Eine Wohnung in brauchbarem Zustand mit mindestens 30 Quadratmetern, die außer einem Zimmer noch über eine Küche oder zumindest Kochnische verfügt, mittels Zentral- oder Etagenheizung beheizt wird und in der es Bad und WC gibt– nach Luxus klingt das nicht zwingend. Es handelt sich lediglich um die Definition einer Kategorie-A-Wohnung– eines Standards, dem heutzutage die meisten Wohnungen entsprechen.
Die alten Kriterien reichen längst nicht mehr aus, um gute von sehr guten Wohnungen zu unterscheiden. Die Traumwohnung der meisten Österreicher kann viel mehr: Sie hat etwa einen großen Balkon oder eine Terrasse, hohe Räume, dicke Wände, eine Wohnküche und ein geräumiges Bad mit Fenstern.
„Die Terrasse sollte zumindest so groß sein, dass man zu viert bequem dort sitzen kann“, stellt S-Real-Geschäftsführer Michael Pisecky fest. Ein Vier-Quadratmeter-Balkon tut diesen Anforderungen kaum Genüge. Tatsächlich müssen die Käufer oft Abstriche machen: „Wer eine Wohnung in der Josefstadt sucht, muss sich eher mit einem kleinen oder gar keinen Balkon zufriedengeben“, sagt Pisecky. Im 23. Wiener Gemeindebezirk ließen sich dagegen leichter Wohnungen mit großer Terrasse finden. Etwas, bei dem die Käufer kaum Kompromisse eingingen, sei die Größe von Bad und Küche. „Vor allem Frauen überlegen, ob die Wohnung genug Platz bietet für alles, was sie hineinstellen wollen.“ Finde sich in der Küche kein Platz für einen Geschirrspüler, verliere die Wohnung deutlich an Attraktivität.
Geräumiges Bad mit Fenster gefragt
Hat das Bad keine Fenster, stellt das für 27 Prozent der Wohnungssuchenden ein Ausschlusskriterium dar, wie aus einer Umfrage von ImmobilienScout24 unter 3200 deutschen und österreichischen Kaufinteressenten hervorgeht. Jeder Fünfte würde eine Wohnung sicher nicht kaufen, wenn sie keinen Balkon oder zu niedrige Decken hat oder schlecht gedämmt ist. Für je 15 Prozent sind dünne Wände oder eine Nordausrichtung der Wohnung ein No-go. Jeder Zehnte würde nicht kaufen, wenn das Domizil keine Badewanne (sondern nur eine Dusche) beherbergt.
In den vergangenen Jahrzehnten sind die Ansprüche nicht nur höher geworden, sie haben sich auch geändert: „Früher war die Küche getrennt vom Wohn- und Esszimmer“, stellt S-Real-Geschäftsführer Michael Pisecky fest. Heute seien große Wohnküchen gefragt. Auch achte man bei Neubauten darauf, dass keine Wohnung rein nordseitig ausgerichtet und damit zu dunkel sei. Früher habe man auf solche Kriterien weniger geachtet.
„Wohnungen aus den sechziger und siebziger Jahren sind heute vielfach unattraktiv“, bestätigt der Immobilienmakler Andreas Wollein von Realpartners. Dünne Wände, schlechte Wärmedämmung und eine Raumhöhe von weniger als 2,50 Metern– das entspreche nicht mehr dem heutigen Wohngefühl, was sich auch auf die Preisentwicklung auswirkt: Während die Preise für Wohnungen, die den Anforderungen der heutigen Wohnungssuchenden entsprechen, emporschnellen, sind sie für die Siebziger-Jahre-Wohnungen bestenfalls „stabil“, stellt Wollein fest.
Schwerer zu verkaufen als früher seien auch unsanierte Wohnungen: Früher hätten sich oft Käufer gefunden, die die Wohnungen selbst auf Vordermann bringen wollten. Heute passiere das selten. „Die Leute haben mehr Informationen und wissen, was alles schief gehen kann“, sagt Wollein. Wer eine solche Wohnung verkaufen will, sollte sie vorher sanieren. Reicht dafür das Geld nicht, werden die Wohnungen oft an professionelle Entwickler verkauft, die sie herrichten und weiterverkaufen.
Barrierefrei ins Alter
Auch neue Zielgruppen stellen höhere Ansprüche: So liegt es im Trend, dass Ältere, deren Kinder groß geworden sind, zurück in die Stadt ziehen. Sie legten Wert auf barrierefreies Wohnen, was Jüngeren häufig noch kein so großes Anliegen sei, berichtet Pisecky. „Diese Leute schauen ganz genau hin, ob es eine Stufe beim Eingang gibt oder ob der Lift groß genug für einen Rollstuhl ist.“
Auch suchten sie Wohnungen häufig bereits mit dem Hintergedanken, dort später einmal betreut zu werden. „Viele fragen sich, wozu ein älteres Ehepaar eine Vier-Zimmer-Wohnung braucht“, sagt Pisecky. Die Antwort: Die Käufer wollen sicherstellen, dass es auch Platz für eine Pflegekraft gibt, weswegen sie etwa auch Wert auf ein zweites Bad legen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)
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