Wien/Lenoble. Das Geschäft geht wieder auf Reisen. Mit 3,7 Millionen Geschäftsreisen im Jahr 2011, unternommen von 1,2 Millionen Personen der österreichischen Bevölkerung, wurde erstmals nach der Krise wieder das – vergleichsweise hohe – Niveau von 2008 erreicht. Laut jüngsten Angaben von Statistik Austria fanden etwas mehr als die Hälfte der berufsbedingten Reisen im Inland statt – was Auswirkungen auf das gewählte Verkehrsmittel zeitigt. Denn mehr als die Hälfte davon fand laut Statistik Austria im Inland statt. Während bei Geschäftsreisen ins Ausland Flugzeug und Auto die beliebtesten Transportmittel sind, ist zwischen Neusiedler See und Bodensee auch der Zug eine Alternative.
So wurden 2011 immerhin 20 Prozent aller Geschäftsreisen innerhalb Österreichs mit der Bahn absolviert. Womit, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) betont, auch ein Beitrag zur Umweltentlastung geleistet werde.
„Während der Energieverbrauch der Bahn durchschnittlich neun Kilowattstunden (kWh) pro 100 Personenkilometer beträgt, verbrauchen Kurzstreckenflüge mit rund 270 kWh pro 100 Personenkilometer 30-mal so viel Energie“, rechnet VCÖ-Sprecher Christian Gratzer vor.
Züge als mobile Büros
Das Umweltargument und die seit Jahren nur noch steigenden Treibstoffpreise liefern immer mehr Argumente, um auch die Geschäftsleute auf Schiene zu bringen. Und da die heimischen Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder verstärkt auf Reisen schicken, verstärken sich die Bemühungen der Bahnmanager, ein möglichst großes Stück vom Businesskuchen zu ergattern. „Geschäftsreisende sind eine immer wichtigere Zielgruppe im ÖBB-Fernverkehr. Derzeit sind zehn Prozent unserer Fahrgäste Geschäftsreisende. Diesen Anteil wollen wir erhöhen“, sagt Birgit Wagner, Vorstandsdirektorin beim ÖBB-Personenverkehr. Dabei setze man vor allem auf den Zug als „mobiles Büro“.
Kein anderes Verkehrsmittel biete ein bequemeres Ambiente für mobiles Arbeiten als die Bahn: vor allem mehr Platz auf den Sitzen und große Bewegungsfreiheit im Zug, aber auch zahlreiche Services, um den Businessreisenden die Fahrt so angenehm und produktiv wie möglich zu gestalten – „von der kostenlosen ÖBB-Businesscard mit Zugang zu günstigen Tickets über Carsharing bis zu speziellen Businessbereichen in unseren Fernverkehrszügen“, so Wagner. Derzeit laufen bei der ÖBB mehrere Projekte, die Geschäftsreisenden die Bahn noch schmackhafter machen sollen. Im Vorjahr gingen die ÖBB-Club-Lounges mit kostenlosem WLAN in Betrieb, Ende 2012 werden schrittweise auch alle Railjets damit ausgestattet. Zudem haben die Railjets und InterCitys seit 1.April eine einheitliche Businessclass. Geschäftsreisende können damit zum Aufpreis von 15 Euro mehr Raum und speziellen Service in Anspruch nehmen. Pro Businessclass-Abteil gibt es vier verstellbare Ledersitze mit eigener Steckdose, optimiertem Mobilfunkempfang, ergonomischen Arbeitstischlösungen und Zeitungsservice. Dazu kann man sich à la carte Speisen und Getränke an den Sitzplatz servieren lassen.
„Bei Stadt-zu-Stadt-Verbindungen auf den Mittelstrecken sind wir auch für Geschäftsreisende attraktiv“, sagt Wagner. Für die Zukunft gelte es allerdings, das ÖBB-Angebot im direkten Kontakt mit Unternehmen noch besser zu vermarkten. „Wer mit der Bahn fährt, wählt eine entspannte Anreise direkt von einem Stadtzentrum ins nächste mit der Option, während der Reise zu arbeiten.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)
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