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Amanshausers Welt: City Album/Valletta

09.02.2012 | 14:48 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Exbombardiert, voller Erker, mit einer Schiffswrack-Kirche.

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Eine Stadtflucht

Valletta ist die kleinste EU-Hauptstadt, einst war sie viermal so groß. Heute wohnen im Stadtgebiet nur 6000 Menschen, mit der Einwohnerzahl kann man Wetten gewinnen. Der Schwund liegt an der Tatsache, dass Wohnen überall anders auf Malta vielversprechender war. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt 154 Tage lang bombardiert, in Valletta fielen die meisten Bomben pro Quadratmeter überhaupt, was auch nicht zur Beliebtheit als Wohnort beitrug. Seit dieser Stadtflucht ist die Insel Malta, wovon sich Besucher mit Schrecken ein Bild machen, ziemlich vollgebaut – und Valletta eingeschrumpelt.

Ein Imbiss

Hobz· biz·-Z·ejt (z. B. bei den Ständen am City Gate, neben dem Busbahnhof): Den Nationalfisch namens Lampuka kriegt man selten irgendwo, dafür wird dieses „Brot mit Öl“, so die Übersetzung aus dem Maltesischen, Maltekischen oder Malti (diese Begriffe kämpfen um die Vorherrschaft), an vielen Ecken verkauft. Es handelt sich um ein pizzaähnliches Sauerteigbrot, bestrichen mit einer Paste aus zerquetschten Tomaten, Kapern und Oliven. Hat Krusten – und ist immer frisch.

Ein Hotel

Castille Hotel Malta (348 St. Paul’s Street, Ecke Castille Square): Ein Stadtpalast aus dem 16. Jahrhundert, der bessere Jahre gesehen hat – doch als Bonus gibt es Zimmer mit den berühmten Erkern, die das Bild von Valletta prägen. Sie wurden einst gebaut, weil die Frauen der Araber immer daheim sein mussten und sauer waren, weil sie nichts vom Straßenleben mitkriegten. Das Castille, günstige Preise weil teilweise eher laut, extrem zentral gelegen, hat eine spektakuläre Dachterrasse mit Blick auf Floriana, den Grand Harbour und den Three Cities. Über diesen Platz herrschten Phönizier, Karthager, Römer, Byzantiner, Vandalen, Ostgoten, Araber, Normannen, Habsburger, Johanniter, Napoleon und Briten.

Ein Beitritt

Am 1. 5. 04 trat Malta per depressivem Volksfest (ich war dort) der EU bei.

Eine Kirche

St.-Pauli-Schiffswrack-Kirche erinnert an den dazugehörigen Schiffbruch im Jahr 60. Interessante Knocheneinlagerung (Oberarm des Heiligen) für Reliquienfreaks.

Ein Verbrechen

Seit 2009 hat Malta auf Druck der EU den Singvogelfang (mit Schlagnetzanlagen, die 100.000 Vögel jährlich fingen) verboten. Die ornithologische Gesellschaft kämpft gegen Vogeljäger an (siehe www.birdlifemalta.org).

Ein Erbe

Vom Commonwealth blieben: rote Telefonzellen, blaue Laternen vor Polizeistationen, orangefarbene Autobusse mit Rundschnauzen.

 



TIPP
Weitere Kolumnen auf: www.amanshauser.at

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