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Amanshausers Welt: City Album/Tallinn

02.02.2012 | 14:39 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Schwangerschaftsbauch anprobieren, im Olümpia baden, Sowjet-Nostalgie.

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Ein Gesundheitstipp

Estonian Healthcare Museum (Lai 30): Hier erfuhren Generationen estnischer Schülerinnen und Schüler alles über die menschliche Anatomie. Besondere Ausstellungsstücke: ein transparentes, Blut pumpendes Herz; ein Torso, dessen Organe man über eine Knöpfetastatur aufleuchten lassen kann; und einen Schwangerschaftsbauch zum Anprobieren und Üben. Altmodischer und skurriler Museumsdiskurs mit dem subtil erhobenen und leicht manipulativen Zeigefinger.

Eine Nostalgie

Valli baar (Muurivahe 14): Witziger und winziger Ort voller Sowjet-Reminiszenzen. Das Publikum besteht aus älteren Russland-Esten und vereinzelten Kunststudenten. Zu später Stunde werden zu Gitarre und Akkordeon traurige russische Lieder gesungen. Man nimmt den hauseigenen Drink „Millimallikas“ zu sich, was „Qualle“ bedeutet. In der Innenstadt findet man zwei weitere Cafés mit original Sowjet-Charme, das Energia Kohvik (Kaubamaja 4) und das Narva Kohvik (Narva mnt 10). Das Betreten des Narva Kohvik erfordert gewissen Mut, es ist groß, dunkel und immer leer.

Ein Friedhof

Friedhof Kopli (Kopli kalmistu, erreichbar mit Straßenbahnlinie 9): Er ist verschwunden, aber irgendwie immer noch da, der Friedhof Kopli (früher „Kirchhof von Ziegelskoppel“), auf dem seit 1774 protestantische Baltisch-Deutsche begraben wurden. Die Sowjets ebneten ihn 1950 ein und verwendeten die Grabsteine im Straßen- und Hafenbau. Auf der Landzunge weht die finnische Meerbusen-Brise über den gruseligen Ort. An der Endstation der Linie 9 ist ein kleines Wäldchen, in dem nachts die unruhigen Toten herumgeistern.
Europas Hauptstädte 22/42

Ein Alkohol

Sauflagerhallen am Hafen für die Kurzzeittouristen aus skandinavischen Ländern. Duty-free für Schwankende!
Eine Bar: Das Basilio, die „Bar for the pet owner“, ist voller Tier-Porzellanfiguren, Pokale und unglaublichem Haustier-Kitsch.

Eine Unterkunft

Das „Hotell Olümpia“ wurde zusammen mit dem Strand „Pirita“ für die Olympischen Spiele 1980 errichtet. Öffentlicher Pool im obersten Stock.

Eine Kantinenkultur

Die versteckten und entlegenen „Söögituba“-Kantinen sind das Estnischste an Tallinn.

Ein Bonuswissen

Skype wurde in Tallinn gegründet.

TIPP
Weitere Kolumnen auf: www.amanshauser.at

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