Donald Trump möchte Zuglangstrecken abschaffen

Das wäre der Epilog einer langen, traurigen Geschichte.

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(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/Kevin Hagen

Über die Weihnachtsfeiertage las ich Carl Schorskes Meisterwerk „Fin-de-siècle Vienna“, und im Kapitel über den deutschnationalen Judenhasser Georg von Schönerer stieß ich auf eine verblüffende Anekdote. Sein Vater, der Ingenieur Matthias Schönerer, brachte 1838 von einer Studienreise in den USA die erste Dampflok nach Wien, die Philadelphia, welche der Brücke und U-Bahnstation in Meidling ihren Namen verlieh. Schönerer brachte amerikanische Lokomotivführer als Entwicklungshelfer in die Kaiserstadt, 1840 eröffnete er die erste Lokomotivenfabrik im österreichischen Teil der Monarchie.

Amerika als Vorbild im Eisenbahnwesen: Das ist lange her. Rasch gab ich nach meiner Ankunft in den USA Anfang 2013 die Hoffnung auf, mittlere Distanzen nicht mit dem Flugzeug, sondern auf Schienen zurückzulegen. Entweder die Züge sind zu teuer und stets ausgebucht (wie auf den viel befahrenen Strecken zwischen Washington und Boston), oder sie sind zu teuer und elend langsam (weshalb ich nie mit dem Nachtzug ins schöne Charleston reiste). Das Auto hat den Zug in den USA als Reisemittel vernichtet, dann kam der Flugverkehr, und nun will Donald Trump die Zuschüsse für die defizitären Langstreckenverbindungen ganz abschaffen.

Das beträfe legendäre Züge wie den California Zephyr, der zwischen Chicago und San Francisco verkehrt. Gewiss, nur 417.322 Passagiere fuhren 2016 mit ihm. Die Vorstellung, dass man die Weiten der USA eines Tages nicht mehr auf Schienen durchqueren kann, macht mich dennoch traurig.

oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2017)

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