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9/11-Memorial: Auf dem virtuellen Friedhof

11.02.2012 | 18:22 |  von Thomas Vieregge (Die Presse)

Das 9/11-Memorial ist NewYorks jüngste Touristenattraktion. Betroffene und Augenzeugen erwecken in Führungen den Horror jenes sonnigen Septembermorgens.

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Gischt wühlt die Wasserfontänen auf, die sich in die beiden schwarz-grauen Marmorbecken des Denkmals ergießen. Regenschauer peitschen über den Platz, der zum Massengrab geworden ist, zum Friedhof für fast 2800 Menschen, zum globalen Mahnmal gegen Terror und Fanatismus – und zur jüngsten Touristenattraktion von New York.

Seit das 9/11-Memorial, eröffnet am zehnten Jahrestag der Anschläge auf die Zwillingstürme des World Trade Centers, der Allgemeinheit offensteht, strömen täglich um die 1500 Besucher durch die vier Kontrollschleusen. Wäre der Zutritt nicht streng limitiert, wären es gewiss zehnmal so viele. Die begehrten Gratistickets im Internet sind jedoch auf Monate ausgebucht. Nur wer gegen eine Spende von 20 Dollar eine geführte Tour mit dem „Tribute WTC Visitor Center“ – einer Non-Profit-Organisation des Opferverbandes – bucht, erhält außerplanmäßig Einlass. Und bekommt zudem eine hautnahe Schilderung von damals Betroffenen.

Neben der Inschrift des Namens von Thomas Galinti – er kam in einem der Türme um – sind eine Rose und eine hölzerne US-Miniaturfahne drapiert. Auch der Name von Terry Gazzani ist am Beckenrand jener zwei Einlassungen des Denkmals eingraviert, die die Fundamente der Türme markieren. Sein Körper hat sich in Staub und Asche aufgelöst – wie bei 40 Prozent der Opfer, von denen selbst der kleinste Knochensplitter fehlt.

Tracy Gazzani hat indes die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich noch ein Rest ihres Sohnes, ihres einzigen Kindes, findet. Zwei Mal pro Woche kommt die pensionierte Lehrerin aus Brooklyn zu Terrys virtuellem Grab, um seine und ihre Geschichte zu erzählen. Das glaubt sie ihm schuldig zu sein, als sein Vermächtnis für die Nachwelt. Und obwohl sie die Horrorszenen sicher schon hunderte Male geschildert hat, schleicht sich keine Routine ein.

Im graubraunen Schneesturm.
Terrys Pech war, dass er sich an jenem strahlenden Morgen des 11.September 2001, ein Wahltag in New York, pünktlich an seinem Arbeitsplatz der Finanzfirma Cantor Fitzgerald im 104. Stock einfand – anders als sein Boss, der seinen Sohn zum ersten Kindergartentag begleitete, oder wie andere, die sich beim Footballspiel der Denver Broncos gegen die New York Giants die halbe Nacht um die Ohren geschlagen und etwas länger geschlafen hatten.

Ein Freund Terrys, der am gegenüberliegenden Ufer des Hudson in New Jersey arbeitete und den Rauch aufsteigen sah, habe noch kurz vor dem Einsturz mit ihm telefoniert, sagt Tracy. „Sie wollen, dass wir oben bleiben“, berichtete ihm der 24-jährige Finanzmakler. „Sag Mom und Dad, dass ich auf dem Weg nach Hause bin und dass ich sie liebe.“ Die Exlehrerin beißt sich auf die Lippen, sie stockt.

Erst als Tracy Gazzani um drei Uhr nachmittags von der Schule heimkehrte, den Fernseher aufdrehte und Menschen aus den Twin Towers springen sah, erfuhr sie vom Ausmaß der Katastrophe. Anfangs machte sie sich noch Mut: „Alles wird gut.“ Zusammen mit Verwandten und Freunden klebte sie Fotos und Suchposter auf Wände und Zäune. Doch im Lauf der Woche wurde Terrys Tod allmählich zur schrecklichen Gewissheit. „Ich bin noch einige Monate in Therapie gegangen, um darüber hinwegzukommen.“

