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Amanshauser Welt: 262 Senegal

06.09.2012 | 15:43 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Der junge Mann zwingt keinen zum Kauf. Doch Argumente hat er durchaus. Ein Bummel durchs Zentrum von Dakar.

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Mohamed, 29, schlank, fesch, mit wachen Augen und einem netten Lächeln, ist ein vielgereister Mann. Er kennt Mali, Mauretanien, Guinea und einige andere Länder Westafrikas. „Das sind so meine Urlaubsdestinationen“, erzählt er, „für weiter reicht es vom Finanziellen her noch nicht.“ Mohamed besitzt einen kleinen Shop für Kunsthandwerk im 1. Stock der „Fabrik-Artisanal de Sandaga“ im Zentrum von Dakar. Holzgiraffen und Afrika-Masken sind die gängigsten Verkaufsartikel, obwohl Senegal gar keine Maskenkultur hat. Aber da geht es, argumentiert er, um Angebot und Nachfrage. Man könnte es auch anders sehen – das Angebot von Leuten wie Mohamed kommt jeglicher Art von Nachfrage zuvor. „Eine solche Giraffe verkaufe ich dem Durchschnittstouristen für 25.000 CFA – aber dir würde ich sie deutlich billiger geben“, lächelt er, obwohl unsere Freundschaft ja noch ziemlich jung ist, „mein Credo ist dabei, ich zwinge niemanden zum Kauf.“ Business und Freundschaft sind zwischen Mohamed und mir sehr verschmolzen, aber trotzdem gelingt es mir, ihn vom Giraffenprojekt abzubringen. Prinzipiell habe ich nichts gegen eine schöne, große Holzgiraffe, aber unter anderem scheue ich die Schmach, auf dem heimischen Flughafen einer von denen zu sein, die ein Paket vom Kofferband nehmen, das ganz eindeutig Giraffenformen verrät.

„Wir haben es nicht leicht“, erklärt Mohamed seine Verkaufssituation, „besonders nicht, wenn ausländische Gruppen kommen. Die Leute interessieren sich für ein Produkt, aber der senegalesische Führer redet dann so lange auf sie ein, bis sie letztlich gar nichts kaufen. Das sind echte Verräter, diese Kerle.“ Was sagen sie denn zu den Touristen?, frage ich. „Was weiß ich! Vermutlich sagen sie, dass die Qualität zu niedrig oder der Preis zu hoch ist, und dass sie anderswo einen Markt kennen, wo alles originaler und besser ist. Das ist natürlich ein großer Schwindel. Auf dem anderen Markt verkauft dann der persönliche Freund dieses Guides seine Giraffen, die er vermutlich aus China bezieht und die teuer sind – und der Guide kriegt seinen Prozentanteil. Das sind die größten Schurken.“

Ich frage Mohamed, ob seine Masken echt sind. Es soll so etwas wie eine Fangfrage sein, aber keine vorbereitete, sie kommt mir über die Lippen und ich bremse sie einfach nicht. Mohamed blickt mich geradeaus an: „Was heißt schon echt! Das wollen die Weißen immer wissen, ob eine Maske echt sei. Aber das ist keine ganz klare Frage. Alle Masken sind nun einmal von Menschen produziert. Und es kommt nicht auf die Produktion an, sondern auf die Verwendung.“ Was heißt das nun? „Eine afrikanische Maske ist dann echt, wenn sie in einer kultischen Handlung verwendet wurde. Nicht, wenn sie an einem spezifischen Ort gebaut wird. Echte Masken kosten unglaubliche Summen. Aber wenn du so direkt fragst, ich hab solche natürlich nicht hier herumstehen.“


TIPP
Martin Amanshauser, Logbuch Welt, 52 Reiseziele. www.amanshauser.at

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