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Bessere Chancen in Übersee

06.07.2012 | 18:22 |  KARL-HEINZ GOEDECKEMEYER (Die Presse)

Nur mit Nordamerika-Investments konnten Investoren eine angemessene Rendite einfahren. Asiatische blieben hinter ihren Erwartungen zurück.

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Ein Wechselbad der Gefühle haben Investoren mit Immobilienaktien und Immobilienaktienfonds in den letzten Jahren durchlebt. Mit Blick auf die Turbulenzen an den Kapitalmärkten im ersten Halbjahr 2012 stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, höhere Volatilitäten bei Immobilienaktien im Zeitverlauf in Kauf zu nehmen.

Einer Recherche des Datenanbieters Finance & Ethics Research (FER) zufolge musste die Kategorie Immobilien von April 2011 bis April 2012 einen durchschnittlichen Performanceverlust von über 1,1 Prozent hinnehmen und liegt im Vergleich bei den Wertpapierkategorien im Einjahres-Performance-Ranking an dritter Stelle – vor Aktienfonds (–6,1 Prozent) und Mischfonds (–1,7). Eine angemessene Rendite (4,5 Prozent) brachten nur Anleihefonds. In den Berechnungen von FER sind die Fonds erwähnt, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassen sind.

Bei den Immobilienfondsarten konnten Investoren nur mit offenen Fonds eine Rendite einfahren, wenngleich sich diese nur bei plus einem Prozent belief. Anleger, die in Immobilienaktienfonds oder Immobilienaktien investierten, mussten einen Renditeverlust von knapp einem beziehungsweise 22 Prozent hinnehmen. Mit Blick aufs erste Halbjahr jedoch scheint sich das Blatt für europäische Immobilienaktien gewendet zu haben. Laut Patrick Nass, Fondsmanager bei Ellwanger & Geiger, legte der EPRA-Index bis Mitte Juni um 9,5 Prozent zu, während sich der Euro Stoxx 50 nur knapp zwei Prozent verbessern konnte.

 

Britische Immofonds in Europa vorn

Auf der Einzeltitelebene schnitten Unibail Rodamco von April 2011 bis April 2012 mit etwas mehr als drei Prozent am besten ab. Dahinter rangierten Land Securities (UK), Simon Property und Sun Hun Kai Properties mit knapp unter zwei Prozent. In der regionalen Betrachtung konnten nordamerikanische Immobilien-Aktienfonds mit 22 Prozent die höchste Rendite erwirtschaften. Innerhalb Europas wiesen britische und französische Immo-Fonds mit elf sowie acht Prozent die beste Performance auf.

Laut Michael Beck, Leiter Portfoliomanagement von Ellwanger & Geiger, beliefen sich die Discounts (Abschläge zum Nettoinventarwert) Ende 2011 bei deutschen Immo-Aktien durchschnittlich auf rund 30 Prozent. „Im Vergleich dazu wiesen paneuropäische und Euroland-Immoaktien einen Discount von rund 16 sowie 13 Prozent auf.“

Insofern kann auch nicht verwundern, dass Immobilien-Aktienfonds laut FER ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23,6 aufwiesen. Im Vergleich dazu hätte die Finanzbranche ein KGV von 11,3 beziehungsweise die Industrie eines von 13,5 gezeigt. Derzeit werden kontinentaleuropäische Immobilienaktien laut Ellwanger & Geiger im Schnitt mit einem Abschlag von 18 Prozent bewertet, während die österreichischen Immo-Aktiengesellschaften mit Abschlägen von 45 (Conwert) bis 65 (CA Immo) an der Börse bewertet werden.

Bei den Immoaktienfonds belegten in der Dreijahresperformance der Morgan Stanley US Property und der iShares Stoxx AM600 Real Estate mit einer Rendite von 193 und 171 Prozent auf Eurobasis die ersten Plätze. Auch in der Einjahresbetrachtung rangierte der iShares Stoxx AM600 Real Estate mit einer Performance von 17,3 Prozent ganz vorn. Besser war nur der Lacuna US-REIT mit 18,5 Prozent.

 

Auf die Dauer kommt es an

Dagegen schnitten die viel gepriesenen asiatischen Fonds sowohl in der kurzfristigen als auch in der mittelfristigen Betrachtung im Vergleich zu globalen Fonds nur unterdurchschnittlich ab. Im 50 Titel umfassenden FER-Performance-Ranking belegten die beiden Asien-Fonds nur mittlere Plätze. Zu den besten europäischen Aktienfonds im Dreijahresperformance-Ranking zählten der Morgan Stanley European Property (+97 Prozent), BNPP Real Securities Europe Fund (+95 Prozent) und der CS Real Estate Interswiss (+50 Prozent). Demgegenüber warfen der Erste Immofonds und der Real Estate Austria nur eine magere Rendite von rund elf Prozent ab. Nicht viel besser erging es den deutschen offenen Immobilienfonds: Der Grundbesitz Europa und der Hausinvest kamen auf knapp zehn Prozent.

In der langfristigen Betrachtung – von 1. 1. 2000 bis 3. 1. 2012 – schnitten Immobilienaktienfonds mit einer Rendite von rund 200 Prozent deutlich besser ab als offene Immobilienfonds und Immoaktien mit etwa 140 beziehungsweise 110 Prozent. Diese Performance-Konstellation trifft auch für die mittelfristige Betrachtung (2005 bis Ende 2011) zu.

Investoren könnten daraus schließen, dass mit größerem Zeitrahmen die Jahresrenditen bei Immobilienaktien und REITs – unter Inkaufnahme der höheren Volatilität – durchwegs höher ausfallen. Zu der Einschätzung gelangt eine Untersuchung der Irebs-Universität Regensburg. Sie zeigt, dass die Performance von Immobilienaktien umso mehr die zugrunde liegenden Immobilienrenditen und -einflüsse widerspiegelten, je größer die betrachteten Zeiträume waren. Kurzfristig schlagen die allgemeinen Börsentrends stärker auf Immoaktien durch, längerfristig hingegen nimmt deren Einfluss auf die Wertentwicklung sichtlich ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)

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