Hannah Montana“-Star Miley Cyrus, Will Smiths Familie und die deutschen Bundeskanzler von 1963 bis 1999 – sie alle wohnten und wohnen in einem Bungalow. Früher stand die Bauweise eher für die Lebensart der 55-plus-Generation, die das ebenerdige Wohnen dem mühsamen Stiegensteigen vorzog. Nach wie vor ist das die Zielgruppe Nummer eins für den Bungalow: „Das eingeschoßige Wohnhaus ist bei älteren Bauherren und solchen, die sich Gedanken über das Älterwerden und die nachlassende Beweglichkeit machen, eine bevorzugte Wohnform“, sagt Architekt Helmut Dietrich. Barrierefreiheit lautet das Stichwort, das immer häufiger in die Planungen für die eigenen vier Wände einfließt. Und das kann durchaus auch schon die Residenz für die Pension sein; nämlich dann, wenn sich Ehepaare entschließen, das große „Familienhaus“ zu verlassen und sich ein bequemes kleines bauen wollen.
Aus Groß wird Klein
Eine andere Option: Man verkleinert das bereits bestehende Haus, wie Dietrich das in Bregenz umgesetzt hat. „Durch die eingeschoßige Bauweise duckt sich das Haus in den Freiraum mit seinem mächtigen Baumbestand. Der Wohnraum ist sehr hoch, sodass Tageslicht von allen Seiten und Ausblick in den Freiraum beziehungsweise die Baumkronen rundum möglich werden. Über dem niedrigen Schlafbereich befindet sich eine Terrasse, die das kleine Haus auf knappem Grundstück um eine Außenraumqualität bereichert.“
Das Verschmelzen mit der Natur, die Beziehung von innen und außen war schon für Ludwig Mies van der Rohe das wesentliche Kriterium bei der Planung seines Farnsworth Hauses in Illinois. Der deutsch-amerikanische Architekt hatte den Bungalow als Wochenendhaus für eine Ärztin aus Chicago entworfen und 1950/1951 gebaut. Heute gilt das Haus, das die Medizinerin wegen des vielen Glases und der hohen Kosten nicht überzeugte, zu den bekanntesten Bauten der modernen Architektur.
Einen ähnlichen Weg sind die Planer eines Ferienhauses in Oberkirchbach gegangen. „Wir konnten das neue Wochenendhaus in der Mitte einer Doppelparzelle so situieren, dass man von jedem Zimmer in den Garten gehen kann“, beschreibt Alexander Runser von Runser/Prantl architekten die Vorgangsweise. Zuvor war an der Stelle ein kleines Fertighaus gestanden, das abgerissen wurde. Der neue Bungalow öffnet sich nach Süden und Westen, ein weiterer Pluspunkt des Objektes ist ein in die Terrasse eingelassener Swimmingpool. Zu den Nachbarn und der Straße hin ist das Massivhaus hingegen geschützt gebaut und abgeschirmt – nur durch Schlitze kommt Licht hinein.
„Sehr ökonomisch“ empfindet Runser die Bauart von Bungalows, spart man sich doch eine durchaus kostenspielige Stiege und manchmal auch den Keller. Doch er sieht ebenso den Luxuscharakter solcher Häuser, die zum einen zur Topografie passen müssen und zum anderen ausreichend Grundstücksfläche benötigen. „Circa 800 Quadratmeter sollten es bei einer Hausgröße von rund 160 Quadratmeter Wohnnutzfläche zumindest sein“, rechnet Architekt Wolfgang Paschinger vor.
Der Garten im Wohnzimmer
Mit seinem p!2architektur-Team hat er in Vösendorf ein ebenerdiges Haus aus vorgefertigten Massivholzelementen für eine vierköpfige Familie realisiert. Die Vorgaben des Ortes waren speziell. Der scharf geschnittene, abgewinkelte Baukörper schirmt Wohnbereich und Garten von der Straße ab und schafft in seinem Inneren eine Atmosphäre der Ruhe und des Rückzugs. Das Holzdeck und das weit auskragende Vordach erweitern diesen Innenraum und holen den Garten in alle Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. „Das eingeschoßige Bauen bietet eine Vielzahl von architektonischen Möglichkeiten, Wege abseits der gewohnten Pfade zu beschreiten. Die direkte Verbindung mit dem Garten, das Ineinanderfließen von innen und außen beeinflusst die Qualität eines Raumes sehr positiv,“ erklärt Runser. Das ist es auch, was ebenso junge, bauwillige Menschen über die Alternative Ebenerdigkeit nachdenken lässt – und nicht nur Senioren.
Vorfertigung gestern und heute
Beim Bungalow-Bau hat Vorfertigung eine rühmliche Geschichte, wenn man an die Häuser von Frank Lloyd Wright denkt. Mit seinen sogenannten „Usonian Houses“ wollte er den Menschen der Mittelklasse größtmögliche Freiheit geben, und das führte ihn zum Einsatz von günstigen Fertigbauteilen. Seine Bungalows zählen heute ebenfalls zu den Highlights der modernen Architekturgeschichte. In diese Liga reihen sich ebenso derartige Bauten von Ludwig Mies van der Rohe oder Richard Neutra. Auch die Fertighausbranche baut in der Folge heutzutage standardmäßig Bungalows.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.pquadrat.at, www.runser-prantl.at,
www.dietrich.untertrifaller.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
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