Für Bob Nussberger, einen Ex-Feuerwehrmann aus Queens, ist die Therapie längst nicht abgeschlossen. Er ist ein gebrochener Mann. „Das wird nie vorübergehen. Es ist ein Heilungsprozess, der bis an mein Lebensende währen wird. Die Führungen, die ich hier mache, sind ein Teil davon.“

Bob schlief noch an jenem Dienstagmorgen, er hatte einen freien Tag. Als er mit seiner Einheit schließlich am WTC eintraf, implodierte gerade der zweite Turm. Er versuchte sich in Sicherheit zu bringen, die Wucht des Kollapses schleuderte ihn in eine Auslage. „Es war totenstill. Wie nach einem Schneesturm, nur in Graubraun “, erinnert er sich. „Blut rann über das Gesicht und die Hände. Als ich den Schmerz spürte, wusste ich, dass ich am Leben war. Das Adrenalin schoss ein. ,Nichts wie raus hier‘, dachte ich. Ein Boot brachte uns rüber nach New Jersey. Meine Nase und das Schlüsselbein waren gebrochen, ich hatte mein Gehör verloren. Ein halbes Jahr, nachdem ich aus dem Spital gekommen war, erlitt ich einen Herzinfarkt. Heute macht mir mein Asthma zu schaffen.“ Halb zur Auflockerung, halb im Ernst fügt Tracy an: „Bob ist mein Held.“

Heidi und Martin van Dyke und ihre drei Söhne, holländische Touristen, sind sichtlich gepackt von den Berichten der beiden ehrenamtlichen Führer, die es als ihre Mission ansehen, das Andenken an 9/11 zu wahren. „Das ist eine sehr emotionale Erfahrung“, sagt Heidi. „An Ort und Stelle sieht man das mit ganz anderen Augen.“ Zwei Drittel der Teilnehmer sind Ausländer, schätzt Tracy. Das demonstrative Desinteresse der New Yorker verwundert sie. „Sie versuchen, der Tragödie aus dem Weg zu gehen. Sie sind nicht bereit, sich der Realität zu stellen.“

Denkmal für die ganze Welt.Carsten Haacke, Geschäftsführer einer Werft in Bremerhaven, posiert mit seinem 14-jährigen Sohn vor dem „Survival Tree“ im Zentrum des Areals, der wie durch ein Wunder die Katastrophe überstanden hat. Der Baum ist ein beliebtes Motiv, Symbol für den Überlebenswillen. Walter Barton hält hier inne. Der Reverend mit dem Rastazopf verlor hier 15 Mitglieder seiner Kirchengemeinde St. Martin in Harlem, darunter einen Nachbarn, der im Restaurant „Windows of the World“ im obersten Stock des WTC gearbeitet hatte.

„Fantastisch. Das ist ein Ort der Reflexion, der zum Leben erweckt worden ist“, sagt Connie Shaw, eine Zahnärztin aus Iowa und Mutter eines Afghanistan-Veteranen. „Ein Denkmal für die ganze Welt. Hier sind ja nicht nur Amerikaner ums Leben gekommen.“

„Tribute WTC Visitor Center“ ist eine Non-Profit-Organisation des Opferverbandes. Betroffene und Überlebende erzählen bei den Rundgängen, die rund 75 Minuten dauern, von ihren Erlebnissen am Horrortag
des 11. September 2001.

Weitere Informationen:

www.tributewtc.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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4 Kommentare
Gast: Giftspritzer
12.02.2012 11:55
2 0

Nur Leute..

..welche die offizielle Version nicht kennen glauben sie!

Der Vietnamkrieg wurde durch eine Lüge gerechtfertig (60.000 tote Amerikaner) und der Krieg gegen "den Terrorismus" wurde durch eine Lüge legitimiert!

gfys

Antworten Gast: Konservativer
12.02.2012 15:36
0 1

Re: Nur Leute..

Die Bevorzugung der offiziellen "Version" und die Ablehnung von Haschisch als Freizeitvergnügen korrelieren stark, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Antworten Antworten Gast: Giftspritzer
12.02.2012 19:28
0 0

Re: Re: Nur Leute..

Auch wenn mir Alex Jones absolut zuwider

http://www.infowars.com/911-commission-members-doubt-official-story/

Antworten Antworten Gast: Giftspritzer
12.02.2012 19:26
0 0

Re: Re: Nur Leute..

Soviel zu deiner Theorie

http://patriotsquestion911.com/

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