Amanshausers Welt: 278 Österreich

Amanshauser auch in Österreich.

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(c) Amanshauser

Einer, der jede Woche eine Reisegeschichte aus einem anderen Land schreibt, hört von Leserinnen und Lesern gelegentlich Fragen. Die Leute wollen zum Beispiel wissen, ob ich tatsächlich an all diesen Orten gewesen bin, über die ich schreibe. „Ja“, antworte ich, „ich war wirklich überall.“ Um bei der Wahrheit zu bleiben, füge ich hinzu: „Bisher ein einziges Mal gab es auch eine Geschichte über einen Ort, an dem ich nicht war.“ Die Forschenden zeigen fast nie Interesse, das dunkle Geheimnis aufzudecken, ganz im Gegenteil, sie fragen etwa so weiter: Hüpfen Sie also tatsächlich wöchentlich von einem Land ins nächste?
„Nein“, antworte ich, „das natürlich nicht. Ich mache so ungefähr 15 Reisen im Jahr, und das Material, das ich dabei sammle, fließt wie über eine Infusion in Amanshausers Welt. Wenn Sie also dreimal in drei Monaten von Honduras lesen und später gar nichts mehr davon, können Sie sich ausrechnen, dass ich mein Honduras-Pulver verschossen habe.“ Aha, Sie waren gerade in Honduras? „Nicht im Geringsten“, sage ich, „das war ein Beispiel aus der Zukunft.“ An dieser Stelle werde ich meist in etwas vorwurfsvollem Tonfall gefragt, ob ich denn auch nach Österreich reise und wie es mir dort gefiele?

Ja, nach Österreich reise ich ebenfalls! Jüngst war ich in Graz, einer der Metropolen in diesem exotischen Land. Der Himmel war fast wolkenlos, so entschloss ich mich zu einem Spaziergang auf den Schlossberg. Da ich auf dem Salzburger Festungsberg aufgewachsen bin (ebenso Dolomitbasis), lag mir diese Idee sehr nahe. Im Gegensatz zum Weg auf die Festung, den mir ein irrwitziger Eintrittspreis für Nichtsalzburger verleidet, den ich ebenfalls zahlen muss, weil ich meine Salzburger Identität nicht beweisen kann, kassiert der Schlossbergliftwart einen Euro pro Person.

„Ach, das heißt ja Uhrturm, nicht Urturm!“, wundert sich eine Deutsche, „verstehst du, Uhr, also Uhr, nicht Ur!“ Der Partner lächelt. Und der ganze wunderbare Stadthügel liegt beinahe gratis vor ihnen, die Rückfahrt mit der roten Standseilbahn kostet ja auch nur zwei Euro. Das Ticket gilt eine Stunde, zum Auf- und Abfahren mit Kindern. National und international kostet so was oft das Zwanzigfache. Ich kann nur sagen, ich war gerührt von dieser Imagepolitik, die die Stadt wenig kostet und unbezahlbar ist. Anschließend begab ich mich ins hübsch-groteske Murinsel-Café. Es war die beste Methode, 2013 zu beginnen. Frohes neues Jahr an Sie Fragende und Lesende!

INFO

Grazer Schlossbergbahn (Standseilbahn seit 1894) und Grazer Schlossberglift (seit 2000), Graz, Österreich.

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