Nicht nur hierzulande stürzen sich Anleger auf Wohnimmobilien und treiben die Preise hoch. Auch in Deutschland müssen Käufer von neu errichteten Eigentumswohnungen tiefer in die Tasche greifen als noch vor fünf Jahren – um 22Prozent, wie aus dem Immobilienindex von ImmobilienScout24 (IMX) hervorgeht. Ältere Wohnungen, Häuser und Mieten verteuerten sich weniger stark.
Im ersten Quartal waren Wohnungen deutschlandweit um 3,1Prozent teurer als vor einem Jahr, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht des Beratungsunternehmens F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt hervorgeht. „Angesichts der Unsicherheiten der Vermögensanlage an den Börsen gewinnen Immobilien als Sachwerte und langfristiger Inflationsschutz wieder an Bedeutung“, heißt es dort. Von einer Blase will F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner nicht sprechen. Der Preisanstieg sei dort stark, wo auch die Nachfrage hoch sei, etwa im Süden und in der Mitte Deutschlands (Frankfurt, Stuttgart).
Teures Benzin treibt Leute in die Städte
Hinzu komme, dass Mobilität aufgrund der steigenden Energiekosten teuer geworden sei: Das verleite die Leute dazu, in innerstädtische Lagen zu ziehen. Unter den Käufern fänden sich auch Anleger, doch sei die Kapitalanlage nicht das einzige Motiv. Viele würden auch Wohnungen für ihre Kinder kaufen.
Teuerstes Pflaster in Deutschland ist mit Abstand München. Laut F+B zahlt man dort im Schnitt 3850 Euro pro Quadratmeter. Das habe mit den hohen Einkommen, der guten wirtschaftlichen Basis und der geringen Neubautätigkeit in den vergangenen Jahren zu tun, sagt Leutner. Die Spanne ist jedoch groß: In einzelnen Straßenabschnitten muss man mit durchschnittlich 7370Euro rechnen. Solche Preise gibt es in Deutschland sonst nur in gefragten Hamburger Lagen (etwa um die Alster).
Im Schnitt zahlt man in der Hafenstadt 2620 Euro. Hamburg erreicht damit 68 Prozent des Münchner Preisniveaus, Frankfurt 67 Prozent. Relativ günstig ist Berlin: In der Hauptstadt muss man nur 43 Prozent des Münchner Niveaus hinlegen. Ursache ist, dass der Markt lange Zeit reguliert war, stellt Leutner fest. Seither ziehen Preise wie Mieten zwar an, vor allem aber in bestimmten Lagen wie Berlin-Mitte oder Kreuzberg.
Bei den Mieten zeigt sich ein ähnliches Verhältnis: Wer eine Wohnung in Berlin neu anmietet, muss mit durchschnittlich 6,4Euro pro Quadratmeter (jeweils netto, ohne Betriebskosten) rechnen. Wer dagegen in die bayrische Hauptstadt ziehen will, muss im Schnitt 12,1Euro pro Quadratmeter berappen. Je nachdem, wo er logieren will, reicht die Spanne von 8,3 bis 19,3Euro. Auch hier wird München in der Spitze nur von Hamburg übertroffen, wo man zwar im Schnitt mit neun Euro das Auslangen findet, in einzelnen Straßenzügen aber 19,9Euro zahlt.
Für Alteingesessene ist es günstiger: Wer bereits eine Wohnung gemietet hat, zahlt in München im Schnitt 9,58 Euro. Viele Neuzuzügler können sich aber das Wohnen in der Stadt nicht leisten und ziehen daher in den Speckgürtel um die Stadt, der im Norden bis Ingolstadt reiche, stellt Michael Kiefer, Leiter der Immobilienbewertung bei ImmobilienScout24, fest. Deswegen steigen auch im Speckgürtel die Preise deutlich. Eine Trendwende sieht Kiefer nicht. München sei eine der am stärksten wachsenden deutschen Großstädte.
Wien: Hohe Preise, nicht ganz so hohe Mieten
In Wien lässt sich zurzeit noch billiger mieten als in München, Frankfurt oder Hamburg. Wer in der österreichischen Bundeshauptstadt im Vorjahr auf dem freien Markt eine Wohnung neu anmietete, zahlt im Schnitt 8,78Euro pro Monat und Quadratmeter. Das geht aus dem Immobilien-Preisspiegel der Wirtschaftskammer hervor. In München sind es laut F+B 12,1Euro, in Frankfurt 9,9, in Hamburg 9Euro.
Bei den Kaufpreisen kann Wien mit den teuersten deutschen Städten durchaus mithalten. Laut Wirtschaftskammer haben sich neue Eigentumswohnungen auf 3298 Euro pro Quadratmeter im Schnitt verteuert. „Hier ist aber das Ende der Fahnenstange teilweise erreicht“, meinte Thomas Malloth, Obmann des Fachverbands der Immobilientreuhänder, bei der Präsentation des Immobilien-Preisspiegels. Wiener Wohnungen haben sich im Jahresvergleich um fast zehn Prozent verteuert, die Nachfrage kam zu einem Gutteil von Anlegern.
Die Preise für Wohnungen in den Städten ziehen sowohl in Österreich wie in Deutschland stark an. Eine Ursache ist die Nachfrage durch Anleger.Teuerste deutsche Stadt ist München mit Kaufpreisen von 3850 Euro pro m2 und Mieten von zwölf Euro pro Monat und m2 . In Wien zahlt man im Schnitt 3298 Euro pro m2 für neue Eigentumswohnungen und 8,78 Euro Miete pro m2.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
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