Amanshausers Welt: City-Album - Ankara

07.06.2012 | 15:37 |  von Martin Amanshauser (Die Presse - Schaufenster)

Vom Atatürk-Mausoleum über Ayran bis zur Angorakatze.

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Ein Viertel

Gecekondu: Eine türkische Spezialität der urbanen Entwicklung. Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, quasi über Nacht, am Rande großer Städte wie Istanbul und Ankara. „Gecekondular“ (= in der Nacht gelandet), so heißen die hiesigen Siedlungen, Favelas oder Shanty Towns, die in kürzester Zeit von ländlichen Zuwanderern errichtet werden. Erst später kommen Wasser, Strom u. a. dazu. Das Wort wirkt mittlerweile nicht uncool, die Anhänger der Fußballmannschaft MKE Ankaragücü aus der Süper-Lig nennen sich „Gecekondu“. Die Tendenz geht dahin, dass diese Siedlungen allmählich in offiziellen Grundbesitz umgewandelt werden.

Ein Turm

Atakule-Fernsehturm (am Ende der Cinnah Caddesi, Çankaya): Liegt etwas außerhalb, gleich neben dem botanischen Garten. Von diesem 125 Meter hohen Atakule hat man einen Panoramablick auf die Stadt. Da er in der Spätepoche der Fernsehtürme errichtet wurde (1989), gibt es einen adrenalinfördernden Glasfrontaufzug. Wer eine Reservierung für das Drehrestaurant macht, zahlt keinen Touristeneintritt. Das dazugehörige Shoppingparadies mit 155 Läden betreibt Burger King, einen Kinopalast und ein Dreamland für Kinder. War einst das Einzige seiner Art, altert jedoch auf nette Weise.

Zwei Restaurants

Hacı Arif Bey (Güniz Sokak 48/1): Ankara ist keine Touristenstadt, Lokale wirken zumeist „lokal“. Massenhaft Kellner, eigener Kinderbereich. Traditioneller Ort mit einigen Aquarien, durch die auch Schildkröten schwimmen; frischer Fisch wird serviert. Natürlich gibt es auch alles andere, was ein guter Türke haben muss, Humus, Melanzanisalat, Lamm und danach wunderbar klebrige supersüße Baklava. Aber: Kein Alkohol auf der Speisekarte, stattdessen Ayran und Tee. Wem das zu familiär ist: Einen Versuch wert sind die über Ankara verstreuten Köfte-Buden (oft Wohnwägen) mit großartigen Snacks.

Eine Haltung

In Ankara wird höflich und wertschätzend miteinander umgegangen; wer aus dem ruppigen Wien kommt – oder aus dem quirligen Istanbul –, ist oft verwirrt über die ländlich-freundliche Grundstimmung.

Ein Grab

Mustafa Kemal, Atatürk genannt (1881–1938), liegt im Mausoleum Anıtkabir. Staatstreue Brautpaare besuchen ihn gern.

Ein Bildhauer

Der Wiener Heinrich Krippel (1883–1945) ist der wohl bedeutendste Atatürk-Denkmalmacher; er schuf u. a. das „Republikdenkmal“ auf dem Ulusplatz, einen reitenden Türkenvater.

Eine Katze

Ankara hieß einst Angora; und die „Türkisch Angora“ ist seit dem 15. Jahrhundert eine hübsch zerrupft wirkende Rassekatze und zudem Nationalkatze der Türkei.

TIPP
Weitere Kolumnen auch auf: www.amanshauser.at

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