem viele Berge hier bestehen. Simon Jacomet, der Gründer der Skimanufaktur Zai, stammt aus diesen Bergen. „Vielleicht ist es tatsächlich so“, sagt Jacomet, „dass die Umwelt die Menschen in ihrem Charakter beeinflusst.“ Er selbst fährt Ski seit seiner Kindheit, hat Kunst in Florenz studiert, als Skilehrer und als technischer Coach des Schweizer Skinationalteams gearbeitet, später dann als Produktentwickler für einige der weltgrößten Skihersteller. Doch irgendwann wurde er unzufrieden mit den vielen Kompromissen, die er bei der Serienproduktion von Skiern einzugehen hatte. Der Wunsch wuchs, mit seinen Erfahrungen selbst einen Betrieb auf die Beine zu stellen und einen Ski zu fertigen, der den technischen Möglichkeiten der Zeit entsprach, eben den besten Ski der Welt.

 

Zäh und standhaft

Das rätoromanische „zai“ bedeutet so viel wie zäh, standhaft. Das könnte für die Bewohner der Berge stehen, ist aber ebenso der passende Markenname der kleinen, 2003 gegründeten Skimanufaktur, die in einem schlichten modernen Bau gleich unterhalb der Bahngeleise und des Disenter Bahnhofs des berühmten Glacier-Expresses zu Hause ist. Darin arbeiten in einem größeren Raum, der wie eine Mischung aus Produktionshalle und Designstudio daherkommt, sieben Handwerker unterschiedlicher Fachrichtungen und Skienthusiasten. Alle stammen aus Graubünden, aus Disentis oder der näheren Umgebung, fünf weitere Mitarbeiter sind im Marketing und Vertrieb aktiv.

Produktionsleiter Marc Demont erklärt den Fertigungsprozess netterweise auf Hochdeutsch. Ski werden wie ein Sandwich gefertigt, mit mehreren aufeinander gefügten und miteinander verbundenen Schichten. Wichtig sind Spurtreue, Drehfreudigkeit, Dämpfungseigenschaften und Vorspannung, der Flex. Daher kommt es ganz besonders auf die Materialen und ihre sorgfältige Verarbeitung an. Bei beiden hat Zai Wege beschritten, die in der Skiproduktion bislang oft unbekannt waren.

Der Spada beispielsweise ist schon heute eine Legende, kein Wunder, ist er doch der einzige Ski weltweit mit einem behandelten Granitkern, genauer gesagt Rofna-Porphyr-Gneis, der mit Carbonfaser ummantelt die Stabilität des Steins mit der Flexibilität des Carbons verbindet und dennoch leichter ist, als herkömmliche Aluminiumski. Die Oberfläche besteht aus einem neu entwickelten Celluloseacetat, die Oberkanten aus robustem Edelstahl, die Lauffläche aus einem Nano-Highspeed-Rennbelag.

 

Teuer, aber nachhaltig

Ein begeisternder Test am Nachmittag im Skigebiet von Disentis 3000 lässt den sofortigen Wunsch nach einem eigenen Paar aufkommen, doch das Preisschild von knapp 7000 Euro führt schnell und ernüchternd vom Traum zur Realität zurück. Fantasiesummen sind die Preise zwischen 2000 und 10.000 Euro dennoch nicht. Die Ski werden komplett mit Bindung, Bindungsplatte, Stöcken und Skitasche sowie einer fünfjährigen Garantie gegen Skibruch ausgeliefert.

Das akkurate, sieben bis neun Stunden dauernde Zusammenfügen der rund 72 Komponenten des „Sandwiches“ zu einem thermoplastischen Verbund, unterstützt von Hightech-Skipressen, die dem Ski in einer Stunde auch bei intensivem Fahren zu einer Spannung für viele Jahre verhelfen, hat neben den edlen Materialien seinen Preis. Bei „normalen“ Ski hält die Spannung etwa 50 Fahrstunden.

Insofern sind die 1000 Paar Ski von sieben Produktlinien, die pro Jahr in Disentis gefertigt werden, auch kein Luxusobjekt, wie andere mit eingearbeiteten Edelsteinen, sondern eine Investition, die sich für leidenschaftliche Skifahrer, die jeden Winter viele Stunden die Berghänge herunterdüsen, lohnen kann. Der Anschaffungspreis wird dadurch nicht geringer, reduziert sich aber durch die deutlich längere Nutzungsdauer und das ausgesprochene große Fahrvergnügen. Die gute Nachricht: Auch wer bislang nur von diesem Edelski träumen konnte, hat ab sofort die Möglichkeit, ihn auch für ein Wintersporterlebnis der besonderen Art in der Schweiz über Zai kurzfristig zu mieten.

BERG, SCHNEE, SKI

Ski: Zai AG in Disentis, www.zai.ch

Schnee: Disentis 3000, 1150–2850 m, 60 km Piste, www.disentis-sedrun.ch

Hotel/Gastro: Hotel Alpsu, gemütliches Familienhotel, legendäre Capuns (Mangoldwickel), www.hotelalpsu.ch,

La Furca, traditionelle Herberge in Ortsmitte. Schweizer Spezialitäten wie Bozochels und Wild, www.lafurca.ch,

Ustria Casa Cruna: Schweizer Küche und gute Pizza zu bezahlbaren Preisen.

T +41 81 947 52 06

Info:www.disentis-sedrun.ch, www.grau-buenden.ch, www.myswitzerland.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2017)

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