25.05.2013 21:42 Merkliste 0

Schöner wohnen im Urlaub: Im Stadl de luxe, im Dünenhaus royal

29.06.2012 | 18:48 |  MADELEINE NAPETSCHNIG (Die Presse)

Die Qualität der Architektur einer Luxusferienimmobilie entscheidet immer öfter darüber, ob man dort Wurzeln schlägt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bilder zum Thema

Wenn es das Klischee eines modernisierten toskanischen Landhauses gibt, dann erfüllt es vermutlich „La Bandita“. Geld und Ideen investierte ein ehemaliger amerikanischer Musikmanager in das alte Anwesen nahe Siena: Es wurde saniert, ein Infinity-Pool angelegt und ein Designerteam verpflichtet, das auch für die Tate Modern in London oder das Modelabel Comme des Garçons gearbeitet hat. So mutet die Ferienimmobilie außen archaisch, innen minimalistisch an. Eine Kombination, wie sie der lifestyleaffine Urlauber mit stattlichem Reisebudget schätzt und gern mit seiner Entourage mietet – sofern das Domizil nicht auf Monate ausgebucht ist.

Diese Gefahr besteht, auch weil das Objekt seit Kurzem auf einem Portal wie www.urlaubsarchitektur.de gelistet ist und sich dort in Gesellschaft baulich auffälliger Teilzeitquartiere befindet. Im Gegensatz zu kommerziellen De-luxe-Ferienimmo-Seiten, die mit Villen, Chalets und Appartements ihr Geld mit den Zielgruppen der sogenannten Etablierten und Performer machen wollen, handelt es sich bei dieser Pionier-Internetseite um eine außergewöhnliche Sammlung von Häusern, die höheren architektonischen Gesetzen gehorchen und eine mittlerweile große eingeschworene Gästeschar bedient: Der Architekt Jan Hamer hat aus eigenem Urlaubsinteresse einst ein Online-Portfolio aus schottischen Strandhäusern, alpinen Avantgardestadln und maritimen Bauexperimenten zusammengetragen, für das nicht nur die reine Optik zählt: „Entscheidend ist die architektonische Qualität, die Einbindung in die Lage – und wie konsequent die Ideen durchgearbeitet sind.“ In die Luxuskategorie fallen diese Häuser schon wegen ihres Anspruchs, oft auch wegen ihrer Ausstattung und Preise – Conciergeservice oder Gourmetkoch inklusive.

 

Mit dem Segen der Queen

Mitunter ist so eine touristische Immobilie hoch dekoriert: Heuer wurde dem „Dune House“ vom Royal Institute of British Architects ein Award verliehen. Das Objekt mit dem markanten Dach stammt ursprünglich aus der selektiven Ferienhaussammlung von „Living Architecture“. Nicht von ungefähr ist an dieser der bekannte Alltagsphilosoph Alain de Botton beteiligt, der Hipsters gern mit Erklärungsstoff zu Architektur und Reisen versorgt. In die Dünen von Suffolk gesetzt haben den exquisiten Bau Jarmund Vigsnaes Architects & Mole Architects. Nur ein Bau in der exklusiven Briten-Immoriege hat für den Gast noch mehr Stararchitekten-Appeal: „Balancing Barn“, ein frei über einen Abhang hinausragender Holzbau, wurde von MVRDV entworfen (kostet zu Neujahr 2761 £ für fünf Tage).

Die Chance, bei de Bottons kontemporärer Architekturvermittlung einen „Room for London“ zu ergattern, ist derzeit null – 2013 gern wieder. Der Andrang auf solche Plattformen ist schließlich groß, von beiden Seiten: Jeden Freitag geht etwa bei „Urlaubsarchitektur“ ein Haus online, drei Monate lang warten bereits aufbereitete Objekte in der Pipeline – weit mehr, als ihnen angeboten wird, sagt Hamer. Ein siebenköpfiges Expertenteam siebt aus, debattiert, beschreibt ohne Werbesprache – man vermietet die Objekte ja nicht direkt (das machen die Hausbesitzer selbst). Viel wird abgelehnt, oft sind es Vermieter, die beim Hype um den Architekturtourismus nur mitschneiden wollen. „Es gab sogar den Fall, dass ein Haus noch nicht einmal gebaut war und der Betreiber schon eine Zusage wollte, dass er auf dem Portal erscheint.“

