Amanshausers Welt: 276 Südafrika

13.12.2012 | 16:06 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Andreas, aus Frankfurt-Umgebung, zog nach Wien-Floridsdorf und arbeitete als Filmemacher im ORF.

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Seine Leidenschaft für das Radfahren bildete sich auf den Fahrten von Floridsdorf zum Küniglberg aus. „Dass man auf diesen zwei Rädern von Europa nach Kapstadt fahren kann“, erzählt er über den entscheidenden Jahreswechsel 1989/90, „war ein kurzfristiger Gedanke.“ Aus Andreas wurde so etwas wie ein Pionier. „Ich baute mir ein Trekking-Rad zusammen, 28 Zoll, es gab noch keine Mountainbikes. Aus Teilen, von denen ich glaubte, dass sie eine lange Tour durchstehen konnten.“ Am 6. 3. 1990 setzte er sein 40-Kilo-Bike in Bewegung. Seine Dollar steckten im Sattelrohr, und „ich hatte einen Walkman dabei – klingt jetzt wie aus der Ritterzeit“. Auf der Fähre nach Tunis traf er Jens, einen Landsmann mit ähnlichem Vorhaben.

Afrika. Das erste Problem: der Ramadan. Die ersten Freuden: Turban binden lernen. Und gleich das Hauptkriterium, die Sahara. „Die Wüste nimmt einem den Atem. Gegenwind, Sandstürme aus dem Nichts.“ Die Oasenfrequenz nimmt ab. Mitten in der Wüste ein Streit mit Jens, Trennung der Wege. Manchmal kommt er nur 30 km am Tag voran. Fahrrad tragen, viel Weichsand. Und irgendwann das letzte Wasser. Andreas liegt unter einem Dornbusch, hunderte Schmeißfliegen am Körper. Er weiß: „Ich würde nicht mehr weiterkommen. Ich musste akzeptieren, den Mut zu weit getrieben zu haben.“ Zwei Tage später hört er ein Motorengeräusch. Ein Lkw mit zwei Algeriern, und . . . Wasser! „Das köstlichste, das ich im Leben getrunken habe.“ Eine Gazelle auf der Ladefläche, von der Fleisch abgesäbelt wird: „Eine Delikatesse!“ Dann Sahelzone. Tuaregs. Wieder Teerstraßen. Mangobäume. Endlich der Benin. Das Hofbräuhaus in Lomé, Togo, eine Schweinshaxe.

Nigeria, das Land, vor dem alle warnen. Seine erste Malaria. In Kamerun kriegt er ganz nebenbei mit, wie Deutschland Fußballweltmeister wird. Kongo – zufälliges Wiedertreffen mit seinem Kollegen Jens. Nun wieder gemeinsam! Berggorillas. Durchquerung von Ruanda, 14 Tage vor dem Beginn des Genozids. Kenia – auf einer Straße zwischen baumgrasenden Giraffen. Der Kilimandscharo: Ein Typ wie Andreas muss ihn in drei statt in fünf Tagen besteigen: Höhenkrankheit. Am 9. 2., seinem Geburtstag, betritt er Südafrika. Endlich Kapstadt, Happy End. Und Andreas bleibt dort. 1994, bei den ersten freien Wahlen für Südafrika, ist er wahlberechtigt. „Ich habe Mandela angekreuzt.“

TIPPS
Andreas Lappeist. Radreiseveranstalter (www.africanbikers.de) und Reiseführer im Rovos Train (www.rovos.com), einem Luxuszug zwischen Dar Es Salaam und Kapstadt, Südafrika.

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