Amanshausers Welt: 281 Österreich

31.01.2013 | 18:19 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Franz Klammer ist als einer der wenigen auf dem Boden geblieben.

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Als ich das erste Mal im Starthaus am Hahnenkamm stand“, erzählt Franz Klammer in der Unterwirt-Hütt’n, „hab ich mir schon – wie man so schön sagt – in die Hose geschissen. Und dann fährst du los – und siehst, es geht. Die Streif wurde meine Lieblingsstrecke. Warum ich so oft gewonnen habe? Ich war einfach schneller. Und ich kannte Stellen, an denen ich aufholen konnte, wenn ich zurücklag, auch wenn ich einmal schlechte Ski hatte.

Meiner Ansicht nach brauchst du keine übertriebene Konzentration am Start. Bei mir genügten fünf Sekunden, dann war ich konzentriert. Vorher mit den Leuten im Starthaus noch ein paar Scherze, dann das Rennen. Fast ohne Übergang. Die Strecke im Geist durchgehen – das war nie meins. Einige Stellen konnte ich gut auswendig. Aber was hilft es schon? Wenn ich zur Hausbergkante komme, und dort ist alles anders, besichtige ich das Problem dort.
Wenn du früher gestürzt bist, war kaum eine Infrastruktur da. Helfer sind gekommen und haben gesagt: Du bist verletzt, wir bringen dich wohin, alles wird gut. Gegen das heutige Skirennen waren wir ja Amateure. Ich hatte damals 82 Kilo, heute wiegen die Abfahrer über 100 Kilo. Es ist ein Kraftsport geworden.
 
Was sie heute tun, nennt man noch immer Skifahren, aber es ist nicht mehr das Gleiche. Nicht gefährlicher, nur anders gefährlich. Die Geschwindigkeit in den Kurven ist höher, die Strecken sind viel kurviger geworden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist ja keine andere als, sagen wir, 1973. Wir hatten damals weitere Sprünge – und du musstest bremsen, wenn du nicht rausfliegen wolltest. Hubertus von Hohenlohe, ein großartiger Skifahrer, war in unserer Zeit immer zehn Sekunden hinter den besten Fahrern. Dann feierte er den Fünfziger, und der Abstand war plötzlich nur noch sechs Sekunden. Früher hatte er an den gefährlichen Stellen einfach gebremst. Mit dem neuen Material kannst du dir aber mehr erlauben.

Wenn ich privat fahre, brauche ich kein Schussfahren mehr. Und ich springe auch nicht mehr, das hab ich hinter mir. Ich war ja nie ein großartiger Springer, ich konnte es so gut, wie es eben nötig war. Ich bin heute nicht sehr ehrgeizig. Ich fahre ja kaum noch Rennen. Hier und da einen Parallelslalom. Aber da geht es mehr um den Spaß, ich muss nicht unbedingt gewinnen. Na ja, stimmt nicht ganz. Wenn ich dann im Finale stehe, ist es schon so, dass ich nicht verlieren will.“

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