Rund um das Feuer. Wo sonst sollte das Zentrum sein? Selbst im Kern der Erde brennt’s. Oder glüht’s zumindest. Alles dreht sich darum. Denn auf und rund um den Herd oder den Ofen zieht das Leben zu Hause konzentrische Kreise. Nach dem Aufstehen siedet der Kaffee, zu Mittag brutzeln die Fleischteilchen. Abends gart das Gemüse. Und seit ein paar Jahren bekommt die Küche von Designern endlich die Aufmerksamkeit, die sie sich schon immer verdient hätte. Die Küchenhersteller versuchen, das Leben und die Küche noch enger aneinander zu binden. Wenn sie merken, dass Menschen mobiler werden, schicken sie ihnen die mobile Küche hinterher. Wenn sie sehen, dass junge Menschen gerne Abende beim gemeinsamen Kochen verbringen, dann soll die Küche mitspielen. Die Designer erforschen Lebens-, Ess- und Kochgewohnheiten. Und erkennen: Einer Wohnung kann man alles nehmen, nur nicht die Küche.
Die brasilianischen Designer-Brüder Fernando und Humberto Campana präsentierten dieses Jahr in Mailand ein Küchenkonzept, das der Kreativität huldigt. Die Arbeitsoberfläche ist Skulptur ist Innovationsraum ist Küche. Da haben sich die Gedanken der Brasilianer ziemlich verrenken müssen. Die Küche muss alles zugleich sein, erkannten sie. Funktionaler Arbeitsplatz, heimeliger Lebensraum, offener Sozialraum. Und so kreierten sie das Schweizer Messer unter den Küchen. Und: Von oben betrachtet sieht es auch ein wenig so aus. „Shaping Silestone“ heißt das gute Stück. Besser gesagt: das gute Konzept. „Silestone“ ist eine Hightech-Naturquarzoberfläche, gleichzeitig eine Marke des Consentino-Konzerns. Hier entfalten sich fast bildlich die Nutzungsmöglichkeiten: der Tisch für die Gäste. Der Platz für das rituelle, gerne auch gemeinschaftliche Kochen. Und der Platz für das nicht ganz so tolle Danach: das Spülen, Waschen, wieder Einordnen.
Beweglich. Und da im Leben der Menschen immer weniger feststeht, lässt auch die Küche von Scavolini in der Diesel Home Collection Variations- und Kombinationsmöglichkeiten, je nachdem, was Lifestyle und Bedürfnis gerade erfordern. Die Diesel-Küche beschwört Vintage, die Materialien Holz, Stahl, Zement wurden mit speziellen Techniken gealtert. Die demografische Entwicklung in den Städten wurde in einen Lifestyle übersetzt. Denn die Wohnungen werden immer kleiner, Single-Wohnungen überall. Da ist die Küche notgedrungen Wohnraum, Gesellschaftsraum. Also der „Spaß mit Freunden“-Raum sozusagen. In Diesel-Worten: die „Social Kitchen“.
Die Wohnungen dürfen getrost kleiner werden, denn die Menschen sind ohnehin nicht zu Hause: Deshalb geht die Küche „Critter“ auch gerne mit, ja, sie ist eine „mobile Küche“. Entworfen hat sie der Mailänder Designer Elia Mangia. Produzieren wird sie der italienische Hersteller Skitsch. „Critter“ ist für draußen, aber auch für drinnen gedacht, zerlegbar und hinterfragt die gewohnte Fixposition der Feuerstelle in Höhle und Haus. Die Kochstelle ist 2 Meter 40 lang, eine Spüle ist dabei, der Rest kann modular bestückt werden. Zu zweit lässt sie sich mühelos bewegen. Und lässt den Betrachter kurz einmal überlegen, wie viel die eigene Küche zu Hause wiegt und wieso überhaupt? Braucht gutes Essen dermaßen viel Raum zum Schneiden, Lagern, Spülen, Schnippeln, Brutzeln, Kochen?
Küche: Mobiler, sozialer, verspielter




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