22.11.2009 14:26 | Meine Presse Merkliste0

Amanshausers Welt: 75 Iran

29.02.2008 | 17:19 |  Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Kourosh lebt in Europa, obwohl er das nie vorhatte. ein Monolog in Teheran.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Ich lebe seit 22 Jahren im Ausland, Sie treffen mich heute nur zufällig hier in Teheran, ich bin auf Heimaturlaub, bei meinen kranken Eltern. Sie wollen von der Revolution hören? 1979 war wunderbar. Aber danach! Niemand hätte sich träumen lassen, dass es schlimmer kommen könnte als unter dem Schah. Zuerst dachte man, okay, fünf Jahre religiöses Regime. Aber sie kriegten die Leute auf ihre Seite mit dem Irakkrieg, und auch später half ihnen der Westen, indem er Geschäfte mit ihnen machte. Ich wollte bleiben. Doch die Umstände zwangen mich, zu gehen. Wer liberal denkt und handelt, der hat in der heutigen iranischen Gesellschaft wenig Platz.

Durch die Niruye Entezami, also die Polizei, und auch durch die Revolutionswächter herrscht ein echter Terror. Sie halten die jungen Frauen an und weisen sie zurecht, sobald das Kopftuch ihrer Ansicht nach etwas verrutscht ist. Wenn ich die Kopftuchdebatten im Westen höre, wird mir ganz übel. Teilweise hört man sogar, das Kopftuch sei ein Kulturgut. Dabei existierte es früher im städtischen Iran kaum. Frauen tragen das natürlich nicht freiwillig, sondern äußerst unwillig. Sie müssen nun – überall in der Öffentlichkeit, wo „Fremde“ sie sehen könnten. So viel zur Freiwilligkeit dieses Kulturguts.

Die Mullahs halten das korrekte Kopftuch für eine Frage „nationaler Sicherheit“, wörtlich, damit junge Männer nicht verunsichert werden. An der Wortwahl erkennt man diese Wahnsinnigen. Frauen umgehen die Modegebote, wo sie können. Trotz aller Vorschriften wird die Bekleidung enger, anliegender. Wenn die Mullahs die Rupuschs länger wollen, macht die Mode sie wieder kürzer.

In den Achtzigern, als ich auswanderte, kam es zum Krieg zwischen den ehemaligen Kampfgefährten, Tausende wurden ermordet und gefoltert. Doch vergessen Sie nicht, 29 Jahre, das ist eine Momentaufnahme. Der Iran war immer weltoffen, und die demokratischen Kräfte werden sich durchsetzen. Kaum jemand ist auf der Seite des Regimes. Naja, fünf Prozent der Menschen profitieren davon. Viele junge Leute sind darunter, vom Land. Die kennen ja nichts anderes und hören nur die Propaganda.

In Teheran verhalte ich mich wie alle, allerdings nicht ganz. Ich kann das nicht mehr. Ich zähle ohnehin zu den Regimegegnern. Doch sie können mir nichts nachweisen. Das eine oder andere Mal haben sie mich verhaftet. Aber sie mussten mich immer freilassen. Ein paar Ohrfeigen können sie mir geben, mehr schaffen sie nicht, es liegt ja nichts gegen mich vor. Das Verhaftetwerden macht mir wenig aus. Und eines Tages werden wir es denen zeigen. Wir werden es ihnen demokratisch zeigen. Viele Leute werden – nach echten und fairen Gerichtsprozessen – ins Gefängnis gehen müssen. Ihre dummen Bärte dürfen diese Brüder weiter tragen, und ihre dummen Reden dürfen sie auch halten. Schließlich herrscht in einem zivilisierten Staat Gedankenfreiheit, und Modefreiheit.

Zum Autor
Martin Amanshauser, „Logbuch Welt“, 52 Reiseziele, www.amanshauser.at, Bestell-Info: www.diepresse.com/amanshauser oder Fax 01/51414-277.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
jowmosc
29.02.2008 18:12
0 0

dumme Bärte-kluge köpfe-freie gesellschaft

und warum wollen frauen die"modegebote"umgehen herr Kourosh?nicht doch etwa um die männer zu verunsichern oder?Am liebsten würden jene ja ihre beine herzeigen dürfen,wie schön diese sind und bei einem cafe auch neckisch auf ihre schenkel deuten und dass sie gewiss zeit haben mit männern zeit zu verbringen..wenn es nach"regimegegnern"wie Ihnen ginge,dann wären wohl alle männer glatt rasiert und versklavt und gewiss ohne die freiheit ihre Reden halten zu dürfen.Der Iran befindet sich auf dem weg in eine hochkultivierte gesellschaftsform,welche gewiss nicht den sex zu verbieten als ziel hat,und menschen wie Sie Herr K. bewiesen,dass sie auswandern dürfen in andere kulturen und Länder dieser welt,wo die ziviliation nicht auf die entwicklung und freiheit des geistes spezialisiert ist,aber ebensowenig diese verbietet,nur eben auf geistige reife,information visuell sexuelles angebot zu verkraften,sich stützt,und frauen eng und freizügig sich kleiden dürfen,willkommen in ihrem paradies

Antworten Gast: Sassanischer Kavalerie
01.03.2008 19:15
0 0

Re: dumme Bärte-kluge köpfe-freie gesellschaft

gott welch dumme worte, wohl zu viel mullahpropaganda geschluckt.
oder bei unter hitze zu dicken kopftuch getragen.
solche leute wie sie, tyranisieren iraner seit fast 30 jahren.

von welch geistiger freiheit sprechen sie denn?

jene dämonische, die jugentliche öffentlich an den galgen führt und zu steinigungsplätzen.
das in einem land, das seit 10.000 auf zivilisation zurückblickt.

schmäen sie sich. aber was sag ich denn. sie werden in ihrem von koransuren behängten elfenbeinturm in schönheit sterben, ohne neapel je gesehen zu haben.

in ihrer so gennanten dämonischen geistigen freiheit, die sie sich nehmen.

Übersicht Leben »
zur Homepage »