Wohnkonzepte: Haus im Haus, Dorf in der Stadt

Hausmodule, Bio-Solar-Bauten, schnell hochgezogene verfüllte Ziegel oder urbane Dörfer – neue Bauweisen beleben den Markt.

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Softboxx“ nennt Architekt Wolfgang Wareka sein Modell für das Haus der Zukunft. Derzeit gibt es 20 verschiedene Prototypen – „in den Größen S, M, L, XL“ vom Wiener Gartenhaus bis zum eingeschoßigen Einfamilien- oder zweigeschoßigen Reihenhaus. Durch die modulare Bauweise ergibt sich eine Reihe von Kombinationsmöglichkeiten, was den Reiz der Objekte ausmacht. Soft sind die Boxen in Bezug auf ihre abgerundeten Wandecken. Dank der sogenannten „Bagua“-Anordnung der Räume „ist das Haus auch Feng-Shui-kompatibel“, erklärt der Erfinder, der auf Nachhaltigkeit Wert legt: Das Haus mit Niedrigenergiestandard besteht aus Holz und weist rund 15Prozent mehr Nutzfläche bei gleicher bebauter Fläche auf als bei herkömmlicher Ziegelbauweise. Zudem gestalten sich die Rohbaukosten moderat. Ab 1490 bis 1690 Euro pro Quadratmeter gibt es die Häuser ohne Extras. „Als Richtwert“, sagt Wareka, „da ich kein Fertighaushersteller bin und jedes Haus individuell geplant wird, setzt sich der Preis immer anders zusammen.“

 

Das Schachtelprinzip

Mit einem energiesparenden Wohnhaus aus Holz – dem Bio-Solar-Haus – beschreitet Knut Drugowitsch neue Wege. Er war bisher in Österreich und in Osteuropa mit der Delta Gruppe tätig, jetzt vertreibt er das Bio-Solar-Haus in Österreich in Lizenz. Es wurde vom deutschen Maschinenbauingenieur Klaus Becher entwickelt und stellt eine Weiterentwicklung des Passivhauses dar, allerdings ohne die dafür notwendige Haustechnik und die damit verbundenen Wartungsarbeiten. „Grob gesagt, basiert es auf einem Haus-im-Haus-Prinzip“, erklärt Drugowitsch. „Man darf sich aber nicht vorstellen, dass hier ein Haus über ein bestehendes Haus gebaut wird, sondern es handelt sich um ein System aus Wintergarten und einer Außenhülle – dem Wetterschutzhaus.“ Zwischen der Innen- und der Außenhülle liegt eine Luftschicht, die zwischen plus fünf und null Grad hat und wie eine Dämmung funktioniert. Das Innenhaus erzeugt damit ein eigenes Klima und braucht daher weniger Energie – sowohl im Winter als auch im Sommer.

„Das System funktioniert einfach, das ist für die Lebensdauer wichtig“, erklärt Drugowitsch. „So ein Bio-Solar-Haus braucht keine Dampfsperren für komplexe Dämmsysteme oder Lüftungsanlagen.“ Die Baukosten liegen bei frei stehenden Häusern ab der Bodenplatte bei rund 2000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. In Deutschland und Skandinavien stehen bereits über 200 solcher Objekte, sowohl Einfamilienhäuser als auch Objekte für mehrere Familien.

 

Die Dämmung ist schon integriert

Zu den technologischen Entwicklungen der vergangenen Jahren gehört bei Wienerberger eine neue Generation von Verfüllziegeln, die eine Gesamtlösung für die Wand ermöglichen. „Damit braucht es auch keine zusätzliche Dämmung mehr, diese ist schon integriert“, erklärt Heimo Scheuch, Vorstandsvorsitzender Wienerberger. Durch ein System, bei dem die Ziegel mit einer neuen Technik verklebt werden, spare man überdies bis zu 40Prozent Arbeitszeit. „Nach einer kurzen Einschulung könnte jeder eine Mauer errichten“, meint Scheuch.

 

Alte Idee, neu gebaut

Mit einer anderen Form des Wohnbaus setzt sich der Wohnbauträger Flair auseinander. Im Geiste der Architekturströmung des New Urbanism, der die Idee alter Dörfer und Siedlungen aufgreift, werden diese Konzepte in modernen Wohnanlagen umgesetzt. So sind die Einheiten alle verschieden – ebenso die Grundstücke. „Individuelle Parameter wie Sicherheit und Ruhe, individuelle Rückzugsbereiche, raumgebende Offenheit, abwechslungsreiche Aussichten und an die Bedürfnisse des Menschen angepasste Grundrisse“, so zählte jüngst der Grazer Universitätsdozent und Wohnpsychologe Harald Deinsberger die Eckpfeiler der Idee auf. Derzeit wird im Westen Wiens solch ein neues „Dorf“ errichtet, „bei dem das Konzept an die lokalen Gegebenheiten angepasst wurde“, erklärt Otto Kauf, Geschäftsführer von Flair: „Man legt durch das Grundstück einen willkürlich laufenden Weg, wie in alten Dörfern die Straße oder der Bachlauf, und entlang dieses Weges ordnet man die Häuser an.“ 30Prozent der Einheiten wurden bereits im Planstadium verkauft. Jetzt wird es eine Zusammenarbeit mit der Stadt Wien bezüglich eines Projekts in Atzgersdorf geben.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.softboxx.at, www.novares.co.at,

www.wienerberger.at, www.flair.co.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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