Die Suche nach der ästhetisch wertvollen Ferienimmobilie hat Eigendynamik, und eine Community erzeugt, die sich quer durch solche Portfolios mietet: vom Engadiner Denkmalschutzobjekt aus dem 17. Jahrhundert in die moderne Villa, die mit den Kellern eines slowenischen Weingutes verbunden ist. Was vor zehn Jahren das Landhaus im Piemont war, meint Hamer, sei jetzt das Landhaus in Mecklenburg-Vorpommern. Eine gewisse Häufung verzeichnet er auch bei Adaptionen im Alpenraum: Heu und Kühe weichen Jacuzzi und Sichtbeton.

Die Klientel, die solche Häuser sucht, bringt die Wertschätzung für Architektur mit und gehört zu einer stark wachsenden Gruppe, wie Bibiane Hromas bestätigt. Die Architektin und Lehrende an TU Wien und an der FH Wien untersucht die Wechselwirkung von Architektur und Tourismus konsequent und lange. Ihre Grundlagenstudie „Architektur macht Gäste“ hat nach wie vor Gültigkeit – darin wird belegt, dass sich bei 88 Prozent der Bauherren die Investition in zeitgenössische qualitative Architektur rentiert habe. 97 Prozent sahen in der Architektur ein Mittel, um sich vom Mitbewerb abzuheben. „Heute ist das Thema schon in der Breite angekommen“, sagt Hromas. Was zugleich aber bedeutet, dass es bereits auch „Look-alike-Architektur“ gibt, die nur oberflächlich – mit ein paar Designermöbeln und Details – so tut, als ob.

 

Regionale Moderne mit Sulmtaler Hendl

Wenn es den Inbegriff des modernen südsteirischen Stadls gibt, dann erfüllt ihn wohl der Stadl am Tunauberg. Mit Herzblut und viel eigenem handwerklichen Einsatz hat Dietmar Silly in der Weinregion ein kleines nobles Ferienhaus-Imperium aufgebaut. Das Label heißt „Pures Leben“ und will dem anspruchsvollen Gast ein regionales Zusammenspiel aus „Essen, Trinken, Wohnen“ vermitteln. An vier Standorten experimentiert Silly mit unterschiedlichen Gebäudetypen, die in der Region verankert sind: Winzerhäuser, Weinstöckl, Stadl. Traditionell reihen sich solche Gebäude in der Südsteiermark am Grat der steilen Hügel.

So einen Platz hat er auch auf dem Tunauberg bei Oberhaag gefunden, unterschiedlich luxuriös ausgestattete Häuser hingestellt – und sein nobelstes, innovativstes Domizil nun mit dem 100 Jahre alten Stadl realisiert. „Das Gerüst hab ich stehen gelassen. Was neu ist, das sieht man darin bewusst“, sagt er. Auf einem cool gestalteten Küchenwohnraum setzt der Schlafbereich wie eine Box auf, eine nach hinten versetzte Glasfront lässt den Bereich wie eine lichte Empore erscheinen. Vor dem Stadl liegen uneinsehbar die Terrasse und der Schwimmteich, in den der Gast direkt aus der Sauna springt. 400 Euro kostet der Tag, die vielen Quadratmeter bewohnt man nur zu zweit – mancher Gast bleibt lange. Silly hält immer Ausschau nach Objekten, die er in seine Urlaubsphilosophie integrieren kann. Es müssen Objekte an magischen Plätzen sein, beschreibt er, „nicht so sehr an Orten, an denen sich der Blick in der Weite verliert, sondern an denen er ein Gegenüber hat“. Das kann eine lauschige Talsenke sein, in der der Gastgeber einen Outdoorschlafplatz errichtet. Oder ein Steinhaus an der Weinstraße, in dem die Gäste mit Sulmtaler Hendl bekocht werden und sich Picknick-Vespas ausborgen. Oder ein anderes uriges Bauernhäuschen, das Silly schon im Auge hat.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.urlaubsarchitektur.de, www.living-architecture.co.uk, www.puresleben.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com