Ich lebe seit 22 Jahren im Ausland, Sie treffen mich heute nur zufällig hier in Teheran, ich bin auf Heimaturlaub, bei meinen kranken Eltern. Sie wollen von der Revolution hören? 1979 war wunderbar. Aber danach! Niemand hätte sich träumen lassen, dass es schlimmer kommen könnte als unter dem Schah. Zuerst dachte man, okay, fünf Jahre religiöses Regime. Aber sie kriegten die Leute auf ihre Seite mit dem Irakkrieg, und auch später half ihnen der Westen, indem er Geschäfte mit ihnen machte. Ich wollte bleiben. Doch die Umstände zwangen mich, zu gehen. Wer liberal denkt und handelt, der hat in der heutigen iranischen Gesellschaft wenig Platz.
Durch die Niruye Entezami, also die Polizei, und auch durch die Revolutionswächter herrscht ein echter Terror. Sie halten die jungen Frauen an und weisen sie zurecht, sobald das Kopftuch ihrer Ansicht nach etwas verrutscht ist. Wenn ich die Kopftuchdebatten im Westen höre, wird mir ganz übel. Teilweise hört man sogar, das Kopftuch sei ein Kulturgut. Dabei existierte es früher im städtischen Iran kaum. Frauen tragen das natürlich nicht freiwillig, sondern äußerst unwillig. Sie müssen nun – überall in der Öffentlichkeit, wo „Fremde“ sie sehen könnten. So viel zur Freiwilligkeit dieses Kulturguts.
Die Mullahs halten das korrekte Kopftuch für eine Frage „nationaler Sicherheit“, wörtlich, damit junge Männer nicht verunsichert werden. An der Wortwahl erkennt man diese Wahnsinnigen. Frauen umgehen die Modegebote, wo sie können. Trotz aller Vorschriften wird die Bekleidung enger, anliegender. Wenn die Mullahs die Rupuschs länger wollen, macht die Mode sie wieder kürzer.
In den Achtzigern, als ich auswanderte, kam es zum Krieg zwischen den ehemaligen Kampfgefährten, Tausende wurden ermordet und gefoltert. Doch vergessen Sie nicht, 29 Jahre, das ist eine Momentaufnahme. Der Iran war immer weltoffen, und die demokratischen Kräfte werden sich durchsetzen. Kaum jemand ist auf der Seite des Regimes. Naja, fünf Prozent der Menschen profitieren davon. Viele junge Leute sind darunter, vom Land. Die kennen ja nichts anderes und hören nur die Propaganda.
In Teheran verhalte ich mich wie alle, allerdings nicht ganz. Ich kann das nicht mehr. Ich zähle ohnehin zu den Regimegegnern. Doch sie können mir nichts nachweisen. Das eine oder andere Mal haben sie mich verhaftet. Aber sie mussten mich immer freilassen. Ein paar Ohrfeigen können sie mir geben, mehr schaffen sie nicht, es liegt ja nichts gegen mich vor. Das Verhaftetwerden macht mir wenig aus. Und eines Tages werden wir es denen zeigen. Wir werden es ihnen demokratisch zeigen. Viele Leute werden – nach echten und fairen Gerichtsprozessen – ins Gefängnis gehen müssen. Ihre dummen Bärte dürfen diese Brüder weiter tragen, und ihre dummen Reden dürfen sie auch halten. Schließlich herrscht in einem zivilisierten Staat Gedankenfreiheit, und Modefreiheit.

Yigg
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